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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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die Schiffer sich zu halten pflegen, sind unbewaldet und entweder mit Steppen­gras oder mit Eingeborenenkulturen bestanden. Sie wirken daher ermüdend, und wenn allmählich die Sonne höher steigt und erbarmungslos auf den Tropenhelm herabbrennt und ihre Reflexe auf dem Wasserspiegel das Rüge schmerzen, dann kann man in der Tat nichts Besseres tun, als sich den Tropenhelm tief in das Gesicht drücken und zu schlafen versuchen. Der ein­förmige Takt der Ruderschläge sorgt dafür, daß es nicht bei dem versuche bleibt, hin und wieder wird es vorkommen, daß man aus den schönsten Träumen durch den Ruf eines Boys oder Ruderers:Fissimaji, bana" (Herr, eine Fischotter!) gestört wird. Dann fährt die Hand nach der für diesen Zweck stets im Bug des Linbaums bereit gehaltenen Flinte und die in der Regel erfolglose Jagd auf den gewandten Fischräuber beginnt. Die Ottern sind die einzigen größeren amphibisch lebenden Tiere des Riwu-Sees. Fluß­pferde gibt es hier nicht, ebensowenig wie Krokodile, die überhaupt in ganz Ruanda zu fehlen scheinen. Ottern dagegen sind überall häufig und man wird kaum eine längere Bootsahrt auf dem Riwu, Mohasi oder Bolero machen, ohne einige von ihnen zu sehen. Ihr schönes Fell, das aber dem unserer einheimischen und der nordamerikanischen Tiere an Wert bedeutend nach­steht, macht sie zu einem auch von den Eingeborenen sehr geschätzten Jagd­tier. Watussi sowohl wie Wahutu benutzen das Fell, in lange Schnüre ge­schnitten, zur Verzierung ihrer großen, auf der Brust getragenen Tabaks­beutel. Ruch schmückt es, ebenfalls zu Schnüren verarbeitet, den Senden- schurz des Festgewandes der Watussi. Die häufige Nachfrage der den Riwu-See berührenden Europäer nach Gtterfellen hat die Seeanwohner veranlaßt, den Ottern noch eifriger nachzustellen, und so sind die ursprünglich vertrauten Tiere schon recht scheu geworden. Nur selten gelingt es, sich ihnen mit dem Boote auf Schußweite zu nähern. Schwimmend pflegen sie höchstens den Kops über die Wasseroberfläche hervorzustrecken und auch das stets nur für kurze Zeit. Es bedarf also eines schnellen und guten Schusses, um sie zu treffen. Damit aber noch nicht genug. Tödlich getroffen, sinkt der Otter schon nach wenigen Sekunden unter, und mehr als einmal ereignete es sich, daß wir beinahe in Greifweite die sichergeglaubte Beute vor unseren Rügen verschwinden sahen.

Die Snsel lNugarura ist eine der größeren des Riwu-Sees. Sie liegt in seiner östlichen Hälfte und trägt vielleicht deshalb noch vorwiegend Steppencharakter. Nur ihr nördlicher und nordwestlicher Teil ist mit dichtem