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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Johann Newald.

Zu bemerken kommt noch, dafs dem obengenannten Förfter Veit Ratzka das Anerkennungs- Diplom für Darftellung der Folgen der Aufäftung zuerkannt

worden war.

Im Anfchluffe an die vorftehenden, der Walderziehung, der Beftandes- und Baumpflege zugewendeten Erörterungen und Darftellungen haben wir nunmehr der Waldfamen- Gewinnung zu gedenken.

Bei dem Umfange, welchen die künftliche Nachzucht der Wälder mehr und mehr annimmt, ift die Deckung der erforderlichen, höchft erheblichen Samen­mengen eine Frage von hochwichtiger Bedeutung.

Unter den Ausftellern von Waldfamen haben wir der Firmen J. Jenne­wein in Innsbruck, Stainer& Hofmann in Wiener- Neuftadt, Heinrich Keller und Conrad Appel, beide in Darmftadt, zu gedenken. Jennewein, fowie Keller und Appel, find bekannte und bewährte Namen; in der Firma Stainer& Hofmann begrüfsen wir jedoch eine ftrebfame neue Kraft, welche namentlich in Bezug auf Schwarzföhrenfamen unfere befondere Beachtung verdient.

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Befremdlich erfchien, dafs Heinrich Keller aus Darmſtadt von der Schwarzföhre zwei Samenproben eine als Pinus austriaca Trattinik, die zweite als Pinus Laricio Poiret- Conrad Appel ebenfalls zwei Samenproben diefer Holzart als Pinus austriaca und Pinus corsica, ohne Autorenangabe, ausgeftellt hatten.

Die aufmerkfamfte Unterfuchung liefs zwifchen diefen vier Samengattungen und den von der Firma Stainer& Hofmann aus Wiener Neuftadt ausgeftellten mit Pinus austriaca Höss bezeichneten Proben nicht den geringften Unterſchied erkennen.

Diefer Umftand conftatirt zunächft eine grofse Ungleichheit und Unklar­heit in der Bezeichnung diefer Holzart feitens der verfchiedenen Samenhand­lungen, und läfst fomit eine eingehende Erörterung derfelben als unvermeidlich erfcheinen. Sie möge auch dazu dienen, um einen Irrthum zu berichtigen, welcher fich in eine vom Profeffor Dr. S. C. Schübeler in Chriftiania als Ergänzung zu der von ihm ausgeftellten pflanzengeographifchen Karte Norwegens beigegebene Tabelle über die bisher bekannt gewordenen Verbreitungsgrenzen einer Reihe von Pflanzen eingefchlichen hat.

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Unter den Pinusarten wird für Pinus austriaca Höfs, 64 Grad I Min. als nördliche, und 29 Grad 10 Min. als öftliche, ferner für Pinus Laricio Poiret, fo wie für Pinus nigricans Höfs, 59 Grad 54 Min. als nördliche und 28 Grad 23 Min. als öftliche Verbreitungsgrenze angegeben.

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Pinus Laricio Pinus austriaca

Stellen wir die hier aufgezählten Namen der in Rede ftehenden Pinusarten oder Art zufammen, fo haben wir: Pinus austriaca Trattinik Pinus austriaca und Pinus corsica ohne Autorenangabe Pinus nigricans Höss.

Poiret Höss

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Ein kurzer Excurs in die botanifche Gefchichte unferes Baumes dürfte genügen, um über den Gegenftand einiges Licht zu verbreiten.

Der erfte Botaniker, welcher die Schwarzföhre von der gemeinen Föhre oder Weifskiefer unterfchied, war Clufius( Charles de l'Eclufe, geboren 1526 zu Arras, in der damals flandrifchen Graffchaft Artois). Er wurde vom Kaifer Maxi­milian II. im Jahre 1573 nach Wien berufen, wo er bis 1587 verweilte. Clufius ent­wickelte hier in botanifcher Beziehung eine raftlofe Thätigkeit, von ihm rührt die erfte Flora von Niederöfterreich her. Es ift diefes die ,, Historia rariorum stirpium per Pannoniam, Auftriam et vicinas quasdam provincias obfervatorum", welche 1583 bei Plantin in Antwerpen erfchien. Die Schwarzföhre befchreibt er auf pag. 16 diefes Werkes, und defsgleichen auf pag. 31 und 32 feines letzten, im Jahre 1601 erfchie­nenen Hauptwerkes: Rariorum plantarum historia"; er bezeichnet fie mit dem Volksnamen Schwarzföhre," fchwarze Ferrent". Mit diefem letzteren Umftande