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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Forstwirthschaft.

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Das Ausäftungsgefchäft wird dort an vielen Orten durch ein eigenes Aus­äftungscorps gleichfam gewerbemäfsig ausgeführt. Dafs eine derart eigenthüm­liche Einrichtung bei der in Rede ftehenden wichtigen Mafsregel der Baumpflege Mifsbräuche und Uebergriffe herbeiführen mufs, kann nicht zweifelhaft fein.

Diefen Uebelftänden traten, und zwar im Jahre 1861, Vicomte de Courval und 1864 Graf de Cars mit ihren Schriften entgegen, welche auch in Deutſchland grofse Verbreitung und Beachtung fanden.

Wenn der forftliche Ausftellungskatalog des deutfchen Reiches hervor­hebt, dafs im Schwarzwalde die Ausäftung bei Fichten und Tannen feit mehr als 50 Jahre üblich fei und durch ausgeftellte Scheiben die Erfolge von vor 29 bis 10 Jahren mit dem Beil und vor 13 bis 10 Jahren mit der Säge ausgeführten Aus­äftungen dargethan werden, fo kommt mit Rückficht auf die öfterreichifchen Län­der darauf hinzuweifen, dafs der Baron Aehrenthal'fche Förfter Vitus Ratzka, auf der Herrfchaft Trpift in Böhmen, in der Zeit vom Jahre 1820 bis 1856 aus­gedehnte Ausäftungen vorgenommen hatte, deren Erfolge durch eine Zahl von aus­geftellten Probeftücken nachgewiefen waren. Dafs auch Ratzka an feinem Verfahren allmälig Verbefferungen vornahm, wie folche durch die Erfahrung als entſprechend dargethan wurden, verfteht fich von felbft.

Vicomte de Courval tadelt mit Recht das Stummeln der Aefte und empfiehlt einen glatten Afthieb oder Schnitt. Mit der Angabe, dafs felbft 15 bis 20 Centi­meter ftarke Aefte ohne Nachtheil für die Brauchbarkeit der Stämme entfernt werden können, geht fowohl er, als Graf de Cars unverkennbar zu weit.

Gegen die Angabe, dafs bei einer glatten Schnittfläche und Pflege derfelben mit Theer eine baldige Vernarbung der Wunde ftattfinde, wird wohlberechtigt hervorgehoben, dafs durch die Ablagerung von Holzfchichten über die Schnitt­fläche eine Verwachfung mit der Unterlage niemals erfolgt, fondern die Ueber­wallung lediglich als ein Einhüllungs-, nicht aber als ein Heilungsprocefs zu be­trachten ift.

Was in Bezug auf die Ausäftungsfrage befonders hervorzuheben kommt, ift der Umstand, dafs von Seite der grofsherzoglich badifchen Domänendirection zu Carlsruhe lediglich Längs- und Querfchnitte von Fichten nnd Weifstannen ausgeftellt waren, fo wie auch der Förfter Ratzka nur Probeftücke von Nadel­hölzern eingebracht hatte.

Während bei den Nadelhölzern der grofse Harzgehalt die Aftftummeln durch eine fehr lange Reihe von Jahren gegen Fäulnifs fichert, fo dafs im Falle einer Ausäftung das Uebertheeren der Schnittfläche als entbehrlich erfcheinen dürfte, zeigt fich bei den Laubhölzern das Verhältnifs gänzlich geändert. Je ftärker der abgenommene Aft war, je gröfser demnach die Schnitt- oder Hiebwunde ift, um defto längere Zeit wird erforderlich fein, bis diefelbe gänzlich überwallt fein wird. Mittlerweile ftellt fich an der Schnittwunde Vermoderung, Pilzfucht und Zerftörung der Holzfubftanz ein, welche fich in ihrem Vorfchreiten der Umgebung und endlich dem Schaftholze des Baumes mittheilt.

Vorläufig läfst fich in Bezug auf das Ausäftungswefen eine Schlufsfolgerung nur dahin ausfprechen, dafs die bisherigen Erfahrungen, namentlich in Bezug auf Laubhölzer, zur grofsen Vorficht auffordern und die gewonnenen Refultate nur für gleiche Standorts- Verhältniffe und diefelben Holzarten verwendbar find.

Im Allgemeinen wäre zu bemerken, dafs fchwächere Stämme das Ausäften leichter vertragen als ftärkeres Holz, dafs mit Sorgfalt das Maximum in der Stärke der abzunehmenden Aefte zu erwägen ift, indem es bei ftärkeren Aeften mindeftens zweifelhaft bleibt, ob ihre Entnahme mehr Vortheile oder Nachtheile für die Ent­wicklung des Stammes bringt und dafs fchliefslich das Ausäften alter Bäume und das Hinwegnehmen ftarker Aefte, bei denen das Ueberwallen der Schnitt­wunde entweder gar nicht mehr oder nur nach langer Zeit erfolgt, unzweifel­haft nachtheilig auf die Befchaffenheit und Verwendbarkeit der Stämme hinwirkt.