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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Forftwirthschaft.

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Zweige unferes Faches in Zweifel ziehen wollen? Ob aber die Mafsregeln der Waldnachzucht in räumlicher Beziehung, mit den fich fort und fort vollziehen­den Waldnutzungen und Abftockungen im Verhältniffe ftehen, ift eine Frage, welche man der forgfältigften Würdigung empfehlen möchte.

Waldbenutzung, Wirthschaftseinrichtung und Forftertrags­Berechnung.

Das durch die Entwicklung der allgemeinen ftaatlichen Verhältniffe in Mitteleuropa begünftigte Zuſammenfallen gröfserer Waldmaffen in einer Hand, die Bildung grofser wirthfchaftlicher Einheiten oder Verwaltungskörper nahm' - wie folches bereits nachgewiefen wurde auf die Behandlung und Pflege des Waldes einerfeits, und auf die Nachzucht desfelben, beziehungsweife auf die Anwendung geeigneter, fei es natürlicher oder künftlicher Culturmafsregeln andererfeits, einen höchft wefentlichen Einfluss.

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Zahlreiche Belege ftellen aufser Zweifel, dafs nur gröfsere Waldbefitzun­gen einen geeigneten Boden für die Entwicklung des forftlichen Wirthschafts­und Betriebswefens abgeben.

Kleine Waldwirthschaften find ftets nach den Bedürfniffen des Augen­blickes, felten nur mit Bedachtnahme auf die Anforderungen der Zukunft behan­delt worden. Dazu fällt noch fchwerwiegend der Umftand ins Gewicht, dafs kleinere Waldbefitzungen viel leichter und demnach auch viel häufiger den Herrn wechfelten, als diefes bei grofsen Forftdomänen der Fall war.

Selbft die häufige Befitzänderung kleinerer Wald complexe ift ihrer wirth­fchaftlichen Entwicklung abträgig, weil mit dem Herrn in der Ueberzahl der Fälle auch die Anforderungen, die an den Wald geftellt, die Anfichten, nach denen er behandelt wurde, wechfelten. Nun fteht es wohl aufser Zweifel, dafs eine zu oft wiederholte Abänderung der leitenden Gedanken und wirthschaft­lichen Zielpunkte dem Walde nur Nachtheile bringt.

Auch diefe Momente geftalten fich bei den grofsen Forftbefitzungen in völlig geänderter Weife. Der rafche Wechfel der bei kleinen Waldparcellen bezüg­lich ihrer Bewirthschaftung leicht realifirbar erfcheint, ift bei grofsen Waldgebie­ten viel fchwerer durchführbar.

Eine Vorliebe zum Walde hat fich namentlich dort im hohen Grade ent­wickelt, wo derfelbe als ein Zugehör zu Majoraten oder Familien- Fideicommiffen vorkommt. Eine grofse Reihe von Domänenherren liefse fich aufzählen, welche die forgfältige Bewirthfchaftung und Pflege ihrer Wälder ftets als eine patriotifche Pflicht und nationalökonomifche Aufgabe, ja als einen Gegenftand ihres Ehr­geizes auffafsten.

Den fchönen Waldbefitz, den die Väter erworben, gegründet und geflegt, nicht blos zu erhalten, fondern zu verbeffern, zu erweitern, zu vervollständigen- diefen Befitz und feine Ertragskraft zu heben und zu entwickeln, fomit denfelben. für das eigene Haus eben fo fehr wie für das Allgemeine fruchtbringend und fegensreich zu machen, wurde von ihnen fort und fort als ein feftes Ziel im Auge gehalten.

Sowie in Bezug auf Nachzucht und pflegliche Behandlung des Waldes die Gröfse der einzelnen Waldparcellen und Complexe einen wefentlichen, ja entfchei­denden Einflufs genommen hat, ebenfo fehr war diefes in Bezug auf die Benutzung derfelben der Fall.

Ein Waldbefitz von mäfsiger Ausdehnung fchliefst eine grofse Zahl wirth­fchaftlicher Mafsregeln, welche eine entſprechende Ausnutzung und Verwerthung feiner Erträge vermitteln follen, oft ganz aus, während grofse Waldkörper ein weites Feld für wichtige und folgenreiche Anlagen bieten, wodurch eine inten­five Ausnutzung aller Walderträge in einer Weife ermöglicht wird, die fich beim kleinen Waldeigenthume niemals erreichen läfst.