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Die gegenwärtigen Transport- und Kommunikationsmittel Egyptens : mit Beziehung auf die beantragte Durchstechung der Landenge von Suez / Alois Negrelli
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Wenn man sich nun die beschriebenen nicht ursprünglichen , sondern durch außer­ordentliche Elementarereignisse bewirkten drei Thalsperrungen für einen Augenblick weg denkt , so unterliegt es keinem Zweifel , daß die um mehr denn 20 Fuß höher als die Becken El Maräh und Timsah liegenden Gewässer des Rothen und des Mittellän­dischen Meeres sich sogleich über ihre alte , nur gewaltsam ausgefüllte Verbindung wieder ausdehnen würden . Dieses künstlich zu bewirken , ist die Aufgabe , welche der Gegenwart vor­behalten ward . Jede andere Lösung des großen Problems wäre der Lage und den Umständen nicht angemessen ; ja jede durch das Land Egypten querdurchziehende Ver­bindung der beiden Meere müßte , abgesehen von den fast unübersteiglichen Schwierig­keiten beim Nilübergang , sowie von der unnöthigen Länge und Beschaffenheit des Kanals und den vielen unumgänglichen Schleusen , wie auch von der Unzulänglichkeit des Hafens von Alexandrien , diese Querverbindung , sagen wir , müßte darum zurück­gewiesen werden , weil durch dieselbe das ganze hydraulische System Egyptens und mit diesem Egyptens Leben gestört , ja völlig vernichtet würde . Daß daher der Vize­könig eine solche , nicht ohne Nachtheil für Europa , aber für Egypten verderbliche Zumuthung im Voraus sich verbat , muß jedem Unbefangenen einleuchten . Die vom Herrn v . Lesseps im Auftrage des Vizekönigs zusammenberufene inter­nationale Kommission , welcher nicht nur alle , seit der französischen Expedition durch M . Lepére und später bis zu unseren Tagen gemachten Erhebungen der Höhenlage und der oberflächlichen Beschaffenheit des Terrains , sowie alle Meinungen gelehrter und ehrenhafter Männer , sondern auch hauptsächlich die von ihr selbst angeordneten und ausgeführten Sondirungen der beiden Meere und die Resultate der Bohrungen längs der ganzen Landenge zu Gebote standen , die internationale Kommission allein war in der Lage , zufolge der eigenen Wahrnehmungen und Erwägungen an Ort und Stelle über die Lösung dieser wichtigen Frage ein definitives Gutachten zu erstatten und sie hat sich dabei einstimmig zu Gunsten der direkten Verbindung , mittelst Durch­stechung der Landenge , ausgesprochen . Nur bezüglich der Art der Ausführung steht noch die Vereinbarung bevor , weß­wegen die Kommission noch im Laufe des Monates Juni 1856 sich in Paris zur defini­tiven Feststellung des Programms vereinigen wird . Wir würden unsererseits nur die entstandenen Barragen zwischen Suez und dem Bittersee El Maräh , dann zwischen dem Serapeum Arsinoe , und dem Timsah = See , und endlich vom Timsah = See bis zum See Menzalé in der Art durchstechen , daß die in der Landenge befindlichen , alten Meeres­becken in ihrer ganzen Ausdehnung den beiden Meeren wieder zugänglich werden . Durch den glücklichen Umstand der tiefen Lage dieser Becken kann die Durchgra­bung zum größten Theil im Trockenen geschehen . Im See Menzalé und an beiden Meeren bis zur Tiefe von 25 Fuß ( 8 Meter ) würde die Ausgrabung des Kanals mittelst Baggermaschinen vor sich gehen . Wir legen einen großen Werth darauf , daß die ganze früher vom Meere besezte Oberfläche im Thalwege der Landenge wieder ungeschmälert den Meereswogen über­lassen werde . Sie würden , so weit sie reichen , den Sand von der Kanaltiefe , oder