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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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mit großen Blattschöpsen. Ein abgestorbener Schaft wurde mit 5,50 m höhe gemessen, wovon 2,50 m aus die Blütenähre entfielen, der Umfang des hohlen Stengels in der Blätterregion betrug 50 cm. Es ist dieselbe Art, die auch am Uuwenzori für die hochgebirgsregion charakteristisch ist. Der Boden ist in diesen Beständen von der halbstrauchigen ^Icbemilla cinerea Bn§I. bedeckt, die fast den ganzen riesigen Kegel des Berges mit einem lückenlosen graugrünen Teppich überzieht. Es ist überaus anstrengend, darin zu steigen; besonders im unteren Teil, wo man bis über die Knie in diesen Teppich einsinkt. Nach oben hin wird sie immer niedriger und unter­halb des Gipfels macht sie Moosen, Lebermoosen und Flechten Platz, auf der höchsten Spitze aber, zwischen Schneeflocken und sturmumtosten, mit federigen Eiskristallen besetzten Lavatrümmern (bei 4500 m höhe), wuchs sie noch in einigen zwerghaften Exemplaren."

Leider sollte die Bezwingung dieses Vulkanriesen nicht ohne den Verlust von Menschenleben abgehen. Line furchtbare Katastrophe hatte Kirsch­stein und seine Karawane auf dem Karissimbi ereilt. Tief ergriffen stand ich voller Mitgefühl für die armen Burschen, die in treuer Pflichterfüllung ein (Opfer ihres Aberglaubens geworden, als ich den folgenden Brief von Kirschstein erhielt:

,,Am 26. Februar waren meine Arbeiten auf dem Karissimbi im wesentlichen beendet, volle sieben Tage hatten meine frierenden Leute, ohne zu murren, mit mir in der luftigen höhe ausgeharrt. Jetzt gesellte sich zu ber ungewohnten Kälte auch noch Proviantmangel. Ich beschloß daher, den Abstieg vorzunehmen. Es war ein klarer, sonniger Morgen, als wir unsere Zelte auf dem erhöhten Gstrande des Branca-Kraters, wohin das Lager mittler­weile verlegt worden war, abbrachen. Niemand von uns ahnte in diesem Augenblick, daß wir nur wenige Stunden später dem grimmen Tode ins Antlitz schauen sollten . . .

Da wir des bequemeren Abstieges wegen wieder an die Bildseite des Berges zurückmußten, hatte ich den kürzeren Weg quer durch den Branca- Krater gewählt, anstatt diesen zu umgehen, was für uns einen Umweg von zwei bis drei Stunden bedeutet hätte. Der imposante, weite, indes nur flache Krater ist von einem einzigen großen Moor erfüllt, aus dessen Mitte sich ein kleiner, unregelmäßiger Vulkankegel mit nach innen steil zu einem prächtigen klaren Kratersee abfallenden Wänden erhebt. Einige weitere, zum Teil von niedrigen Hügeln eingefaßte Kraterseen befinden sich im