Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche.
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werden könnte. Ein weifses, glanzlofes Stärkemehl, das im europäifchen Handel noch faft gänzlich unbekannt ift, wird aus dem in den Tropenländern als Nahrungspflanze eine fo wichtige Rolle spielenden Brotfruchtbaum( Artocarpus incifa) bereitet. Als fehr billig und brauchbar werden ferner die fchon von den früheren Weltausstellungen her bekannten Stärkemehlarten, welche aus Bataten( Convolvultus batatas, zum Beiſpiel auf Martinique und in Franzöfifch- Guyana bereitet), Ignamen( Dioscorea- Arten, zum Beiſpiel von Réunion und Venezuela zur Ausftellung gefchickt), aus Phrynium dichotomum( Martinique), Sicyos angulata ( Réunion), Arum italicum( Algier), Colocafia esculenta( Algier, Venezuela), aus Bananen( Guyana, Venezuela, Antillen) dargestellt werden, bezeichnet.
Von neuen oder bisher faft gänzlich unbekannten Stärkeforten bemerkten wir die Stärke von Amorphophallus fativus( ,, Karani mavon", das Kilo Erzeugungsorte zu 2 Francs), von Hypoxis curculigoïdes, von Typhonium minutum ( ,, Karani kotti", das Kilo zu I Francs) und von Pfophocarpus tetragonolobus ( ,, Kijangon mavon", das Kilo zu o 90 Francs); alle aus Franzöfifch- Indien.
Oelfrüchte und Oelfamen.
Die Ausftellung hat uns den Beweis geliefert, dafs eine grofse Zahl von bei uns noch ganz unbekannten vegetabilifchen Rohftoffen für die Gewinnung von flüffigen und feften Fetten exiftirt, und die enorme Wichtigkeit der Fettftoffe für viele Induftriezweige fordert wohl dringend genug dazu auf, diefe Rohftoffe und die daraus darftellbaren Producte eingehend zu prüfen.
England, Frankreich und Holland haben fich bereits zahlreiche Oelfrüchte und Oelfamen der Tropenwelt zu Nutze gemacht, während wir in Oefterreich noch auf einem veralteten Standpunkte ftehen, und nur jene Rohmaterialien, welche unfer eigenes Land hervorbringt, wie Raps, Colza, Lein- Hanffamen, Mandeln u. f. w., von Früchten aber nur die Olive auf Oel verarbeiteten. Von fremdländifchen Pflanzenftoffen wird in Oefterreich unferes Wiffens blos Baumwollenfamen in gröfseren Mengen auf Oel ausgebeutet.
Vor Allem fcheint es uns nothwendig, unfere öfterreichifchen Oelfabrikanten darauf aufmerkfam zu machen, dafs die englifchen und franzöfifchen Oelpreffereien ganz enorme Quantitäten von Ricinus-, Sefam- und Erdnufskernen verarbeiten. Das Ricinusöl, bei uns nur als medicamentöfe Subftanz bekannt, ift aber für viele induftrielle Zwecke höchft geeignet, z. B. zur Darstellung von Schmierölen für Leder, zur Seifenfabrication. Das Sefamöl dient in der Seifenfabrication und kann für viele Verwendungsarten das Olivenöl erfetzen, was auch für das Oel der Erdnufskerne gilt.
Ricinusfamen( von Ricinus communis, viridis, americanus etc.) waren auf der Ausftellung fehr reich vertreten; fie wurden von Martinique, Guyana, Senegal, Réunion, Gabon, Algier, Indien etc. ausgeftellt. Auch Italien brachte es
vielfach zur Schau.
Noch reichlicher als Ricinus war Sefam( die Samen von Sefamum orientale und indicum) vertreten. Was der Orient als„ Gingeli", Venezuela unter dem Namen„ Ajonjoli" ausftellte, ift Sefam. Die Menge des Oeles, die fich fowohl aus dem weifsen als fchwarzen Sefamfamen abfcheiden läfst, wird häufig überfchätzt; die fchon bei früheren Ausftellungen gemachte Angabe, dafs Sefam 80 bis 90 Percent Oel liefere, wurde auch diefsmal wieder mehrfach reproducirt. Die Oelmenge beträgt etwa 60 Percent, von welchen fich 45 bis 50 Percent ohne befondere Schwierigkeiten abfcheiden laffen, und das ist wohl in Anbetracht des Preifes der Sefamforten des Handels genügend. Der Sefam empfiehlt fich weniger durch Ausbeute, als durch die Qualität des Oeles Das Sefamöl ift ein nicht trocknendes Oel, welches eine fchöne hellgelbe Farbe, einen milden Gefchmack befitzt 5 Grad Celfius erftarrt.
und bei
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