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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Dr. Eduard Fenzl. Der Gartenbau.

Am Schluffe unferes fpeciellen Berichtes über die Ergebniffe der fünf tem­porären und der permanenten Ausftellung nunmehr angelangt, fei es mir geftattet, mein Urtheil über den Werth der Gefammtleiftung diefer Ausftellung in Kürze abzugeben.

Verglichen mit dem, was in landwirthschaftlicher Beziehung vom In- und Auslande gleichzeitig geleiftet wurde und was die letzte Parifer Ausftellung in horticoler Beziehung geleiftet hatte, kann fie im Grofsen und Ganzen keineswegs auf das Prädicat einer ausgezeichneten Anfpruch machen; beiden ftand fie nach in der Zahl der Ausfteller, Menge und Mannigfaltigkeit der Gegenftände, fowie der Grofsartigkeit ihrer äufseren Erfcheinung. Dagegen überbot fie letztere ent­fchieden an Lieblichkeit und Annehmlichkeit für das im Freien fich bewegende Publicum durch eine ebenfo zweckmäfsige als gefchmackvolle Umftaltung des Vordergrundes wie der geräumigen Lichthöfe des Induftriepalaftes in eine park­ähnliche Gartenanlage.

Fafst man die drei Haupt- Culturzweige des Gartenbaues und ihre Vertre tung ins Auge, fo, mufs man fagen, dafs nur von Belgien aus die Ziergärtnerei in eminenter Weife, jedoch nur temporär, vertreten war und die Gefammtlaft während der ganzen Dauer der Ausftellung in diefem Zweige nahezu allein von den in und um Wien befindlichen Gärten getragen werden mufste, nachdem fich die grofsen böhmifchen Privatgärten demonftrativ ferne gehalten hatten, dafs aber die erfteren fich diefer fchweren Aufgabe auf das ruhmvollfte entledigten.

Es mufs dabei ferner betont werden, dafs felbe in der Behandlung der Culturen der Gewächfe in keiner Weife dem Auslande nachftanden. Dasfelbe läfst fich auch von der Qualität der hier erzeugten Gemüſe fagen: Ueberflügelt wurde in diefem Zweige an Reichhaltigkeit der Sortimente das Inland nur durch die über jedes Lob erhabene Thätigkeit der deutf hen Gartenbau- Gefellſchaften und Vereine. Wahrhaft international vertreten erfchien nur der Obftbau. Eine fchönere und intereffantere Ausftellung von Obftforten dürfte wohl noch nie gefehen worden fein.

Dafs Oefterreich auch hierin die Concurrenz mit Deutſchland nicht zu fcheuen hatte, läfst uns hoffen, dafs auch diefer Zweig des Land- und Garten­baues fich mit der Zeit noch immer mehr bei uns heben werde, obgleich es noch lange währen dürfte, bis derfelbe jene Höhe erreicht, auf der derfelbe in Belgien und Frankreich fteht.

Schliefslich mufs ich noch der zur Zeit der dritten und fünften temporären Ausftellungen tagenden Congreffe der deutfchen Gärtner und Gartenfreunde, fowie des pomologifch- önologifchen der Landwirthe als einfacher Thatfachen erwähnen, ohne mich weiter mit den Gegenftänden zu befchäftigen, welche dabei zur Verhandlung und Schlufsfaffung kamen. Als mit der Weltausftellung nicht in directem Zufammenhange ftehend, können fie nicht Gegenftände der mir gewor­denen Aufgabe fein. Nähere nach den ftenographifchen Aufzeichnungen verfafste Berichte hierüber möge man nachfehen, und zwar über den vierten Congrefs deutfcher Gärtner und Gartenfreunde in dem Organe der k. k. Wiener Garten­bau- Gefellſchaft:" Der Gartenfreund", Jahrgang VI, Hefte Nr. 8 und 9( 1873); über den pomologifchen Congrefs: die Verhandlungen über denfelben von Dr. Eduard Lucas, Ravensburg 1874( Separatabdruck aus deffen Illuftrirten Monatheften für Obft- und Weinbau").