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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
Entstehung
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Forftwirthschaft.

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Bis in die Periode des frühen Mittelalters hinauf, ja bis in die Zeiten des Entftehens und der Entwicklung der Eigenthumsrechte am Walde, zurückreichend, finden wir gefetzliche Normen über die Schonung der Wälder, fowie über die Er­haltung und Nachzucht derfelben.

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Als Ausgangspunkt erfcheint das Verbot des Fällens fruchttragender Bäume und wenn man dabei unverkennbar aus Rückficht auf die Maft vorherrfchend Eichen und Rothbuchen im Auge hatte, fo war aber auch auf das Entstehen eines Nachwuchfes Bedacht genommen; denn unter die fruchttragenden Bäume zählte man auch Nadelhölzer. Ueberdiefs beftand an vielen Orten die Uebung, dafs des Wiederwuchfes wegen das Fällen alter Bäume nur zu beftimm­ten Zeiten geftatten wurde. Bezeichend ift ferner das Verbot des Ruthenfchneidens in Gehegen; denn aus dem Zuſammenhange diefer Anordnung mit anderen Be­ftimmungen geht hervor, dafs man damit den Schutz des jungen Nachwuchfes beabsichtigte, welcher, des Weide- Ertrages wegen, bald von gröfseren Flächen, bald in einzelnen Horften abfichtlich entfernt wurde.

Was die Durchführung künftlicher Mittel zur Nachzucht von Holz anbe­langt, kann für jene älteren Zeiten mit grofser Wahrfcheinlichkeit angenommen werden, dafs die Pflanzung mehr als die Saat in Anwendung war. Letztere er­fchien als entbehrlich, da die Natur diefes Verjüngungsgefchäft in ausreichender Weife vollzog.

Gröfsere künftliche Holzanfaaten unter Verwendung der Kiefer, über ,, viele Hundert Morgen ausgedehnt", wurden im Jahre 1368 im Nürnberger Reichs­walde ausgeführt. Der dortige Patricier Peter Stromer hatte fie angeordnet. Da in deffen Familie das Forftmeifteramt erblich wurde, nannte man fie fpäter ein­fach die Waldftromer.

Durch den guten Erfolg diefer Waldanlagen angeregt, führte auch die Stadt Frankfurt am Main in den Jahren 1424 und 1425 in ihrem Walde ähnliche Mafs­regeln aus. Sie verfchrieb den Samen und die Arbeitsleiter aus Nürnberg. Am 20. März 1457 beauftragte Kaifer Friedrich III. den Hauptmann Wolfenreuter in Wr. Neuftadt mit dem Waldanbau auf dem Steinfelde; er wies ausdrücklich auf Nürnberg hin. Der grofse Neuftädter Schwarzföhrenwald verdankt diefer Mafs­regel feine Entstehung. Es find diefes die älteften Nachrichten, welche über grofse Waldbauten auf uns gekommen find; wir fehen, wie weit fich der Ruf der Stromer'fchen Waldanlagen verbreitet hatte.

Die landesherrlichen Waldordnungen wendeten ziemlich spät ihre Aufmerk­famkeit der Waldnachzucht zu. Von grofsem Einfluffe zeigte fich diefsfalls die Forftordnung des bekannten Salzburger Erzbifchofs Mathäus Lang von Wellen­burg, vom 21. Mai 1524, an welche fich zwei weitere, als Landgebothe" bezeich­neten, die erzftiftlichen Wälder betreffenden Normalien vom 24. Auguft 1527 und 12. Auguft 1529 anfchloffen. Die erftere verordnet das Stehenlaffen einer ge­nügenden Anzahl von Samenbäumen auf den Schlägen und trägt Sorge für die Erhaltung des Nachwuchfes durch Befchränkung der Viehweide im jungen Holze.

Da die erftgenannte Forftordnung darauf aufmerkſam machte, wie unver­meidlich es fei, bei der Waldbehandlung die Rückfichten auf allgemeine Landes­intereffen zur Geltung zu bringen, fand fie bald in vielen deutfchen Ländern Nachahmung.

Die markgräflich brandenburg'fche Waldordnung vom Jahre 1531 hält gleichfalls das Verbot des Beweidens der Schläge aufrecht und fucht die Anord­nung bezüglich Stehenbleibens von Samenbäumen dahin zu vervollſtändigen, dafs fie zu diefem Zwecke zehn Stämme für den Morgen beftimmt.

Einen erheblichen Fortfchritt in der Waldnachzucht conftatirt die Forft­und Holzordnung des Kurfürften Auguft von Sachfen aus der albertinifchen Linie eines vortrefflichen Adminiftrators feiner Kammergüter, vom 8. September 1560 An die Weifung zum Stehenlaffen von Samenbäumen fchliefst fich die Verfügung