Der Gartenbau.
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neuburg, Freiherrn v. Babo, welche fehr anerkennend beurtheilt wurde; diefer zunächft eine fehr bedeutende derartige Anlage veredelter Obftbäume und Sträucher des hiefigen Baumfchulen Befitzers Rofenthal, welche fich durch Mannigfaltigkeit der Sorten und correcte Behandlung der einzelnen Stämme vortheilhaft auszeichnete.
In ihrer Nähe befanden fich die kleineren Collectionen verfchiedener Waldgehölze und hochftämmiger Stachel- und Johannisbeeren- Sträucher aus der Ackerbau- Schule zu Schönberg in Mähren; die fehr gelungenen einjährigen Veredlungen derfelben Beerenfrucht- Arten auf Hochftämmen von Herrn D. Pohl aus Blanda in Mähren; endlich die ein- und zweijährigen Veredlungen von Kirfchen, Pflaumen und Pfirfichen des Herrn Jellinek aus Czimelitz in Böhmen, welche, nach einer veralteten, von ihm aber als neu auspofaunten Methode ausgeführt, nichts weniger als befriedigten.
Anerkennenswerthes leiftete in der Partie von Form- Obftbäumen der pomologifche Verein zu Booscoop in Holland; entfchieden Befferes, ja mitunter ganz Vorzügliches die Herren Baltet frères aus Troyes in Frankreich, welche aufserdem noch einige andere, für die Induſtrie wichtige Gehölze, wie Rhamnus utilis aus China ausgeftellt hatten. Entfchieden hinter beiden zurück ftanden die Form- Obftbäumchen des landwirthfchaftlichen Inftitutes zu Kefzthely in Ungarn und die des Herrn Dr. Lekifch aus Zam in Siebenbürgen.
Ausnehmend fchön gezogene Obftbäume in Spalier-, Cordon-, Palmettenform etc. hatten die Herren Jürgens Schilhan und der gräflich Franz Zichy'fche Gärtner Richon, beide aus Ungarn, und Hengel junior in Wien geliefert.
Es wäre fchwer, zu fagen, welcher von den Genannten Befferes geleiftet. Allgemein von Sachverständigen bewundert und als die Perle unter diefen Sortimenten erklärt wurden die Form- Obftbäume des Herrn Durand aus Paris. Als einen befonderen Vorzug derfelben rühmte man die grofse fyftematifch durchgeführte Gleichförmigkeit in der Wahl der fruchttragenden Aefte und Zweige bei jeder Fruchtart und bei jeder Form, die Eleganz der letzteren, fowie die befondere Stärke der ausgeftellten Exemplare.
Es erübrigt am Schluffe diefer Aufzählung von Ausftellern von Formenbäumen noch zweier, der Natur der Objecte nach unter fich ganz verfchiedenen Sammlungen zu gedenken, welche unbedingt zu den vorzüglichften diefer Art zählten jener der fürftlich Schwarzenberg' fchen Domänendirection und des Herrn Amblard in Lorry devant le Pont aus Elfafs.
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Erftere, einen integrirenden Theil der den fchönen landwirthfchaftlichen Ausstellungspavillon des Fürften umgebenden Gartenanlagen bildend, enthielt aufser einer reizenden Partie von Laubhölzern und Coniferen letztere repräfentirt in allen Entwicklungsftadien vom keimenden Sämling bis zum zehnjährigen Bäumchen eine Collection von 205 Aepfel, 95 Birnen-, 24 Pflaumen-, 4 Kirfchen-, 8 Pfirfich, 2 Apricofen-, I Wallnufs-, 2 Stachelbeeren- und 5 Johannisbeeren- Sorten, von welch' erfteren viele theils hochftämmig, theils fpalierartig oder in Cordonform gezogen waren und, im Spätherbfte voller Früchte hangend, einen wundervollen Anblick gewährten. Schnitt und Cultur erwiefen fich untadelhaft und diefen entſprechend auch deren Erträgnifs.
Die zweite mit den obengenannten Sammlungen von Form- Obftbäumen an derfelben Stelle ausgepflanzte und ihr Schickfal felbftverſtändlich theilende Collection Amblard's galt allein dem Weinreben- Baue in Elfafs Lothringen. Sie repräfentirte alle dafelbft im Grofsen cultivirten Sorten, demonftrirte zugleich die dort üblichen Culturmethoden und enthielt beigegeben für die Wein- berg- Befitzer im mittleren Europa noch ein ungemein wichtiges Verzeichnifs aller jener Rebenforten, welche in Folge jahrelang von ihm fortgefetzter Verfuche allein fich zur Gewinnung eines guten Weines in diefer Zone eignen, und folcher, welche, nur in füdlicheren Gegenden ein werthvolles Product diefer Art liefernd, in Mitteleuropa vom Anbaue im Grofsen auszufchliefsen find.
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