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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Johann Newald..

Geographie nur fehr wenig beachten. Die modernen Staatenbildungen gehen von ganz anderen Gefichtspunkten aus und ftreben ganz andere Ziele an, als jene waren, welche fich bei der Abgrenzung der einftigen Verkehrs- und Abfatzgebiete, fowie der nach den Boden- und klimatifchen Eigenthümlichkeiten, nach der Lage, nach alt beftandenen Handels- und Verkehrszuftänden, bald ausgedehnteren, bald enger abgefchloffenen Colonifationsbezirken geltend machten.

Bei allen Geftaltungen und Phafen, welche das Waldwefen, die Behand­lung und Benutzung der Wälder im Laufe der Zeiten durchmachten, waren die Eigenthumsverhältniffe des Waldes von entfcheidendem Einfluffe. Wollen wir den Weg beurtheilen, welchen die Waldbewirthschaftung und Pflege von ihrem Ausgangspunkte bis zu ihrem dermaligen Stande zurücklegte, dann müffen wir denfelben unfere volle Aufmerkfamkeit zuwenden.

Entfcheidend in Bezug auf die Entwicklung der Eigenthumsverhältniffe an Grund und Boden im Allgemeinen und des Waldes im Befonderen war die Ausbildung des fränkifchen Lehenwefens, ferner die Entftehung und das Auf­blühen der Städte und endlich die Colonifationsthätigkeit der geiftlichen Körper­fchaften, Stifte u. f. w.

Das unter Carl dem Grofsen feinen Urfprung nehmende oder doch fich wefentlich entwickelnde fränkifche Lehenwefen war zunächft Urfache, dafs Befitz und Eigenthumsrechte der Gemeinden, Stämme und Genoffenfchaften in vielen Beziehungen eingefchränkt, dagegen jene der Lehenvafallen erweitert

wurden.

Statt eines ftehenden Heeres dienten bekanntlich während der erften Regierungsperiode Carl des Grofsen alljährlich wiederkehrende Aufgebote der Freien, deren Stand als von der Waffenehre unzertrennlich galt. Der Staat, eigent­lich der König, lieferte aufser Maſchinen, Brückenmaterial u, f. w. für die Bedürfniffe des Heeres und der Mannfchaft nichts, als Holz und Pferdefutter, drang jedoch ftreng auf eine genügende Bewaffnung und Ausftattung. Bei der Ausdehnung, welche die Kriege genommen hatten, mufsten die Koften eines Feldzuges für den Einzelnen um fo unerfchwinglicher werden, als fich grofse Kriege faft alljährlich wiederholten. Diefen Mifsftand zu befeitigen, griff Carl der Grofse zu Mitteln, welche für die weitere ftaatliche Entwicklung geradezu entfcheidend geworden find. Der Kriegsdienft, oder eigentlich die Verpflichtung hiezu, wurde derart geändert, dafs gröfsere Güter einen oder mehr Mann, kleinere Güter jedoch mehrere zufammen einen Mann auszurüften hatten- das heifst, er wurde von den Perfonen auf den Befitz übertragen.

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Da es im Intereffe der Könige lag, ihre Lehenvafallen wohlhabend und unter fich unabhängig und felbftftändig zu wiffen, indem fich von denfelben dann am ficherften eine rafche und genügende Heeresfolge erwarten liefs, fand nur zu bald eine Begünftigung der Einzelnen, nämlich der Lehenvafalen und dem ent­fprechend das Zurückdrängen der Gemeinden und ihrer Genoffen ftatt. Als später auch die grofsen Reichswürden erblich wurden, entſtand jener zahlreiche Lehen­adel, welcher in vielen Fällen fchliesslich eine ganz felbftftändige Landeshoheit. errungen hat.

Auf die Entwicklung der Waldbewirthschaftung und Waldbenutzung hat diefe Begünftigung Einzelner einen unverkennbar grofsen Einfluss genommen.

Es mögen noch fo viele Gründe für eine entsprechende, felbft ziemlich weitgehende Parcellirung und Vertheilung des Acker- und Culturlandes geltend gemacht werden, in Bezug auf den Wald hat die Erfahrung vieler Jahrhunderte gezeigt, dafs das Zerfplittern desfelben in kleine Befitz- und Wirthschaftsobjecte, oder die gemeinfchaftliche Benützung gröfserer Waldflächen durch eine grössere Zahl hiezu Berechtigter, nur felten eine pflegliche Behandlung aufkommen und fich jener geordnete Wirthfchaftsgang, welcher eine Erhaltung der Wälder und die Nachhaltigkeit ihrer Erträge zur Folge hat, nur bei Waldbefitzungen von gröfserer Ausdehnung erwarten läfst. Diefes Zufammenfallen ausgedehnterer