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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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Das Tierleben scheint für den, der aus den Steppen kommt, hier erstarken zu sein. So wenig der Seefahrer die Fülle des Lebens in den Tiefen des Ozeans schaut, so wenig sahen wir etwas von dem reichen Leben, das in den Tiefen dieses Waldmeeres sich birgt. Wir fanden zwar viele Fährten von Elefanten und Büffeln, bekamen aber bei Tage nie ein Tier zu Gesicht, die Böge! schwiegen, und nicht einmal Affen belebten die Bäume. So war es wenigstens bis kurz vor Mawambi, später sahen wir etwas mehr von der Fauna. Assen gibt es freilich auch im Anfang der Baute schon genug, sie waren aber von Mildbraed vergrämt. Er war zuerst von uns aus Beni in Irumu eingetroffen und, als er dort nichts mehr zu tun fand, vorausmarschiert, um mit mehr Muße sammeln zu können- in Mawambi sollte er dann auf uns warten. Als er die liste aus den Kronen herab­schoß, verschonte er auch ihre vierbeinigen Bewohner nicht,- er zeigte uns nachher eine gute Strecke, bestehend aus drei Tolobus-Arten, schwarzen Mangaben, die wie die Teufel aussehen, und einer Meerkatze. In der Dunkel­heit hörten wir oft Elefanten in den Bananenfeldern bei den Etappen die Stauden umbrechen und verwüsten.

Bis Mawambi gab es fast täglich einen Gewitterregen, der sich glück­licherweise meist erst nachmittags oder nachts einstellte. Der häufig lehmige Boden des Weges war freilich infolgedessen in einem Zustand, der an ab­schüssigen Stellen das ohnehin schon mäßige Vergnügen des Beitens noch mehr einschränkte. Buch war die Lust so mit Feuchtigkeit gesättigt, daß eine wahre Treibhausatmosphäre und häufig sehr unangenehmer Moder­geruch den Wald erfüllten. Gelegentlich verhalf der Begen uns auch zu einer kleinen Abwechslung in dem Einerlei dieser Tage. In der Etappe am Lpulu, der von Nordosten in den Ituri fließt, saß ich in meinem Zelts und ließ es draußen regnen, während einganz neuer" interessanter Zeitungs­artikel von Anfang Februar meine Aufmerksamkeit fesselte (am 6. April), plötzlich entdeckte ich, daß ich mit Tisch und Stuhl auf einsamer Insel saß. Nein Zelt stand leichtsinnigerweise in einer kleinen Vertiefung, und nun lies das Regenwasser des ganzen Platzes hinein. Große Dämme und kunst­voller Schleusenbau leiteten schließlich die Überschwemmung wieder ab. Den anderen erging es ähnlich. Ein anderes Mal passierte es Schubotz, daß nach einem schweren Begen die Stricke seines Zeltes sich so zusammenzogen, daß sie die Zeltpslöcke aus dem Boden rissen und das ganze Gebäude in sich zusammenfiel, den schlafenden Eigentümer unter sich begrabend.