Dokument 
Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen

Feldwirthfchaft.

17

1ande eine üppige Vegetation hervorgebracht wird. Diefe gegenwärtig 100 Mor­gen grofse, durch die mühevollfte Arbeit hergeftellte Sandebene, welche durch die reichlich mit Waffer verdünnten Excremente befruchtet wird, trägt die kräftig­ften Rüben und üppigften Gemüſe- Arten. Das ganze Ueberriefelungsterrain ift der Firma Aird auf 30 Jahre übertragen worden. Nach diefer Zeit, wenn die Dünen­wüfte in ein üppiges Gartenland umgewandelt fein wird, fällt das 2000 Morgen grofse Stück Land wieder an die Stadt und bereichert diefelbe um ein enormes Capital. Unter diefen Einflüffen hat die Landwirthfchaft in Deutfchland in den letzten Decennien grofse Fortfchritte gemacht. Die Dreifelderwirthschaft wird. immer mehr und mehr verlaffen und an ihre Stelle tritt die Fruchtwechfel- Wirth­fchaft mit ausgedehntem Rüben- und Kartoffelbau, ja felbft die freie, ihrer Ziele fich klar bewufste Wirthfchaft. Die Culturmethoden find auf merkliche Weife ver­beffert worden; ein immer gröfser werdender Theil der Brache wird mit geeig­neten Früchten beftellt. Urbarmachungen öder Ländereien werden ausgeführt, die nothwendigen und räthlichen Meliorationen energifch und fachgemäfs vorgenom men. Die Entwicklung des Futterbaues ift fehr bedeutend; dadurch hat fich die Viehhaltung in bedeutender Anzahl vermehrt und auch die Qualität desfelben hat fich in erfreulicher Weife verbeffert. Das einheimifche Milchvieh ift in manchen Diftricten faft verfchwunden und hat den befferen Gebirgs- und Niederungsracen Platz gemacht. Indeffen ift man in Preufsen vielfeitig der richtigen Anficht, dafs eine rationelle Züchtung und eine reichliche, zweckentfprechende Ernährung, verbunden mit forgfältiger Wartung und Pflege, mehr zum Gedeihen der Nutzthiere überhaupt beitragen, als die Einfuhr fremder oft nicht richtig gewählter Racen, wefshalb mit allen Mitteln auf eine entsprechende Veredlung der einheimi­fchen Racen hingearbeitet wird.

Zwei Beiſpiele werden uns die überrafchenden Erfolge der künftlichen Züchtungsbeftrebungen der Landwirthe illuftriren. Im preufsifchen Staate wog zu Anfang diefes Jahrhunderts eine Kuh mittlerer Gröfse 4 Centner, jetzt wiegt fie 7 Centner. In Frankreich haben feit 1810 bis 1862 zugenommen die Ochfen um 43, die Kühe um 84, die Kälber um 17, die Schafe um 8, die Schweine um 27 Kilo­gramm; von 1862 bis 1873 hat eine weitere Zunahme ftattgefunden bei Ochfen um 13, bei Kühen um 14, bei Schafen um I Kilogramm.

Leider gebricht es uns an Zeit und Raum, um die Specialitäten der deut­fchen Landwirthfchaft in den einzelnen Ländern des deutfchen Reiches gebührend würdigen und die Höhe ihrer Entwicklung und Intensität des Betriebes nur halb­wegs umfaffend und eingehend kennzeichnen zu können; einzelne Federftriche müffen fomit zur ungefähren Darftellung des Charakters der agrarifchen Production in Deutfchland genügen.

Seit dem Verlaffen der Dreifelderwirthfchaft ift die dem Getreidebau gewidmete Fläche bedeutend verringert worden, aber die Production hat fich trotzdem erhöht in Folge der vervollkommneten Culturmethoden und der reich­licheren Düngung. Deutfchland, welches früher zu den auf die Zufuhren aus den Nachbarftaaten angewiefenen Ländern gehörte, präfentirte fich in den letzten Jahren bereits als Exportland, was der durch den landwirthfchaftlichen Fortfchritt erzielten Productionsfteigerung zuzufchreiben ift. Trotz der Vermehrung der Bevölkerung ift die Ausfuhr an Bodenproducten in der jüngften Zeit thatfächlich nicht vermindert worden. Die Gefammtproduction in ganz Deutfchland( ohne Elfafs) beträgt 260 Millionen Hektoliter. Die Handelsbewegung im Jahre 1869 erweift fich wie folgt:

Weizen.

Korn.

Gefammteinfuhr

Gefammtausfuhr 8,248.918 Hektoliter 2,838.899

وو

5,226.672

4.572.295

Gerfte

2,110.576

2,299.661

Anderes Getreide

2,236.903

2,508.660

Mehl und Mahlproducte

2,384.857

3,032.888 Centner

2*