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Dr. Julius Wiesner.
erprobtes Erfatzmittel für Bettfedern. Diefes feine Materiale befteht aus den Samenhaaren mehrerer Bäume aus der Familie der Bombaceen. Wir bemerkten von diefem Rohftoffe folgende Sorten:„ Paina limpa" von Brafilien( Samenhaare von Bombax heptaphyllum und B. ceiba), den„ Kapok" aus den holländifchen Colonien( von Eriodendron anfractuosum), den„ Edrédon végétale" aus den weft indifch- franzöfifchen Colonien, auch ,, Patte de lièvre" genannt( von Ochroma Lagopus); Venezuela ftellte unter dem Namen ,, Lana vejetale" theils die Wolle von Ochroma Lagopus, theils jene von Bombax cumanenfis aus. Die Wolle von Ochroma Lagopus ift braun, jene der Bombaxarten theils weifs, theils nur wenig gefärbt. Alle Arten diefer vegetabilifchen Wollen beftehen aus einer zarten, nicht fpröden Fafer und bilden ein weiches, elaftifches Polftermateriale. In Holland fteht der„ Kapok" fchon in ftarker Verwendung; auch in Deutſchland hat man die Samenhaare von Eriodendron anfractuosum bereits eingeführt und der Waare den Namen Pflanzendunen gegeben. Die in Büchern nicht felten anzutreffende. Angabe, dafs die Wolle der Wollbäume als folche und mit Baumwolle gemengt zu Geweben tauglich fei, worüber wir gelegentlich wegen der Schwäche des Fadens unferen Zweifel ausfprachen ,. fcheint doch auf einem Irrthume zu beruhen; wenigftens hörten wir von keinem Ausfteller irgend etwas von einer derartigen Verwendung und auch die Ausftellungskataloge führten die vegetabilifche Wolle ftets nur als ein Polfterungsmaterial auf.
Unter den groben Pflanzenfafern der warmen Länder verdienen alle jene Beachtung, welche als vegetabilifches Rofshaar( crin végétal) bezeichnet werden. Das Beftreben, dem fo theueren Rofshaare ein Material zu fubftituiren, welches dem erfteren in den Eigenfchaften möglichft nahe kommt und wenigftens bei flüchtiger Betrachtung gleicht, ift lange vorhanden. Sehr stark verwendet man bei uns und in Deutfchland als Rofshaarfurrogat die Blätter einer Segge, der Carex brizoïdes, welche von Oberöfterreich und aus einzelnen Gegenden des Grofsherzogthums Baden in grofser Menge in den Handel gefetzt werden. Das Material ift wenig elaftifch und auch nicht fehr dauerhaft, jedenfalls ein geringwerthiges Erfatzmittel für Rofshaar. Die Franzofen befitzen in ihrem Crin d'Afrique ( auch als Crin Averfing bekannt), den zerfpaltenen Blättern der Zwergpalme ( Chamaerops humilis), welches feit einigen Jahren in grofsen Mafsen aus Algier nach Europa gebracht wird, ein ungleich befferes Surrogat. Es iſt nicht lange her, fo wurde diefe Sorte von vegetabilifchem Rofshaare auch in den Wiener Handel gebracht und von unferen Tapezirern als Polfterungsmaterial benützt. Gegenwärtig wird es bei uns namentlich im fchwarz gefärbten Zuftande-- die natürliche Farbe diefes Faferftoffes ift grünlich fehr ftark verwendet und ift unter dem Namen„ Afrik" faft allgemein bekannt. Zweifellos ift die Einführung des Crin d'Afrique bei uns als ein Fortfchritt anzufehen, da diefes Material dem Seegras in jeder Beziehung vorzuziehen ift. Dennoch ift das zerfpaltene Blatt der Zwergpalme noch lange nicht das befte Surrogat für Rofshaar. Ungleich werthvoller, weil den natürlichen Eigenfchaften des Rofshaares näher kommend, find die drei Fafern: Ejoo, Kitool und Caragate.- Die Fafer Ejoo, auch Gomuti fibre genannt, ftammt von der in Indien häufig anzutreffenden Zuckerpalme( Arenga faccharifera) und findet fich in Form einer fchwarzen, rofshaarähnlichen Maffe an den Stämmen, und zwar an jenen Stellen vor, an welchen die Blätter auffassen. Diefe Fafer bleibt nach dem Abfall der Blätter als Reft der Blattgefäfsbündel zurück. Aehnlichen Urfprungs ift die ebenfalls fchwarze Fafer Kitool. Sie ftammt von den Palmen Caryota mitis( Réunion) und C. urens( Indien, Ceylon).- Das befte vegetabilifche Rofshaar ift zweifellos die Fafer Caragate, auch Baumhaar genannt. Es iſt diefs das Gefäfsbündel der Luftwurzeln, einer im tropifchen Amerika auf Bäumen fchmarotzenden, dafelbft häufig vorkommenden Bromelincea. Die Fafer erlangt eine Länge von 22 Centimeter. Im Ausfehen, ja felbft in der Elafticität und Feftigkeit kommt fie dem echten Rofshaar fo nahe, dafs der Laie fie von letzterem kaum zu unterfcheiden im Stande fein wird. Beim Verbrennen gibt fie fich jedoch