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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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es ob, diese Beobachtungen zu ergänzen, namentlich, was die niedere Lebewelt betraf. Von einer vollständigen Erforschung des Sees konnte bei der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit naturgemäß keine Bede sein. Denn die biologische Untersuchung eines großen Wasserbeckens erfordert Monate und Jahre, je nach dem Grade der erstrebten Gründlichkeit, weil nicht nur die durch die räumliche Ausdehnung bedingte Häufung der Arbeit dabei in Betracht kommt, sondern auch die je nach der Tages- und Jahreszeit verschiedene qualitative und quantitative Zusammensetzung der Organismen, die eine lange Fortsetzung und stetige Wiederholung der Untersuchungen nötig macht. Deshalb können wir sogar nur von ganz wenigen europäischen Been sagen, daß wir sie in biologischer Hinsicht gut kennen, von afrikanischen vollends kann man dies auf lange Zeit hinaus füglich noch nicht behaupten. Alles, was von dort her bekannt ist, sind günstigenfalls Ztichproben, gemäß der Kürze der verwendeten Zeit und der Mängel der Untersuchungsmethoden. Aber derartige Ztichproben, sozusagen im vorübergehen genommen, sind immerhin von größerem Werte, weil sie eben aus ganz oder fast ganz unbekannten Gegenden stammen und Kunde geben wenigstens von dem allgemeinen Tharakter des betreffenden Gebietes. Außerordentlich wichtig für uns war auch der Besuch der Kiwu-Inseln, weil sie genau auf der Grenze der beiden in jeder Beziehung grundverschiedenen großen Gebiete des Kontinents, der westlichen Wald- und der östlichen Zteppenzone, liegen.

Aus diesen Gründen stellte also der Kiwu einen sehr wesentlichen Punkt in unserem Arbeitsprogramm dar und gleich nach unserer Ankunft in Kissenji unternahmen wir mit unserem kleinen Faltboot Ausflüge auf ihm. Bei einer solchen Gelegenheit machten wir auch unseren ersten versuch des Fischens mittels Dynamit. 5o berechtigt die Bekämpfung dieser Methode der Fischerei im allgemeinen ist, so empfehlenswert ist sie zu rein wissen­schaftlichen Zwecken. Weder das Angeln, noch der Fang in Reusen oder Netzen oder sonst irgendeine Art des Fischfanges vermochte sie uns zu er­setzen. Gerade was sie Berusssischern verpönt macht, der Umstand, daß sie auch jungen, unausgewachsenen, im Handel wertlosen Fischchen ver­derblich wird, ist für den Zoologen von größter Bedeutung, lernt er doch auf diese Weise die oftmals durch Farbe und Form von den erwachsenen Tieren abweichenden Jugendstadien kennen. Auch werden durch das Dynamit vor allem gerade solche Fische an die Oberfläche befördert, die auf dem Grunde zwischen Steinen oder pflanzen ein verstecktes Dasein führen