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Appreturmittel und Harzproducte : (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) ; (Gruppe III, Section 7) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. am dt. polytechn. Landesinst. zu Prag
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Appreturmittel und Harzproducte.

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Beftimmung bald von rein weifser, bald ftärker oder fchwächer ins Bräunliche ziehender bis brauner Färbung ift; feltener find es ähnlich gefärbte Klümpchen. und pflegen meift nur die geringften Dextrinforten in folcher Geftalt in Verkehr zu kommen. Ebenfo ift der Dextrinfyrup( flüffiges Dextrin) keine allgemein handelsübliche Form. Dagegen wird von einzelnen Fabrikanten das Dextrin in Geftalt von durchfcheinenden bis durchfichtigen, glänzenden Schüppchen oder neuerer Zeit wohl auch in Bruchftücken einer glafigen Maffe( fälfchlich Kryftalle genannt), welche dem arabifchen Gummi ähnlich fehen, in Handel gebracht. In diefe Form, welche fpeciell den Namen Kryftallgummi führt, kann das Dextrin bekanntlich leicht durch allmäliges Eintrocknenlaffen und Zerbröckeln der trocken gewordenen glafigen Maffe gebracht werden. Vor gewöhnlichem Dextrin hat der­artiges Kryftallgummi keinen wefentlichen Vorzug, und die Darftellung deffelben hat wohl nur dann einen Zweck, wenn mit der Wahl diefer Form, die allerdings durch die Aehnlichkeit mit dem arabifchen Gummi dem Präparate auch da Eingang verfchaffen kann, wo man fich mit dem Stärkegummi nicht recht befreunden wollte, dem Käufer auch eine Garantie für die Reinheit des Productes geboten wer­den foll.

An die Befprechung der Stärke und Stärke producte fchliefst fich natur­gemäfs jene der Verwerthung der Nebenproducte der Stärkefabrikation an. Es ift eigentlich blos der bei der Darftellung der Stärke aus Körnerfrüchten abfallende Kleber, der uns unter diefen intereffirt, da die Schlamm- und Schabe­ftärke für die Herftellung geringerer Qualitäten von Leiogomme fehr gut ver­wendbar ift, und alfo als Nebenproduct eigentlich nicht mehr in Frage kommt.* Wie bereits oben erwähnt, wird es mit der Einführung des Martin'fchen Ver­fahrens für die Production der Getreide-, namentlich der Weizenftärke, möglich, den Kleber in einer weit brauchbareren Form zu gewinnen, als das bei irgend einem Gährungsverfahren thunlich ift. So hat man fich denn auch ziemlich allge­mein gewöhnt, den Kleber in Blättern oder Scheiben getrocknet in einer des allgemeinen Verkehres fähigen Form in den Handel zu bringen, und befchränkt fich nicht mehr auf den nur localen Abfatz deffelben als Klebemittel für Leder­arbeiter, welches neben der Verfütterung oder gar der Anwendung zu Dung­zwecken, früher die faft allein übliche Verwendung diefes Nebenproductes der Stärke- Induftrie war. In folcher Geftalt, in welcher er nicht mehr das eckelhafte, vor jedem Verfuche einer anderen Verwendung abfchreckende Wefen der Schufter­pappe hat, findet er auch mehr und mehr in anderen Induftriezweigen Anwendung. So ift namentlich für die Zeugdruckerei der Kleber unter dem Namen Lucin fchon längft als in manchen Fällen anwendbares Surrogat für Albumin empfohlen worden und hat erft in jüngerer Zeit in Thom und Rofenftiel, fowie in G. Schäffer warme Fürfprecher gefunden. Wenigftens für geringere Waaren wird fich hier für ihn gewifs Verwendung finden laffen. Als Nahrungsmittel für Menfchen, als welches ihn Lichtenftein, dann die Gebrüder Veron und endlich Grünsberg in Geftalt von mit Mehlzufatz hergeftelltem Kleber­gries, Klebergraupen und Klebermehl einzuführen fich Mühe gaben, hat er noch nicht viel Anklang gefunden, wiewohl er feines relativ hohen Stickftoffgehaltes wegen entfchieden einen bedeutenden Nährwerth repräfentirt.

Das Publicum hat fich eben noch nicht gewöhnt, dem theoretifchen Werthe feiner Nahrungsmittel eine befondere Beachtung zu fchenken und findet in der ungewohnten Form oder der Fremdartigkeit der Eigenfchaften nur allzu leicht Anftofs, fich an ein Nahrungsmittel zu gewöhnen, felbft wenn der Nahrungseffect

* Die Verwerthung der bei der Stärkefabrikation refultirenden Wäffer, die bekanntlich wegen der Leichtigkeit, mit der fie der Fäulnifs anheimfallen, nicht felten wefentliche Uebel­ftände für die Nachbarfchaft folcher Fabriken im Gefolge haben, ift neuerlich durch Markl in der Weife verfucht worden, dafs er diefelben in Sammelbaffins mit Kalkmilch fällt, wobei ein Niederfchlag refultirt, der für Dungzwecke ganz geeignet ift, während das überftehende Waffer als weniger fchädlich abgelaffen werden kann.