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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Forstwirthfchaft.

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eingelegt wurden, und jenem Materiale, welches gegenwärtig der Verkohlung zuge­wiefen wird! Dafs an vielen Orten dermalen noch die fogenannte Drehlingsverkoh lung in Uebung ift, liegt einerfeits nur noch in der billigeren Aufarbeitung und Brin­gung des zur Verkohlung beftimmten Materiales, anderfeits auch in der Gewohnheit.

Seitdem in Folge der gefteigerten Holzpreife eine forgfältige Auswahl der Bau- und Nutzholz- Sortimente ftattfindet, bleibt als Brenn- und Kohlholz nur jenes Material zurück, welches häufig gar nicht mehr jene Drehlingslänge von fechs bis neun Fufs befitzt, wie fie früher beim Kohlholz in Uebung war. Schon durch diefen Umftand wird man an vielen Orten zum Abgehen von der altbeftan­denen Drehlingsverkohlung genöthigt und zum Einlegen von Spaltholz oder fchwächeren und kürzeren Rundhölzern in die Meiler veranlasst.

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Der Umftand, dafs bei der Waldbenützung dermalen eine forgfältige Aus­wahl und Sichtung der Holzfortimente ftattfindet, war allerdings Veranlaffung, dafs nunmehr auch folches Material zur Verkohlung gelangt, welches früher unbenützt und unberücksichtigt auf den Fällungsorten zurückgeblieben ift. Wir meinen das ftärkere Aftholz, ziemlich weit in der Zerfetzung vorgefchrittenes Moderholz, Späne und Abfälle, welche nach der Bearbeitung und Vorrichtung der ftärkeren Sortimente zurückgeblieben find,- Stockrodeholz u. f. w. Die Ver­wendung eines derartigen Materiales, deffen Verkohlung nur an Ort und Stelle gut durchführbar ift, hat eine Erweiterung der Schlag- oder Waldköhlerei gegenüber der ftändigen Verkohlung auf den Rechen oder Ländplätzen zur Folge.

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Nachdem erfahrungsgemäfs Wald- oder Schlagverkohlungen, fowohl der Quantität als auch der Qualität nach, in der Regel geringere Refultate erzielen laffen, da der Wechfel der Meilerftätte, die oft ungünftige Lage derfelben, der Einflufs abträgiger klimatifcher Zuftände u. f. w. auf das Verkohlungsgefchäft nachtheilig rückwirken, fo ergibt fich ein neues Moment, welches wir bei Beurtheilung des dermaligen Köhlereiwefens in den Alpenländern, ja allerorts zu erwägen haben werden.

Das Dargeftellte dürfte zu dem Schluffe berechtigen, dafs die Holz­verkohlung ihrem Umfange und ihrer Bedeutung nach im Rückgange begriffen ift und dafs auch das gewonnene Product im grofsen Durchfchnitt bezüglich feiner Qualität eine Einbufse erlitten hat.

Für die Beurtheilung des Köhlereiwefens in den betreffenden Staats­forften ergaben die bezüglichen Ausftellungsgruppen im Pavillon des k. k. Acker­bau Minifteriums beachtenswerthe Anhaltspunkte. Eine Zahl von Modellen. von verfchieden eingerichteten Köhlerei- Anlagen, von liegenden und ftehenden Meilern, ergänzt durch die beim Köhlereigefchäfte im Gebrauche ftehenden Werkzeuge und Geräthe, endlich Proben von, aus verfchiedenen Holzarten gewonnenen Kohlen, zeigten die hohe Bedeutung diefes Betriebszweiges.

Von befonderem Belange im Köhlereiwefen find die Leiftungen des k. k. Forftamtes zu Neuberg in Steiermark, welches feit einer Reihe von Jahren der Gewinnung von Kohlen aus Stockrodeholz eine grofse Aufmerkfamkeit zuwendet, indem das letztgenannte Material, wie Scheit- und Drehlingsholz, auf den Ländplatz getriftet wird, um dort zur Verkohlung zu gelangen.

Einen ganz eigenthümlichen Vorgang macht derWaffermangel beim Köhlerei­betriebe in den Ternovaner Staatsforften des Küftenlandes nothwendig. Es handelt fich dort namentlich um die Verkohlung von Buchenaftholz und werden ohne Beihilfe von Waffer jährlich aus diefem Materiale, welches fonft kaum eine Verwendung finden würde, erhebliche Kohlenmengen gewonnen. Wie folches zu erwarten war, enthielt die fteiermärkifche Collectiv- Aus­ftellung, in Bezug auf das Köhlereiwefen fehr werthvolle Objecte.

Die Frage anbelangend, ob die Verkohlung in ftehenden Meilern oder in fogenannten liegenden Werken den Vorzug verdiene, ift man in Ueberein­ftimmung mit den an anderen Orten gewonnenen Erfahrungen auch bei den überaus ausgedehnten Köhlereien in Oberfteiermark durch wiederholte Verfuche