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Zucker, Apparate und Einrichtungs-Gegenstände für Zuckerfabriken : (Gruppe IV, Section 2) ; Bericht / von Josef Hanamann
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Zucker. Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken.

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Trockenlauf in der Centrifuge, welches Verfahren bekanntlich eine fehr rafche und gute Arbeit möglich macht, und aus fo gedeckten Zuckern gemahlene Producte von grofser Schönheit und Reinheit ausgeftellt.

Befonderes Intereffe erregt die von Dr. C. Scheibler in Berlin, im chemifchen Laboratorium des Vereines der deutfchen Rübenzucker- Induftrie dar­geftellte Collection einiger bis jetzt als Beftandtheile des Rübenfaftes nachgewie­fener organifcher Körper und Derivate derfelben, fo die von Scheibler entdeckte und dargestellte Pflanzenbafe Betain und ihre Verbindungen, das fchwefelfaure, falzfaure, oxalfaure Betain, Betaingoldchlorid, Asparagin, Asparaginfäure, Mannit und rechtsdrehendes Gummi aus gegohrenem Rübenfaft, linksdrehendes Rübengummi aus Rübenmark, Pektinzucker etc. Ausfcheidungen verdampfender Rübenfäfte, rohe und gereinigte citronenfaure Kalkerde.

etc.

Aufser diefen in wiffenfchaftlicher Beziehung hochintereffanten Körpern. haben wir noch der in technifcher Beziehung erwähnenswerthen Ausftellung von Zucker, erhalten aus Melaffe und zwar nach dem Elutionsverfahren in gröfserem Betriebe, aber auf offenem Feuer ohne Knochenkohle dargeftellt; des Zuckerkalk- Saccharates in zerfchnitzeltem Zuftande getrocknet von röthlich gelber Farbe; des wachsgelben reinen Kalkzuckers, der fuchsrothen Füllmaffe aus dem gereinigten und faturirten Saccharat und des aus diefer Füll­maffe gewonnenen Rohzuckers zu gedenken.

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Den übrigen Raum des diefer Sammlung zugewiefenen Tifches nehmen die phyfikalifch- chemifchen Apparate und wiffenfchaftlichen Hilfsmittel, die zur Analyfe von Zucker, Knochenkohle etc. etc. dienen und die zum Gebrauche in den Laboratorien der Zuckerfabriken befonders geeigneten neueften Apparate, wie das Soleil Scheibler'fche Polariſationsinftrument und die Apparate zur Beftimmung des Raffinationswerthes( des Rendements) der Rohzucker, zur quantitativen Beftimmung der kohlenfauren Kalkerde, des Schwefelcalciums im Spodium und der Kohlenfäure in den Saturationsgafen etc. ein.

Nach der Natur gezeichnete und colorirte Darftellungen der verbrei­tetften Rübenforten in natürlicher Gröfse und zwei photographifche Auf­nahmen der dickköpfigen Imperialrübe mit liegendem Blatt und der fpindelförmigen Electoralrübe mit ftehendem, gekrauftem Blatt hatte der berühmte Rübenzüchter Ferdinand Knauer aus Gröbers( Sachfen) zu beiden Seiten der Wrede'fchen Wandkarte aufgehängt und daneben Samen­proben ausgeftellt.

Oefterreich- Ungarn.

Die Zuckerinduftrie hat fich in Oefterreich und Ungarn, befonders aber in den Provinzen Böhmen und Mähren in wahrhaft erftaunlicher Weife gehoben. Die Totalverarbeitung an Rüben betrug im Jahre 1867-68 in 151 Fabriken 22 Millionen Wiener Centner und beträgt im Jahre 1871-1872 in 228 Fabriken über 32 Millionen Wiener Centner und während im Jahre 1850 fich die Verbrauchsabgabe für Zucker aus inländifchen Stoffen auf 153.000 Gulden belief, beträgt fie zwanzig Jahre später die namhafte Summe von 12 Millionen Gulden.

Im Kampfe mit hohen Befteuerungsziffern und ungünftigen Verhältniffen hob fich diefe Induftrie namentlich in Böhmen zu einer Höhe, die wahrhaft bewunderungswürdig ift.

Hervorheben müffen wir gleich die Concurrenzfähigkeit unferer Fabriken gegenüber dem Auslande, wenn wirklich gute und folche Waare, wie fie auf der Ausftellung zu finden war, nicht aber gemifchte, zum Export gelangen wird. Bei dem noch fchwachen Zuckerconfum im Inlande ift die Zukunft der öfterreichi­fchen Zuckerinduftrie mit einem grofsen Theil ihrer Production auf den Export