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Thierzucht : (Gruppe II, Section 2) ; Bericht / von Johann Pohl
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Thierzucht.

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der temporären Thierausftellung veröffentlichte Schriftchen fagt fogar in folch hohem Grade, wie bei keiner anderen Sorte von Vieh" und glaubt fich diefes Urtheil gegenüber den bei ihren ausgedehnten Rindviehmaftungen gefammelten Erfahrungen erlauben zu dürfen.

Das Fleiſch des Schafes erfreut fich bei uns in Oefterreich von Seite eines grofsen Theiles des Publicums noch keines befonderen Anwerthes und wird gering gefchätzt. Wie wäre das aber auch bei dem heute meiftentheils noch üblichen Maftverfahren anders möglich? Alte abgetragene Mutterfchafe oder Hammel gelangen in der Regel blofs zur Maftung, und dafs man von folchen keine Fleifchqualität erhalten kann, wie fie dem Gefchmacke zufagt, ift nur zu begreif­lich. Der Engländer trägt dem fchon lange Rechnung, indem er feine Thiere fo hält, dafs fie mit einem Jahre feift ausgefüttert zu Markte gelangen können, und bietet fo ein Fleiſch, das jedermann befriedigt. Auch in Deutfchland und Oefter­reich folgen viele denkende Züchter dem nach, indem fie die gewöhnlich vor­handenen Merinos oder Landfchafe als Unterlage benützen und fie mit englifchem Blute kreuzen, deren Producte. dann fo gehalten werden können, dafs fie mit 12 bis 14 Monaten fett find. Je nach der Ueppigkeit des verfügbaren Futters werden leichtere oder fchwerere englifche Racen zur Kreuzung verwendet - bei uns mehr die leichteren und mehr befcheidenen Southdowns und feltener Cotwolds oder Lincolnſhire ſheeps und andere um Frühreife, einen gröfseren Körper, für die Schlachtung vortheilhaftere Formen und die Fähigkeit, mehr Futter in Fleiſch umzufetzen, zu erreichen.

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Ein bemerkenswerthes Beiſpiel dafür, was aus den gewöhnlichen Land­racen oft in der Hand eines fachverständigen Züchters werden kann, bilden die von Horodenka( Baron Jacob Romaczkan) ausgeftellten Zackelfchafe, bei denen neben Fleifch- und Wolleproduction auch die Milchnutzung eine Hauptfache iſt. Ein wie wichtiger Wirthfchaftszweig für Ungarn die Schafzucht ift, zeigte die Ausstellung fehr eclatant. Ein Viertheil von fämmtlichen aufgeftellten Stücken gehörte diefem Lande 294 Stück allein und wenn wir die Zahlen überblicken, die uns der ungarifche Ausftellungska talog angibt, wornach

Siebenbürgen

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in Ungarn

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Kroatien und Slavonien

"

29

der gewefenen Militärgrenze

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auf eine Quadratmeile 3197 Stücke

1928 1016

29

1673

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auf 1000 Einwohner 1072 Stücke 875

247

" 9

وو

812

99

kommen, fo erfahren wir die Thatfache, dafs Ungarn relativ das an Schafen reichfte Land Europas ift. Zugleich wird uns dort mitgetheilt, dafs fein Schaf- Viehftand nach den ftatiftifchen Erhebungen vom 31. December 1869 15,077.000 Stück beträgt und dafs der Stand bei Schafen und Ziegen gegen die Zählung vom 31. October 1857 um 33 Percent fich vermehrt hat.

Auf der Ausstellung traten mit fehr beachtenswerthen Thieren ein die Merinoheerden von Kapuvár( ,, Agricola", Actiengeſellſchaft für landwirthschaft­liche Unternehmungen), Martonvásár( Graf Geyza Brunswick), Tisza Szajol ( Lajos Fejés), Gödöllö( königlich ungarische Kronherrfchaft), Stampfen( Graf Alois Károlyi), Gútor( Adalbert Czilchert), Csákó( Kafpar Geift's Witwe), Carlsburg( Grifin Laura Henkel), Surány Paty( Graf Wilhelm Pálffy- Daun), Uermény( Graf Emerich Hunyady), Léva( Alexander und Paul Ritter von Schoeller), Zala Szent Mihály( Gabriel Skublics), Gyoma( Albert Wodianer) und Andere, unter denen aber befonders hervorragen und ihrem längft ver­dienten Ruhme neuerdings Beftätigung verfchaffen: Stampfen( Züchter Hondlick) Gutor, Calksburg und Uermény.

Wiewohl auch in diefer Abtheilung Conceffionen an die neue Richtung nicht zu verkennen waren, fo hat doch Ungarn noch nicht im gleichen Mafse wie Oefterreich oder gar Deutfchland nachgegeben und fich den ehemaligen Charakter

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