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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Dr. Julius Wiesner.

Arachisfrüchte( Erdnüffe, piftaches de terre) waren wohl in den Aus­ftellungen aller warmen Länder vertreten und bewiefen, welche Ausdehnung die Cultur diefes in den Tropen als Nahrungspflanze gebauten Gewächfes erlangt hat. In ausgedehnteftem Mafsftabe wird Arachis hypogaea in den weftafrikaniſch- franzö­fifchen Colonien gezogen. Aus Congo und Senegal kommen jährlich an 80 Millio nen Kilogramm Erdnüffe nach Frankreich, deren Oel hauptfächlich in den Marſeiller Seifenfabriken verarbeitet wird. Auch aus Madras und Calcutta kommen fchon beträchtliche Quantitäten diefes Rohftoffes nach Europa, vorzugsweife nach Eng. land. Die Menge des fetten Oeles der Samen fteigt höchftens auf 53 Percent, von welchen fich bis 45 bei der Darftellung im Grofsen gewinnen laffen. Kalt geprefst, ift das Oel farblos, von angenehmem Geruch, dünnflüffiger als Olivenöl und erftarrt bei 3 Grad Celfius. Auch das Arachisöl gehört zu den nicht trocknenden Oelen. Von den zahlreichen übrigen bei der Ausftellung vertreten gewefenen Roh­ftoffen zur Oel- und Fettgewinnung wollen wir nur die wichtigften hervorheben.

Ein bis jetzt von der europäiſchen Induftrie unbeachtet gebliebener Rohftoff ift die Bankulnufs von Aleurites triloba, welche von Martinique, Guadeloupe, Neu­caledonien, Tahiti, Guyana, Réunion in fehr grofsen Maffen in den Handel geftellt werden könnte. Es ift nicht nur die Billigkeit diefes ölreichen Rohftoffes, fondern die Qualität des aus diefer Nufs gewinnbaren Oeles, welche diefelbe zur Einführung in unfere Oelfabriken empfiehlt. Das Oel, wovon die Samen 50 bis 60 Percent ent­halten, kommt ab und zu als huile de bancoul oder Kekune oil in den europäiſchen Handel; eine ftändige Waare bildet es jedoch nicht. Es gehört in die Kategorie der trocknenden Oele, an welchen wir keinen Ueberflufs befitzen. Nach Angaben des Katalogs der franzöfifchen Colonien wäre das Bancoulöl zur Bereitung von Oelfarben in ausgezeichneter Weife geeignet. Aber auch, wenn diefs nicht zutreffen follte, wenn es nur zur Erzeugung von Druckerfchwärze tauglich wäre, zu deffen Fabrication man gegenwärtig faft ganz auf das Leinöl angewiefen ift, fo würde die Einführung diefes Fettftoffes unter der gewifs zutreffenden Vorausfetzung eines niederen Preifes als ein Vortheil anzufehen fein.

Auch die Nutzbarmachung des Oeles der Galbanufs, von dem in den Tropen fo häufigen Calophyllum calaba, der Owala- Körner( von Pentaclethra macrophylla, an den Oftküften Afrika's gemein), welche 50 Percent eines dem Olivenöl ähn­lichen Fettes geben, der Beraffamen( von einer Citrullusart, welche an den Weft­küften Afrikas maffenhaft auftritt) müfste als ein Fortfchritt angefehen werden. Ueberhaupt exiftiren in den warmen und heifsen Ländern eine Menge Gewächfe, welche eine enorme Menge von fettreichen Samen oder Früchten hervorbringen, die nutzlos zu Grunde gehen und die ihrer Verwendung in der europäiſchen Indu­ftrie harren. Wir verweifen in Betreff diefer Rohftoffe auf die fehr lehrreiche Zufam­menftellung in dem von Herrn Aubry- Lecomte redigirten Katalog der franzöfifchen

Colonien.

Noch wollen wir darauf aufmerkfam machen, dafs mehrere Fette fchon als folche aus den Tropenländern nach Europa gebracht werden. Einige derfelben nehmen unter den bei uns verarbeiteten Fettftoffen einen erften Platz ein, wie das Palmfett, das Palmkernöl und das Cocusnufsfett. Die englifche Induſtrie hat fich derfelben zuerft bemächtigt; der Continent folgte dem Beiſpiele der grofsen Meifterin. Aehnlich wird es wohl mit anderen Fetten gehen, die jetzt fchon in England gewerblich benutzt werden, z. B. mit der Sheababutter( aus dem Samen der in Indien vorkommenden Baffia butyracea bereitet), dem Craboil( aus dem Samen des füdamerikanifchen Baumes Carapa guyanenfis dargestellt), dem Borneo. talg, dem Pinney tallow etc. Auch in Frankreich erfcheinen bereits einige Fett ftoffe im Handel, wie das Noungonöl, das Djavefett, das Ilipeöl, das Ben- ailé- Oel ( von Moringa pterygosperma), das der Cacaobutter ähnliche Dicafett, das Aouaraöl etc., die später vielleicht auch der übrigen europäiſchen Induftrie zugute kommen.