60
Johann Newald,
Umftand, dafs es die Bafis geworden ift, von welcher ausgehend das BetriebsEinrichtungs- und Abfchätzungswefen in den königlich preufsifchen Staatsforften auf feinen dermaligen hohen Stand gebracht worden ift, fichert demfelben für alle Zeiten eine hervorragende Bedeutung.
In dem Mafse als fich Abänderungen an der Hartig' fchen Methode durch die Erfahrung beftätigt als entſprechend erkennen liefsen, wurden fie alsbald ausgeführt. Man wollte eben das Verfahren nicht blos verändern, man wollte es auch verbeffern.
Die Berechnung der Holzerträge nach einzelnen Sortimenten bis in die fpäteren Perioden gab man auf und befchränkte alle derartigen Erhebungen nur auf die erfte Periode, die fpäteren Zeitfächer lediglich mit nach Maffenklaftern ausgeworfenen Ertragsanfätzen deckend.
Das Wefen jenes Verfahrens, welches dermalen in Anwendung fteht, läfst fich in folgende Hauptfätze zufammenfaffen:
Der Aufftellung eines für die ganze Umtriebszeit entworfenen Wirthfchaftsplanes gehen voraus: die Eintheilung des Reviers in Blöcke oder Wirthschaftsfiguren und die Feftftellung jener Grundfätze, nach denen bei der Hiebesleitung und Beftandesordnung vorzugehen fein wird. An diefe den Kern der wirthschaftlichen Dispofitionen bildenden Momente fchliefsen fich die Anordnungen bezüglich der Bildung angemeffener Schlagtouren und Herftellung einer richtigen Hiebesfolge.
Die bisher angedeuteten wirthschaftlichen Vorkehrungen haben die Herftellung eines normalen Altersclaffen Verhältniffes fort und fort im Auge, wobei jedoch nicht lediglich auf die einzelnen Blöcke Bedacht genommen wird, fondern im Falle im Reviere Holzarten von verfchiedener Nutzbarkeit vorkommen, auch das Altersclaffen- Verhältnifs derfelben derart geordnet wird, dafs zu jeder Zeit haubares Materiale der verfchiedenen Holzarten und Qualitäten zum Bezuge gebracht werden kann.
Schliefslich glauben wir, es als felbftverständlich lediglich erwähnen zu follen, dafs die für die einzelnen Reviere entworfenen allgemeinen Betriebspläne, die Nachhaltigkeit und Gleichmässigkeit des periodifchen Holzertrages in Quantität und Qualität ficher zu ftellen und den ausfetzenden Betrieb zu vermeiden haben; ja, es ift das Streben in vielen Fällen dahin gerichtet, den Nutzungsgang derart anzuordnen, dafs die fpäteren zwanzigjährigen Perioden der Berechnungs zeit zur Herftellung einer Art Referve in Flächen und Erträgen etwas fteigen.
an
Eine befondere Sorgfalt waltet in Bezug auf die Auswahl jener Beftände ob, aus denen die Erträge der erften Periode zu dotiren fein werden. Es gilt auch hier als Grundfatz, dafs mangelhafte Beftände, in denen der zeitliche Zuwachs der Productionsfähigkeit des Bodens am wenigften entſpricht, fowie jene Waldorte, deren Qualität im Rückgange begriffen ift, zunächft zur Abftockung gebracht werden.
Obwohl, wie aus dem Vorhergehenden zu entnehmen ift, das Fachwerk die Bafis für die Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung in den königlich preufsifchen Staatsforften abgibt, fo wird dasfelbe, je nachdem die entfcheidenden Momente es verlangen, bald als Flächenfachwerk mit Ertragsberechnung für die erfte Periode, bald als combinirtes Fachwerk mit Ertragsberechnung nach Ertragsclaffen angewendet. In Niederwaldungen findet eine Flächentheilung ftatt, bei Mittelwaldungen die Flächentheilung für das Unterholz und Holztheilung mit Altersclaffen- Sonderung und Zuwachsnachweis für das Oberholz.
Den alle zehn Jahre wiederkehrenden Schätzungsrevifionen fällt die Aufgabe zu, auf Grundlage der für die einzelnen Reviere beftehenden SyftemifirungsElaborate nach den Aenderungen, welche fich im Waldftande ergeben haben und den Refultaten, welche die Wirthfchaft lieferte, für die nächfte zehnjährige Schätzungsperiode eine neue Wirthschaftsnorm aufzuftellen.