Dokument 
Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen

167

user des Sees, faullenzten, so lange die Sonne schien und der Lee glatt war. Erst, wenn Wind aufkam und Wellengang eintrat, wurden sie lebhaft.

Dieses traurige Ereignis veranlaßte uns auf anderen fahrten über den Lee, alle Vorsichtsmaßregeln zu treffen, d. h. wir begannen, wenn weite, offene, nicht durch Inseln geschützte Wasserflächen zu passieren waren, wie zwischen Mugarura und Wau oder Wau und Kwidschwi, bereits bei Sonnen- aufgang die Fahrt, um noch am frühen vormittag das Ziel zu erreichen, denn erfahrungsgemäß pflegen heftige Winde erst gegen Mittag über den Lee zu fegen. Die Lchisser rudern im Takt und machen, je nachdem sie es eilig haben oder nicht, mit den in den Händen freigehaltenen Rudern nach Paddelart zwei lange und einen kurzen oder einen langen und zwei kurze Lchläge. hin und wieder feuern sie sich durch ein eigentümliches, von einem Mann angestimmtes Geschrei, dessen letztes Wort von dem Thore wieder­holt wird, zu größerer Lile an. Leider hält diese nicht lange an und gerade, wenn es am nötigsten wäre, bei hohem Leegang, verlieren sie nur zu leicht den Kopf. Lobald die Wellen in das Boot schlagen, glauben sie, ihr letztes Ltündlein sei gekommen, und neigen dazu, das Rudern überhaupt ganz aus­zugeben. Dann bedarf es sehr energischer Aufmunterung seitens des Euro­päers, um die Leute zur Vernunft zu bringen,' aus diesem Grunde verteilten wir uns bei unserer Abfahrt von Kissenji so auf die Boote, daß in jedes ein zuverlässiger Mann zu sitzen kam,' in den beiden größten Booten saßen Mildbraed und ich, in den übrigen je ein Askari, mein alter wackerer Träger­führer Lompania, unser Koch Majuto und der Präparator hassani. Jeder hatte den Befehl, dafür zu sorgen, daß die Boote stets nahe beieinander fuhren.

Gleich am ersten Tage, bei der Fahrt zwischen Kissenji und der Insel Mugarura, wurde diese Maßregel belohnt. Der mit zoologischen Lasten bepackte Linbaum Amdallahs nämlich sog Wasser und mußte, da Schaufeln nichts half, von den beiden ihm benachbarten Booten in die Mitte genommen und zwei Stunden von Kissenji entfernt auf das User gesetzt werden. Amdallah wartete hier, bis ein anderes Boot zum Umladen der Lasten von Kissenji herbeigeschafft war. Die Fahrt von dort nach der Insel Mugarura ist nicht so interessant, wie die in umgekehrter Richtung. Es fehlt ihr der erhebende Anblick, den man, von Süden kommend, bei gutem Wetter ständig aus die großartige Szenerie des Nordusers, die virunga- vulkane, genießt. Die Hügel und Kuppen des Gstufers, an dessen Rande