Schafwoll- Gewebe.
27
Schweden, Norwegen und Dänemark arbeiten heute noch, wie es fcheint, nur für den heimifchen Bedarf; auf der Ausftellung fah man aus der königl. dänifchen Tuchfabrik zu Ufferod fehr ftarke Militärtücher, ordinär, aber von guter Qualität, und feine Officierstuche, bei denen ein reges Streben, das Befte zu leiften, unverkennbar war. Unter, den fchwediſchen Ausftellern nahm Drag's Actiengefellſchaft ebenfo wie Ström's Actiengeſellſchaft für Wollzeuge zu Norrköping einen hochbedeutenden Rang ein und zeigte, dafs die Tuchfabrication fich bedeutend entwickelt hat und jedenfalls auf gefunder Grundlage ruht. Auch die norwegifchen Tuche, wie fie Grorud zu Chriftiania ausgeftellt hatte, fcheinen nach der guten Qualität und Arbeit der Objecte, wenn auch nur den heimifchen Bedarf befriedigend, ganz vorzüglich. Die Tuchftoffe, mit welchen die norwegifchen nationalen Gruppen bekleidet waren, gaben ein recht anfchauliches Bild von der Reichhaltigkeit der nationalen Hausweberei und zeigten wieder recht deutlich, welch' langen Weg die Mafchine noch zu machen hat, ehe fie in Wahrheit die Welt beherrscht.
Griechenland und Rumänien hatten einzelne Schafwoll. Gewebe, die der Hausinduftrie angehören, ausgeftellt, welche den Uebergang zu den Geweben der Türkei, Perfien und Indien bilden. Bei der Hausinduftrie der zuerft genannten Staaten find Männer und Frauen befchäftigt, und fie erzeugen die in Gobelinmanier gewebten Teppiche, welche durch ihre kräftige Farbenzufammenftellung und ihre eigenartigen Mufter noch immer einen beftimmten Werth behaupten. Viel bedenklicher geht die originelle Arbeit der Hausinduftrie in den orientalifchen Ländern zurück.
Die Türkei hatte aufser einigen mit Seide oder Gold durchwirkten Stoffen, dann geftickten und tambourirten Artikeln, wie fie bei den nationalen Coftümen verwendet werden, eine grofse Sammlung von Teppichen, die allein ins Auge fiel, ausgeftellt. Es war dabei die Handarbeit der Hausinduftrie wie die Mafchinenarbeit einiger gröfserer Teppichfabriken vertreten. Abgefehen davon, dafs diefe Teppiche im Mufter fich allenthalben gleich bleiben, bekundeten diefelben durchaus nicht mehr die frühere gediegene Arbeit, die Solidität des Stoffes und der Farbe. Das Genre ift wohl dasfelbe geblieben, und noch immer kann man aus den kleinen zierlichen Muftern mancherlei für die continentale Teppichfabrication lernen, allein die Qualität ift allenthalben ernftlich zurückgegangen, und nachdem an Stelle der aus Pflanzenftoff bereiteten Farben, die durch ihre Schönheit und Haltbarkeit die orientalifchen Teppiche auszeichneten, hier und dort Anilinfarben bemerkbar waren, kann man geradezu behaupten, dafs fie ihre charakteriftifchen Eigenfchaften eingebüfst und an Werth bedeutend verloren haben. Die Imitationen, die heute Oefterreich liefert, find unftreitig beffer als die meiften Originale. Ganz das Gleiche gilt von Perfien und Tunis, nur mit dem Unterfchiede, dafs hier, da fich diefe Länder weniger mit dem Export ihrer Gewebe befchäftigen als die Türkei, immerhin noch mehr Originalität in der Arbeit und in den Muftern hervortritt. Auch die Farben find hier noch echt und geben den perfifchen Teppichen insbefondere jene Pracht und Gediegenheit, welche einft allen orientalifchen Teppichwaaren innewohnte.
Britifch- Indien hatte verfchiedene Schafwoll- Waaren und mit Seide durchwirkte Artikel zur Ausftellung gefchickt, die gleichfalls mit der Hausinduftrie zufammenhängen und mit dem Coftüme der Eingeborenen, insbefondere der Frauen. Wenn auch nicht fo glänzend vertreten wie auf der Londoner und Parifer Ausftellung, bildeten doch wieder die indifchen Shawlwaaren den Glanzpunkt Sie werden an anderer Stelle ihre Würdigung finden.
Die amerikanifche Schafwoll- Weberei war nur durch wenige Firmen und Artikel vertreten. Aber wenn diefelben nicht Schauftücke und in Wahrheit Mufter der Induftrie überhaupt waren, fo dürfte es wohl kaum mehr lange währen, dafs die amerikanifche Induſtrie auch auf diefem Gebiete geeignet fein wird, die englifche Concurrenz zurückzudrängen. Die von Biglow in Clinton