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Mineralische Kohle : (Gruppe I, Section 1) ; Bericht / von J. Pechar, A. Peez
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Mineralifche Kohle.

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läge es, entweder diefe Erze nach Gijon in das Afturifche Kohlengebiet oder die afturifchen Kohlen nach Bilbao zu führen und in folcher Weife eine Eifeninduftrie von gröfster Bedeutung ins Leben zu rufen.... Diefs Alles wäre möglich, wenn Kohle und Eifen nicht in Spanien lägen. Oder follten die Zufuhren von Waffen an die Carliften, follte überhaupt die ganze eigenthümliche Politik Englands gegenüber Spanien und Portugal mit der genauen Kenntnifs der Engländer von den fpanifchen Kohlen- und Erzlagern in Verbindung ftehen?

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Belgien.

Nächft England ift Belgien das ältefte Kohlenland. Die bedeutenden Lager diefes mineralifchen Brennftoffes, die dichte Bevölkerung des Landes, feine blühende Induftrie, die beträchtliche Anzahl natürlicher und künftlicher Waffer­ftrafsen und ein vorzüglich entwickeltes Eifenbahnnetz bewirken, dafs das kleine Belgien unter den kohlenproducirenden Ländern die fünfte Stelle einnimmt und an der Gefammtproduction mit 61 Percent Theil hat.

Die Steinkohlenformation Belgiens, welche 22 der Oberfläche ausmacht, zieht fich in einem nicht breiten, aber langen Streifen von der deutfchen Gränze bei Aachen weftwärts über Lüttich und Namur nach Mons und tritt bei Valen­ciennes auf das franzöfifche Gebiet über. An zwei Mittelpunkten concentrirt fich die Production zu voller Kraftöftlich in der Provinz Lüttich und weftlich in der Provinz Hennegau; jene participirt mit 20 Percent und diefe mit 75 Percent an der Gefammtförderung Belgiens.

Die in folcher Weife entstandenen zwei Abtheilungen find durch die fchmale, aber tiefe Rinne des Sanfonbaches gefchieden. Das weftliche Becken ftreicht durch die Provinz Namur und erhält feine gröfste Entwicklung bei Charleroi, wo es in der Richtung von Nord nach Süd eine Breite von 15.000 Metern hat, und verläuft dann über Mons gegen Valenciennes und Douai in die angränzenden Theile Frankreichs. Seine Ausdehnung beträgt 90.050 Hektaren.

Das öftliche Becken bildet mit dem vorhergehenden einen Winkel von 32 Grad. Dem Thale der Maafs folgend, hat es feine gröfste Breite mit 15.000 Metern bei Lüttich und fetzt fich oftwärts in der Richtung auf Efchweiler und Aachen nach den Rheinlanden fort. Seine Flächenausdehnung beträgt 44.060.

Hektaren.

Was das Vorkommen der Kohle innerhalb diefer ausgedehnten Ablagerung betrifft, fo finden fich bei Mons nicht weniger als 157 Flöze, von denen 120 abbau­würdig find und eine Mächtigkeit von 26 3 Centimeter oder 10 Zoll bis 0.95 Meter oder 3 Fufs haben. Die oberen 47 Flöze enthalten eine gasreiche Flammkohle( flénu); hierauf folgen 21 Flöze backender Kohle, fodann 29 Flöze Schmiedekohle, und zu unterft 20 bis 25 Flöze magerer Kohle. Obwohl demnach die Zahl der Flöze eine grofse ift, fo ftehen doch dem Abbau, wegen zahlreicher Verwerfungen und wegen durchschnittlich geringer Flözmächtigkeit, namhafte Schwierigkeiten entgegen. Namentlich im öftlichen Reviere find die Flöze durch zahlreiche Störungen oft geradezu im Zickzack gefaltet, und es treten hier diefelben complicirten Verhält­niffe zu Tage, welche auf dem benachbarten Kohlengebiete bei Aachen den Berg­bau erfchweren. Zugleich find die belgifchen Kohlengruben im Ganzen die tiefften, die es gibt. Sie reichen in vielen Fällen bis über 750 Meter hinab, und der Schacht der ,, Viviers réunis" bei Gilly ift nicht weniger als 1040 Meter( 3290 Fufs) tief. Diefe tiefe Lage hat die belgifchen Bergingenieure veranlafst, ähnlich wie in Durham und Northumberland, viele und lange Strecken mit einem einzigen Schachte abzubauen, und die Förderung durch Anwendung fehr ftarker Maſchinen an wenig Punkten maffenhaft zu geftalten.

Die Auszimmerung der Schächte erfordert fehr viel Holz, das meift nach vollzogenem Abbau nicht mehr herausgenommen werden kann. Man berechnet,