Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche.
131 fofort als Pflanzenfafer zu erkennen, da fie jenen eigenthümlichen Geruch nach verbrennendem Horn, durch welchen das Rofshaar und jedes thierifche Haar ausgezeichnet ift, nicht wahrnehmen läfst. Aber felbft bei genauer Betrachtung jeder einzelnen Fafer ergibt fich ein grofser Unterfchied zwifchen echtem Rofs. haar und der Caragate; erfteres beſteht bekanntlich aus einfachen, letztere aus, in Abftänden von einigen Centimetern, verzweigten Fafern. Guyana ift wohl der bedeutendfte Producent diefer werthvollen Fafer.- Die Einführung diefer Sorte von vegetabilifchem Rofshaare bei uns wäre gewiſs ein Gewinn unter der Vorausfetzung, dafs es von dem Verkäufer gepolfterter Möbel als das ausgegeben werden würde, was es ift, als ein Surrogat für Rofshaar und nicht betrügerifcher Weife als diefes felbft.
Von groben, auf der Ausftellung erfchienenen Pflanzenfafern wären noch Esparto und die aus fpanifchem Rohre auf mechanifche Weife, nämlich durch Zerreifsen erzeugte Fafer zu nennen. Letztere, zu Seilerarbeiten verwendet, erfchien unferes Wiffens auf den früheren Ausstellungen noch nicht; erftere ift hingegen von der letzten Parifer Ausftellung her genügend bekannt.
König Baumwolle war felbftverftändlich auf der Ausftellung in reichlichfter Weife vertreten. Kaum irgend ein Baumwolle producirendes Land war in diefem Artikel unvertreten. Neues, von irgend welcher Bedeutung iſt uns in Betreff diefer Waare des Welthandels nicht aufgefallen Die hervortretendften Momente aus der neueften Gefchichte der Baumwolle: das Erfcheinen der ausgezeichneten neuholländifchen Baumwolle auf dem Weltmarkte, die gröfsere Werthfchätzung der neueren oftindifchen Waare und die gröfsere Beachtung der brafilianifchen, feidigen, langftapeligen Sorten von Seiten der franzöfifchen Confumenten traten auch in der Ausftellung deutlich hervor. Specialiften auf dem Gebiete der Baumwollenkunde werden indefs gewifs auch neue Wahrnehmungen an den ausgeftellten Producten gemacht haben, welche der Veröffentlichung werth wären.
Stärkemehl.
Die Ausftellung hat ein fehr vollſtändiges Bild von den Verfuchen gegeben, die bis jetzt zu dem Zwecke angeftellt wurden, das Stärkemehl, diefen fo aufserordentlich verbreiteten Pflanzenftoff für die Induftrie nutzbar zu machen. Freilich liefs ein genaues Studium der Gruppe IV( Section 1: Mehl, Stärke etc.) nicht verkennen, dafs von der grofsen Zahl von Rohmaterialien, die bis jetzt für die Stärkemehlbereitung empfohlen wurden, nur fehr wenige zur gewerbsmässigen Darftellung diefer Subftanz verwendet werden.
Fabriksftärke für gewerbliche Zwecke wird gegenwärtig nur aus folgenden vier Rohftoffen bereitet: aus Weizen und Kartoffeln( auf dem Continente), aus Reis( in England) und aus Mais( in Nordamerika). Die aus diefen Materialien bereiteten Stärkeforten find in erfter Reihe für den Weltmarkt von Bedeutung. In zweiter Reihe ftehen die verfchiedenen Arten von Arrowroot, das zur Sagobereitung dienliche Sagomehl und das zur Darstellung von Tapioca dienende Caffavemehl, nämlich die Stärke aus den Knollen von Jatropha Manihot.
Diefe fieben Stärkeforten find ziemlich allgemein bekannt. Es dürften über diefen Pflanzenftoff die nachfolgenden Mittheilungen genügen. Die feinfte und wohl in jeder Beziehung vollkommenfte Fabriksftärke ift das aus Reis hergeftellte Product, wie namentlich die Ausftellung der Londoner Firma Colman & Comp. lehrte. Da die Reisftärke auch aufserhalb Englands hochgefchätzt wird und Benützung findet, feit wenigen Jahren auch in Oefterreich, fo mufs man fich wohl wundern, dafs diefe Art von Stärke bis nun nur in England dargestellt wird. Würde es, bei der Nachfrage nach Reisftärke zu feinen Appreturen in Wien und wahrfcheinlich auch anderwärts in Oefterreich, fich nicht verlohnen, das Product aus rohem ungefchälten Reis( Paddy) hier zu Lande im Grofsen zu bereiten? Als