38
J. Pechar, Dr. A. Peez.
Das Königreich Portugal befitzt grofse mineralifche Reichthümer, welche fchon den Alten bekannt waren, doch ift die Montaninduftrie faft gänzlich vernachläffigt worden, fo dafs Portugal in diefer Richtung weit hinter den übrigen Staaten Europas zurückſteht und der Fortfchritt in diefem Zweige der Induftrie fich erft aus unferen Tagen datirt. Was fpeciell die Kohlendiftricte anbelangt, fo find diefelben hinfichtlich ihrer Ausdehnung befchränkt, die Ausbeutung ift felten gewinnbringend und daher oft unterbrochen gewefen. Die Gefammtproduction des Landes an Kohlen betrug im Jahre 1866 nur 14.000 Tonnen und ift im Jahre 1872 auf 21.000 Tonnen geftiegen. Hievon kommen 18.000 Tonnen auf den vorzüglichen Anthracit des Dourobeckens und 3000 Tonnen auf die Steinkohle vom Cap Mondego. Im Betriebe befanden fich im Jahre 1872 nur vier Steinkohlengruben. Für den Confum des portugiefifchen Feftlandes und der Azorifchen Infeln nebft Madeira wurden an Steinkohle aus England eingeführt: im Jahre
1869
Quantum in metrifchen Tonnen
142.747
187.023
1870 1871
166.381
Das wichtigfte Kohlengebiet Portugals ift das Anthracitbecken des Douro, welches fich zu beiden Seiten des gleichnamigen Stromes unweit von deffen Mündung bei Oporto ausbreitet und eine Oberfläche von ungefähr 1200 Hektaren einnimmt. Man zählt hier 8 Gruben, doch find nur 3 in Betrieb, von denen jene von San Pedro da Cova wegen der ausgezeichneten Qualität des dort gewonnenen Anthracits am wichtigften ift und bereits feit dem Jahre 1801 ausgebeutet wird. Die Totalproduction der Gruben des Dourobeckens betrug 1872 18.000 Tonnen und hatte in der Stadt Oporto, dem faft ausfchliefslichen Confumtionsplatze der Kohle, einen Werth von 630.000 Francs. Zahl der Arbeiter betrug 285. Die Kohle ift fehr hart und eignet fich ganz befonders für den Hausgebrauch.
Die
Nächft dem Dourobecken verdient noch das Steinkohlen- Gebiet am Vorgebirge Mondego, Provinz Beira, erwähnt zu werden, welches 5 Flöze ausweift, die fich theilweife auch unter dem Meere hinziehen. Nur eine Grube bei Buarcos ift im Betriebe und liefert jährlich ungefähr 3000 Tonnen etwas kiefiger Steinkohle, welche aber nach vorhergegangener mechanifcher Präparation fich zu einer grofsen Anzahl induftrieller Zwecke verwenden läfst, und einen leichten, doch genügend feften Coke gibt.
Die übrigen Vorkommen an Kohle werden gegenwärtig nicht ausgebeutet und find zum gröfsten Theil auch noch nicht näher unterfucht worden.
Mit dem Eifenbahnbau wurde in Portugal im Jahre 1854 begonnen. 1872 waren 863 Kilometer im Betrieb.
Was den Kohlenfeldern der pyrenäifchen Halbinfel einen befonderen Werth verleiht, ift die ungemein günftige Lage von mehreren derfelben hart an der See ein Vorzug, deffen fich fonft nur die Kohlenreviere von Wales und Nordengland erfreuen. Durch diefe Lage wären die fpanifchen und portugiefifchen Kohlenfelder befähigt, nicht nur mit billiger Küftenfahrt die Häfen der Halbinfel zu verforgen, fondern auch das an Kohlen fo arme Mittelmeer, fowie vermittelft des Canals von Suez die oftafiatifchen Länder und ihre Kohlenftationen aufzufuchen und mit mineralifchem Brennftoffe zu verfehen.
Näher liegend noch wäre die Aufgabe, die Verhüttung der eigenen trefflichen Erze vermittelft eigenen Brennftoffes in die Hand zu nehmen. Bekanntlich. ift feit neuerer Zeit ein grofser Theil der englifchen Eifeninduftrie auf ſpaniſche Erze gegründet. Eigene Dampferlinien wurden ins Leben gerufen, um die Erze von Bilbao nach England hinüberzubringen. Die Einfuhr ſpaniſcher Erze nach England betrug im Jahre 1872 nicht weniger als 600.000 Tonnen. Wie nahe