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Schafwolle und Schafwoll-Waaren (Gruppe V, Section 1) : Bericht / von Carl Th. Richter ; C. Falk ; Emanuel Thieben
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C. Falk, Dr. Carl Th. Richter. Schafwoll- Gewebe.

ausgeftellten Velourteppiche entſprachen nach ihrer gefchmackvollen Zeichnung und Farbenvertheilung den ftrengften Anforderungen der modernen kunft­induftriellen Richtung und Technik. Das Gleiche gilt von den durch die Firma Pomeroy& Plummer, New- York ausgeftellten Rock- und Hofenftoffen, die fich insbefondere durch die Güte des Gewebes und ihre ſchönen Modefarben

auszeichneten.

Wir können danach, indem wir unfer Referat fchliefsen, nur hervorheben, dafs, wenn auch eine befondere Entwicklung der Schafwoll- Induftrie in den letzten Jahren nicht zu verzeichnen ift, diejenigen Länder, welche von jeher den erften Rang unter den Schafwoll- Waaren erzeugenden Staaten einnahmen, diefen Rang noch immer behaupten; die jüngeren Induftriegebiete aber mit Fleifs und glück­licher Anftrengung den grofsen Beiſpielen Englands, Frankreichs und Belgiens nachzueifern fich bemühen.

SHA W W L S.

Bericht von

EMANUEL THIEBEN,

Shawlfabrikant, Mitglied der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer.

Wenn die Erforschung der Urfachen des induftriellen Gedeihens einmal ein allen Gewerbekreifen geläufiges Thema fein wird, fo wäre als ftets mitlaufendes Beiſpiel zu den Theoremen die Shawlfabrication" vor Allem naheliegend, fowohl in Bezug auf die Gelegenheit der Beurtheilung ihres inneren Werthes, ihres tech­nifchen und techniſch- artiftifchen Gehaltes, als auch ihrer rein mercantilen Schick fale feit nahezu 70 Jahren, des Verhältniffes der Nachfrage zum Preife und zur Gröfse der Fabrication.

Unter den textilen Gewerben ift das der Shawlerzeugung ziemlich in fich abgefchloffen. Ihre differenten Anfprüche an den mechanifchen Factor, ihre zuweilen fubtilen und eigenartigen Bedürfniffe in Bezug auf das Materiale in ftoff­licher Befchaffenheit und Färbung; die gefonderten und vermehrten Anfor­derungen an die Gefchicklichkeit des Arbeiters, ftellen die Shawlerzeugung an die Spitze der Entwicklung des textilen Faches und reihen ihre Erzeugniffe zu den artiftifch und techniſch ausgebildetften und vollendetften.

Das Erzeugnifs an fich ift kein Kind unferes raffinirteren Occidents, es ift der natürlichen Anlage, der fchwärmenden Poefie eines einfachen Hirtenvolkes entfproffen und hat in unferer anfpruchsvollen Gegenwart, vielleicht gerade feiner Urfprünglichkeit, feines allem Conventionellen ausweichenden Gepräges halber, einer Beliebtheit fich zu erfreuen, die, mit einigem Schwanken zwar, im Ganzen jedoch über die ephemere Bedeutung fonftiger Modeartikel weit hinausgeht.

Seit dem Beginne des Jahrhundertes( und wohl feit etwas längerer Zeit in England) ift der indifche Shawl und feine Copie ein Gegenftand des Wunſches des reicheren Damenpublicums geworden und hat fich in den Kreifen feineren Gefchmackes in Gunft erhalten. Sein gröfseres und allgemeineres Bürgerrecht im Volke hat er im Verlaufe der Zeit dadurch erhalten, dafs er als Mittelforte in die niederen Kreife gedrungen und dort fich, dem wandelnden Modegefchmacke etwas mehr entrückt, einer ziemlich anhaltenden Beliebtheit erfreut.

Die Art des unaufdringlichen Stiles, die Brauchbarkeit der Webe läfst mit Sicherheit annehmen, dafs das Ende des Begehres noch weitaus nicht einzutreten droht, ja dafs im Gegentheile mit der Zunahme der Cultur in den verfchiedenen