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Johann Newald.
bezüglich Wegnahme derfelben, nachdem fie ihren Zweck erfüllt haben. Sie verordnet die Anpflanzung von Weiden, Pappeln, wilden Obftbäumen und Eichen, fo wie die Ausfaat von Eichen, Buchen-, Birken-, Tannen- und Fichtenfamen.
Auch die Schriftfteller, welche über Bodencultur und Benützung fchrieben, wendeten ihre Aufmerksamkeit der Anzucht von Holzgewächfen zu. Die Reihe diefer Autoren eröffnet der Senator Petrus de Crescentiis zu Bologna, der fein Buch: ,, Ruralium commodorum libr. XII." am Eingange des 14. Jahrhunderts fchrieb; denn König Karl II. von Neapel, dem er es widmete, ftarb im Jahre 1309. Es iſt diefes Werk in der Zeit von 1470 bis zum Schluffe des 16. Jahrhunderts in zahlreichen Ausgaben verbreitet worden..
Eine Reihe dickleibiger Folianten, die Hausväter Literatur genannt, handelte neben vielem Andern auch von der Holzzucht. Unter denfelben verdient die von Wolf Helmhard Freiherrn von Hohberg im Jahre 1687 herausgegebene ,, Georgica curiosa oder adeliges Landleben," eine hervorragende Stelle. Hohberg war am 20. October 1612 zu Ober- Thumritz bei Geras in Niederöfterreich geboren und ftarb 1688 zu Regensburg. Er hatte fein Werk den Ständen Oberund Niederösterreichs gewidmet. Obwohl in demfelben nur 33 Capitel von waldwirthschaftlichen Gegenftänden, dagegen 130 Capitel von der Jagd handeln, fo enthält es dennoch eine ziemlich vollſtändige Zufammenftellung der Kenntniffe und Regeln, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in Deutfchland über Waldwirthschaft verbreitet und aufgeftellt waren.
Als eine Eigenthümlichkeit darf es bezeichnet werden, dafs das erfte von einem Deutſchen ftammende Originalwerk über Holzzucht einen Rechtsgelehrten zum Verfaffer hat. Conrad von Heresbach veröffentlichte fein Buch:" Rei rusticae libri quatuor" im Jahre 1594. Es bleibt zweifelhaft, ob feine Lehren damals in Deutſchland eine befondere Anwendung fanden. Es gehören hieher die Vorfchriften zur Anlage von Pflanzfchulen zur Erziehung junger Eichen und die Verpflanzung derfelben, die Fortpflanzung der Ulme durch abgefchnittene Zweige( Stecklinge u. f. w.).
Erweitert hat diefe Lehren über Holzanzucht Colerus in der im Jahre 1592 herausgegebenen„ Oeconomia" durch feine Anleitung zur Pflanzung und Anfaat der wichtigften Holzarten. Er handelt von der Verbindung einer Getreidefaat mit der Eichelfaat, er lehrt das Ausbringen des Kiefernfamens aus den Zapfen durch Auffchütten desfelben auf Horden, die der Ofenwärme ausgefetzt
werden.
Den angedeuteten Anfängen und Anweifungen zur Holzzucht fehlte unverkennbar aller Zufammenhang, fie finden fich gleichfam als Beigaben, ja oft als Nebenfachen in den verfchiedenen, dem Landbau und Haushaltungswefen gewidmeten Büchern. Das Ungenügende diefer für die Waldnachzucht vorgefchlagenen Mafsregeln und noch mehr die Vernachläffigung felbft diefer Mittel, hatte an vielen Orten einen bedrohlichen Rückgang im Waldftande und Sorgen über eintretenden Holzmangel im Gefolge.
Ein wefentlicher Fortfchritt im Waldculturwefen wurde angebahnt und eingeleitet durch die im Jahre 1713 von Hanns Carl von Carlowitz veröffentlichte: ,, Sylvicultura economica" oder:„ Anweifung zur wilden Baumzucht." Es war diefes das erfte, ausfchliefslich waldwirthschaftlichen Gegenftänden gewidmete deutfche Werk. Carlowitz weift auf die Nothwendigkeit hin, die Naturgefchichte der einzelnen Waldbäume zu kennen, und geht, nachdem er die Holzzucht durch künftliche Saat und Pflanzung im Allgemeinen behandelt hat, in ihrer Anwendung auf die einzelnen Waldbäume über.
So erheblich die Fortfchritte waren, welche die Holzzucht feit ihren erften Anfängen gemacht hatte, vermochte man noch immer nicht den Einflufs der Oertlichkeit, fo wie der Natur und der Anforderungen der einzelnen Holzarten zu würdigen. Es fehlten die hiezu erforderlichen naturwiffenfchaftlichen Grundlagen Es fehlte nahezu gänzlich eine genauere Kenntnifs der Waldbäume, ihrer Natur