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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
deffelben noch fo fehr zu deffen Gunften ſpricht. So wird fich denn wohl die Verwendung des Klebers als Nahrungsmittel auch noch ferner auf die Mitbenützung desfelben für die Fabrikation von Macaroni und Suppenfpeifen befchränken, in welcher er bekanntlich feit Langem ein ganz brauchbares Surrogat für die koftfpielige Eifubftanz abgibt und fich in diefer Verkleidung felbft in die Küchen unferer Gourmands eingefchlichen hat. Wenn fich alfo für die Verallgemeinerung des Klebers als Nahrungsmittel fchwer Propaganda machen läfst, fo könnte diefer dem Leim theilweife verwandte Körper wenigftens in der Induftrie immerhin noch manche Verwendung finden, und wäre namentlich die Frage feiner Verwendbarkeit für die Zwecke der Papierinduftrie( Animalifiren) immerhin einer Erwägung werth. Wie aus diefem allgemeinen Ueberblicke über den dermaligen Stand der Stärke- und Stärkegummi- Induftrie hervorgeht, find in den letzten Jahren eigentlich epochemachende Fortfchritte auf diefen Induftriegebieten nicht gethan wor den und kann es demnach auch nicht befremden, wenn uns auf der Ausftellung in diefen Induftriezweigen keine befondere Novität entgegentrat. Im Ganzen genommen waren Stärke und Stärke producte auf der Ausftellung gut vertreten und namentlich war es Deutſchland, welches eine reiche Collection von einfchlägigen Erzeugniffen zur Ausftellung gebracht hatte und durch die vortreffliche Qualität feiner Fabrikate imponiren konnte. Nicht minder hat aber auch Oefterreich ein reiches Materiale an Erzeugniffen diefer feiner, in der beften Entwicklung begriffenen, Induftrie zur Ausftellung gebracht und namentlich darf Böhmen auf die Vertretung diefer feiner Induftrie mit vollem Rechte ftolz fein. England und Amerika konnten vornämlich durch die auch auf diefem Gebiete zur Geltung gebrachte Maffenproduction imponiren, und nahmen zudem durch die beftimmte Richtung ihrer Stärke- Induftrie, die in England faft ausfchliefslich Reisftärke, in Amerika dagegen ausfchliefslich Maisftärke producirt, die Aufmerkſamkeit des Fachmannes in Anfpruch.
Einiges Intereffe erregten die von Venezuela, dann auch die von einigen italienifchen Fabrikanten ausgeftellten Proben von aus ftärkemehlreichen Theilen gewiffer tropifchen Pflanzen ftammendem Stärkemehl, von welchen allerdings einzelne fchon von der Ausftellung in Paris her bekannt waren, und es bleibt nur zu bedauern, dafs trotz eifrigen Bemühens des Berichterftatters nichts darüber zu erfahren war, ob die Gewinnung des Stärkemehls aus diefen Pflanzen einen eigentlichen Induftriezweig bilde und in welchem Mafse er etwa betrieben werde, oder ob die ausgeftellten Proben nicht etwa blos wiffenfchaftlich intereffante Schauftücke feien, welche vorerft kein Intereffe für den Induftriellen haben.
Die meiſten übrigen Induſtrieftaaten waren, wenn fie auch nicht gerade befonders Hervorragendes boten, im Ganzen auf diefem Induftriegebiete gut vertreten und felbft Länder deren Induftrie noch im Keime liegt, blieben auf diefem Gebiete nicht unvertreten.
Die entfchieden fpärlichfte Vertretung diefer Induftrie hatte Frankreich aufzuweifen, wiewohl die Stärke und Kunftgummi- Fabrikation dort bekanntlich auf ziemlich hoher Stufe fteht.
Indem wir zur Befprechung der Leiftungen der einzelnen Länder im Befonderen übergehen, müffen wir vor Allem beklagen, dafs es trotz aller Bemühung unmöglich war, verlässliche Daten über die Verhältniffe diefes Induftriezweiges in den einzelnen Ländern zu fammeln, ja dafs auch bezüglich Oefterreichs nur fehr fpärliche ftatiftifche Angaben über den Stand diefer Induftrie gemacht werden können. Das geringe Steuererträgnifs, das gerade diefe Induftrie abwirft, mag wohl Urfache fein, dafs man der Statiſtik derfelben allenthalben weniger Aufmerksamkeit zuwandte, und fie in den ftatiftifchen Ausweifen mit einer Anzahl anderer, theils verwandter, theils völlig heterogener Gewerbe verquickt, in einer gemeinfamen Rubrik führt.
Auch feitens der einzelnen Ausfteller waren nur fehr ärmliche Angaben über Betriebsverhältniffe, Productionsgröfse etc. zu erhalten, woran vornämlich