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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Dr. Julius Wiesner.

Acaciengummi. Das echte oftindifche Gummi, von dem Baume Feronia elephantum herrührend, überbietet an Klarheit felbft die beften Sorten von arabifchem Gummi und fteht als Material zur Erzeugung von Malerfarben unübertroffen da.

Traganth war auf der Ausftellung reichlich vertreten; doch war von diefem Artikel nichts Neues zu fehen.

Von den zahlreichen anderen Gummi- Arten, die uns die Ausftellung brachte und die alle fchon von früher her bekannt find, fcheint keines eine befondere Aufmerkſamkeit zu verdienen.

Das Cocosgummi von Tahiti, in der Ausftellung der franzöfifchen Colonien vorgeführt, verdient vielleicht wegen feines hohen Gehaltes an Bafforin( 70 bis 90 Percent; der Traganth enthält im günftigften Falle 50 Percent) nicht über­fehen zu werden.

Das herrliche Chagualgummi aus Chili, im Handel noch spärlich vorhanden, haben wir in der Ausftellung nicht bemerkt.

Was die zahlreichen fremdländifchen Harze und die ihnen naheverwandten Balfame anbelangt, fo wollen wir blos die Aufmerkfamkeit auf drei Objecte lenken, nämlich auf die Copale, auf die Xantorrhoeaharze und den Copaiva­balfam.

Welche Wichtigkeit die Copale für die europäiſche Firnifsfabrication befitzen, davon konnte man fich überzeugen durch den Anblick der Schaukaften, welche die Erzeuger von Lacken und Firniffen ausftellten. Neben den Fabricaten waren faft durchgängig in ganz inftructiver Weife die zugehörigen Rohftoffe ver­treten. Die Beftimmung der exponirten Harze war freilich nicht immer eine correcte; zu deren Studium waren die Collectionen von Rohftoffen, welche die Colonien und Länder ausftellten, ungleich geeigneter.

Die Güte der oftafrikaniſchen Copale ift hinlänglich bekannt. Weniger kennt man die Qualitäten der weftafrikaniſchen Copale, die wegen der Maffen­haftigkeit ihres Vorkommens mit jedem Tage für den europäifchen Handel wich­tiger werden.

Die Ausftellung der portugiefifchen Colonien führte uns die verfchiedenften Sorten diefer Copale vor; fie und die Expofition der franzöfifchen Colonien gewährten uns ein anfchauliches Bild von der grofsen Verfchiedenartigkeit diefer, gewöhnlich für geringwerthig gehaltenen Harze. Die Copale von Loango find gleich denen von Congo, Angola und Benguela ungleich im Werthe. Die weifs­lichen Sorten find weich und von niederem, die gelben und rothen hart und von hohem Schmelzpunkte, wodurch fie allerdings hinter den beften oftafrikanifchen Copalen zurückbleiben, die mit grofser Härte und hohem Schmelzpunkte eine lichte Farbe verbinden. Die beften weftafrikanifchen Copale werden an Güte blos von den beften oftafrikanifchen Sorten übertroffen und werthen mit Recht höher, als die oftindifchen,* füdamerikaniſchen und als der Kaurie- Copal von Neufeeland und Neucaledonien. Kaurie- Copal, in unferem Handel feit einigen Jahren wohl bekannt, war in der Ausftellung von von Neufeeland reichlich

vertreten.

Die aus Auftralien feit einigen Jahren maffenhaft nach Europa gebrachten Xantorrhoeaharze find wohl wegen ihrer Billigkeit und ihrer fehr vielfeitigen Verwendung zur Herftellung gefärbter Firniffe, zur Leimung feiner Papiere, zur Darftellung von Pikrinfäure etc. einer gröfseren Aufmerkfamkeit werth, als ihnen bei uns in Oefterreich bis jetzt gefchenkt wurde. Man unterfcheidet ein gelbes ( Botanybay- Harz, Blackboygum) und ein rothes Xantorrhoeaharz( Nuttharz). Beide werden im Handel auch mit dem Namen Grafs- tree gum und Akaroïdharz belegt. Im Wiener Handel ſpricht man das rothe Akaroïdharz als Erdfchellack an.

* Nämlich die echten oftindifchen Copale. Fälfchlich wird oft der auf oftindifchen Schiffen nach Europa gelangende ausgezeichnete Zanzibarcopal mit diefem Namen belegt.