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Die gegenwärtigen Transport- und Kommunikationsmittel Egyptens : mit Beziehung auf die beantragte Durchstechung der Landenge von Suez / Alois Negrelli
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vom neuen Thalweg für die Schifffahrt , welcher mit Bojen zu bezeichnen wäre , fern halten . Und für die übrigen Strecken wird der Sand zum großen Theil durch die beantragte Bewässerung aus dem gleichzeitig mit dem maritimen Kanal herzustellenden Süßwasser und Nilverbindungskanal in kulturfähigen Zustand versezt , und dadurch festgebannt . Ueberdies werden die , durch die auszugrabende Materie zu bildenden Dämme eine wirksame Wand gegen Sandverwehungen gewähren , und an einzelnen Stellen kann eventuel mit der Aufführung besonderer Mauerstrecken dem Vordringen der Sand­dünen bis in den maritimen Kanal vorgebeugt werden ; denn wir haben gesehen , daß sowohl Dämme als Mauern , sowie auch Bäume und Gesträuche vollkommen genügen , um das Vorschreiten der Sandverwehungen abzuhalten . Zudem wird die mittelst Ebbe und Flut im Kanal entstehende beständige Erneuerung des Wassers , und die damit verbundene , lebendige Bewegung zur Reinhaltung des Kanals wesentlich beitragen. Darum ist aber nothwendig , daß die Kanalisirung vom Wasserspiegel der beiden Meere in den Grundbis zurnöthigen Tiefe von 25 Fuß ( 8 Meter ) ausgehe und gleich­sam die Fortsezung der beiden Wasserspiegel und des Meeresgrundes der beiden Rheden bilde . Jeder Versuch , den Wasserspiegel des Kanals durch künstliche Mittel oder gar durch Speisung mit Nilwasser höher als den Wasserspiegel der beiden Meere zu halten , würde , unserer festen Ueberzeugung nach , die Kanalunternehmung scheitern machen . Es ist eben aus diesem Grunde , daß wir von keinen Schleusen hören wollen . Nachdem die Gleichheit der Höhe der beiden Meere konstatirt ist , und die Hin­dernisse , welche dereinst diese Meere aus ihrem Gebiete verdrängten , mittelst Durchstechung beseitigt werden müssen , damit die gleichen Meere diese Gebiete frei und unumschränkt wieder einnehmen können , dünkt uns der Bau von Schleusen an den beiden Mündungen des Kanals nicht nur nicht gerechtfertigt , sondern es scheint uns vielmehr , daß sie die Lebensfrische des maritimen Kanals unterbinden würden . Dabei würden der Schifffahrt künstliche Hindernisse in den Weg gelegt , und die Schleusen wären für alle Zeiten maßgebend für die Größe der nach dem indischen Ozean fahrenden Schiffe . Um den Wasserstand des Kanals zwischen seinen beiden Endpunkten mit Benü­zung der stärkeren Fluth am Rothen Meer höher zu halten , würden die auf 18 Meilen Entfernung von einander beantragten Schleusen nichts nüzen , weil die am Rothen Meere vorkommende höhere Flut , welche im Mittel nur 5 Fuß 8 Zoll beträgt , während der Zeit ihrer Entstehung kaum die Strecke von Suez bis zum Bittersee El Maräh durch­laufen würde . Die Kanalstrecke vom Bittersee bis Pelusium würde demnach keinen Nuzen von dieser höheren Fluth des Rothen Meeres empfinden ; sie würde vielmehr durch die natürliche Ausdünstung bedeutend einbüßen , und die Bewegungslosigkeit des Wassers im Kanale zwischen den Schleusen würde , ungeachtet aller dagegen angewendeten Abwehrmittel , eine allmähliche Versandung desselben begünstigen . Also keine Schleusen ! sondern ein allzeit freier , durch das Wasser der beiden Meere stets sattsam gespeister , für Kauffahrteischiffe aller Größen immer zugänglicher