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Johann Newald.
Auch diefes Unterfcheidungsmerkmal ift, fo wie die Schaftlänge, gänzlich unzuverläffig.
Selbft Sendtner:„ Die Vegetations- Verhältniffe Südbaierns", Seite 525, fagt, dafs Pinus Mughus Scopoli die Kalkpflanze ift, und zu ihr als Form mit aufrechtem Schaft die Pinus obliqua Sauter gehöre, während er Pinus Pumilio Hänke als die Hochmoorpflanze bezeichnet und ihr als Form mit aufrechtem Schaft die Pinus uliginofa Neumann zuzählt.
Sendtner gibt felbft zu, dafs fowohl die beiden Hauptformen, fowie die Nebenformen, mit niedergeftrecktem und aufrechtem Stamme abändern- er anerkennt, dafs diefe Formen weder durch den Wuchs, noch durch bisher aufgefundene Formenmerkmale von einander verfchieden find, glaubt jedoch, Pinus Mughus Scopoli, und Pinus Pumilio Hänke als zwei Arten trennen zu follen, welche fich durch wefentlich geänderte Lebensbedingungen unterfcheiden.
Diefe Anficht fteht jedoch ganz vereinzelt da, und da es Thatfache ift, dafs fich die Krummholzkiefer oder Legföhre von der Moorkiefer durch kein bleibendes Formen- oder Unterfcheidungsmerkmal trennt, fo können fie auch nur als zufammengehörig und als eine und diefelbe Art bezeichnet werden.
Von den Anfängen im Forftculturwefen und den erften Maſsregeln zur Wiederaufforftung abgeholzter Waldflächen es mögen diefe lediglich in einer Unterftützung der natürlichen Waldverjüngung durch das Ueberhalten von Samenbäumen und in der Schonung famentragender Stämme, oder in einem directen Eingreifen durch Anwendung künftlicher Aufforftungsmittel, wie Saat und Pflanzung, beftanden haben ausgehend, fuchten wir den Weg anzudeuten, auf welchem man zu dem dermaligen Standpunkte des Wald culturwefens gelangte.
Befchränkten fich die erften Mafsnahmen vorherrfchend auf aus localen Erfahrungen abgeleitete empirifche Manipulationen, und bewegte fich das Forftculturwefen lediglich in dem engen Kreife fortgefetzter Verfuche, fo verbreiten dermalen die hoch entwickelten Naturwiffenfchaften über das ganze Gebiet der Walderziehung ein klares Licht. Sie zeigen den Umfang der zu überwältigenden Aufgabe, fie bezeichnen die Mittel zur Löfung derfelben, und deuten den Weg an, welcher zu betreten wäre, um an das Ziel zu gelangen.
Wer will es in Abrede ftellen, dafs die forftlichen Abtheilungen der Weltausftellung in diefer Richtung reiches Materiale für Erwägungen und Studien boten? Unfere Abficht konnte lediglich dahin gerichtet fein, auf einzelne Partien und Gruppen für kurze Momente ein Streiflicht fallen zu laffen.
Kurzfichtige Mafsnahmen mehrerer Generationen haben an vielen Orten dem Walde tiefe Wunden gefchlagen, welche dermalen mehrfach die Exiftenz desfelben in Frage ftellen.
Grofse Aufgaben treten an das moderne Forft- und Wald erziehungswefen heran. Die Bindung des Flugfandes, der Dünenbau an den Seeküften, die Thalverbauungen im Hochgebirge, fowie die dortigen Waldaufforftungen überhaupt, die Karftbewaldung find Probleme, welche die Entfchloffenheit und Willensfeftigkeit einerfeits, und Klarheit über die Zielpunkte und die zur Verfügung stehenden Mittel andererfeits herausfordern.
Möge die Löfung diefer Probleme gelingen zur Ehre unferer Zeit und zum Ruhme des modernen Forft- und Waldculturwefens.
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Ueberall, wo man die Bedeutung des Waldes, den Werth feiner Nutzungen, die hohe Wichtigkeit ihrer Nachhaltigkeit würdiget WO man von der Ueberzeugung durchdrungen ift, dafs jede Verfäumnifs in den Mafsregeln der Waldnachzucht einen Zuwachsverluft zur Folge hat, der fich unvermeidlich früher oder fpäter beim Ertrage des Forftes fühlbar machen mufs- WO man das Walderziehungswefen im Gleichgewichte zu erhalten fucht, mit den Mafsnahmen der Waldbenutzung und Abftockung, dort fucht man aus dem hochentwickelten Stande aller Disciplinen der Walderziehung, Beftandes und Baumpflege thunlichft Vortheile zu ziehen. Wer könnte auch die hohe Ausbildung von diefem
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