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flogen laut quiekend um unsere Köpfe und ließen sich nach kurzer Zeit an ihren alten Ruheplätzen nieder. Ihre Flugbewegungen sind gemessen, ähnlich denen einer Möwe und wohl ebenso fördernd. Als wir des Abends nach unserem Rundgang um die Insel zu unseren Zelten zurückkehrten, sahen wir die Flughunde in sehr großer höhe dem fernen Kwidschwi zufliegen, vermutlich trieb sie der Hunger dort hin. Mugarura wird schwerlich so viele Früchte (namentlich wilde Feigen) hervorbringen, um eine so bedeutende Zahl von Fressern ernähren zu können.
Die Insel ist nicht bewohnt, wenigstens nicht ständig. Gleichzeitig mit uns befanden sich dort ein paar Watussi niederen Ranges mit einer Herde von zirka 20 Rindern. Sie nächtigten in kleinen dürftigen Hütten, denen man es ansah, daß sie nur vorübergehendem Aufenthalt dienten. Vermutlich werden die Rinder bei Beginn der Regenzeit über den nicht sehr breiten Leearm, der die Insel vom Gstuser trennt, herüber geschasst, um hier zu weiden.
Line offene Wasserfläche von zwei deutschen Meilen Breite trennt Mugarura von der westlich davon gelegenen kleineren und ebenfalls unbewohnten Insel Wau, unserem nächsten Reiseziel. Zur Passage dieser Ltrecke ist eine zweistündige Fahrt erforderlich, und diese kurze Spanne Zeit genügt aus dem wetterwendischen Kiwu, um die Boote unter Umständen in recht gefährliche Situationen zu bringen. Mehr als einer der vorläufig noch geringen Anzahl der Besucher des Kiwu-Sees machte diese Erfahrung. Kandt, der den See wohl am häufigsten besuhr, erzählt, daß er, von Wau kommend, in ein Unwetter geriet und nur mit Not und Mühe sein halbvollgeschlagenes Boot am User von Mugapura bergen konnte. Deshalb beeilten wir uns, als wir diese Insel verließen. Zu unserem heile, denn schon nach ein- stündiger Fahrt bezog sich der anfangs heitere Himmel und bald hing ein drohendes Gewitter mit schweren, schwarzen Wolken, unterbrochen von schwefelgelben Lücken, über den Bergen Ruandas. Kurze, heftige Böen fegten über die Wasserfläche und warfen Spritzer aus Spritzer über den Bug unserer Linbäume. Unsere Drohung, jeden zu bestrafen, der zu rudern aufhörte, zeigte ihre Wirkung. Die Linbäume flogen über den See, und als das Ostufer von den herabfallenden Regenmassen unseren Blicken entzogen wurde und auch bei uns die ersten dicken Tropfen sielen, fuhren wir glücklich in die schützende Bucht der Insel Wau ein.
Wau gehört zu den kleineren Kiwu-Inseln, ist aber vielleicht die landschaftlich reizvollste. Ls ist ein Idyll, das ein idealer Zufluchtsort