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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
Entstehung
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Der Lee liegt nach Weiß' Feststellung 1500 Meter hoch aus der Zahle des zentralafrikanischen Grabens. Er ist 101 km lang und 50 lern breit. Leine im Osten, Lüden und Westen hohen, im Norden aber flachen User sind außerordentlich zerklüftet, so daß sie, namentlich das östliche, stellenweise lebhaft an nordische Fjorde erinnern. Unzählige Kuppen und Gipfel, die sich bis 2800 m hoch erheben, umrahmen, kettenförmig angeordnet, den Lee. Lie sind in seiner unmittelbaren Nähe kahl, d. h. entweder Steppen- oder Kulturland. Weiter entfernt von ihm dehnt sich indessen herrlicher, hochstämmiger Urwald aus. Zu der Zerrissenheit der Ufer tritt als ein anderes wesentliches Eharakteristikum des Lees sein Reichtum an großen und kleinen Inseln, deren größte weiterhin eingehend geschildert werden sollen. Die Ränder des Lees sind nur in geringem Umfange mit Lchilf und Binsen bewachsen. Lie sind vielmehr meist steinig und aus weite Ltrecken versintert, d. h. mit einer Kruste von Kalk bedeckt. Diese Linterbildungen, die den ehemals höheren Ltand des Leespiegels anzeigend, leuchten stellen­weise förmlich aus dem Grün der bewaldeten Inselufer hervor. Line weitere Eigentümlichkeit des Kiwu sind heiße Ouellen, die sich am Nordostuser auf der Halbinsel Irungatscho vorfinden. Ihre Temperatur beträgt nach Kirschsteins Messungen bis zu 72 Grad Telsius. Offenbar bilden sie einen Anziehungspunkt für Fische, denn in ihrer Umgebung findet man die primi­tiven Reusen der Leeanwohner besonders zahlreich. Die Entstehung des Kiwu scheint nach der von unserem Geologen vertretenen Auffassung mit der Entstehung der virunga-vulkane ursächlich zusammen zu hängen, hier­durch sei ein vordem mit dem heutigen Albert Eduard-Lee vereintes Wasser­becken getrennt und derartig gestaut worden, daß es sich einen gewaltsamen Durchbruch nach Lüden in Gestalt des heutigen Russist verschaffte. Für diese Auffassung spricht die Übereinstimmung der von Kirschstein in den Linterbildungen gefundenen fossilen Mollusken mit den heute im Albert Eduard-Lee noch lebenden und die Beobachtung, daß die ganze vom Rut- schuru durchflossene Ebene nördlich der Vulkane alter Leeboden ist, was aus fossilen Muschelbänken und zahlreichen Leegeröllablagerungen hervorgeht.

Über die Fauna und Flora des Kiwu-Sees wußten wir bereits einiges aus den Angaben Kandts, der unter anderem auch eine umfangreiche Samm­lung der Fischarten dem Berliner zoologischen Museum überwies. Uns lag

i) wie Uirschstein feststellen konnte, reichen diese Sinterbildungen bis zu 8 m über dem heutigen Leespiegel hinauf.