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Flachs- und Hanf-Industrie : (Gruppe V, Section 3) ; Bericht ; Der Internationale Congress der Flachs-Interessenten / von Carl von Oberleithner/ bearb. von Arthur von Hohenbruck
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Flachs- und Hanf- Induftrie.

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Im Stück gefärbte Leinenwaare, fowie bedruckte Tafchentücher waren in der Expofition der Zahl nach wenig vertreten. Unftreitig nahmen hierin die öfterreichifchen Ausftellungen den erften Rang ein. Tele roanne, Choletsleinen, gedruckte Tüchel hatten Gebrüder Stefan in Arnau und alle Leinen- Farbwaaren­Artikel, namentlich für Bekleidungszwecke, Gebrüder Steinbrecher in Mährifch Trübau ausgeftellt. Auch das deutfche Reich befafs in der Expofition H. Schwaabe in Ernsdorf bei Reichenbach in Preufsifch- Schlefien einen ganz würdigen Ver­treter von halbleinenen Schürzen- und Kleiderftoffen. Die gedruckten Tafchen­tücher eines württemberg'fchen Ausftellers zeigten wenig fcharfe Umriffe der

Deffins.

In Oefterreich gibt es eine grofse Anzahl von Lohnfärbern, welche Waare im Stück vortrefflich färben und Tafchentücher fchwerer Qualität eminent bedrucken. Dem gegenüber klagt man im deutfchen Reiche über den Mangel an derlei Färbern. Beide Productionsgebiete kranken in der Färberei der Leinengarne und in dem Bedrucken der undichteren Leinenftoffe für Damenkleider und Batift­Tafchentücher. Es fcheint, dafs es allda noch immer nicht gelingen will, die Irländer mit ihren echten Farben zu erreichen.

Noch mufs man eine Sorte von Leinengeweben erwähnen, welche in Oefterreich den Namen Canevas führen und unter den mannigfaltigften Benen­nungen, insbefondere von Sachfen, nach Cuba, St. Thomas, Venezuela, Mexico und Africa exportirt werden. Der Meifter in der Erzeugung der letzteren ift C. F. Neumann jun. in Eybau mit einer Jahresproduction von 115.000 Stücken und einer Arbeiterzahl von 500 Perfonen, ihn fecundiren würdig J. C. Zifche & Söhne in Schönbach bei Lebau, ebenfalls in Sachfen. Unter den öfterreichi­fchen Ausftellern erfcheint Mikulafchek C.& Sohn zu Sternberg in Mähren befonders hervorhebenswerth wegen der fehr niedlichen Mufter, welche feine Canevaffe zieren.

Gebildwaare.

Die Fabrication von Leinen- Gebildwaare ift in den Streit mit hinen­gezogen worden, welcher zwifchen den Vertretern der naturaliftifch gehaltenen Mufter und jenen der ftiliftifchen Zeichnungen entbrannte. Man kann den Letzteren nicht genug Dank wiffen, dafs fie dem wirren Untereinanderwerfen von Blumen, Gewinden und Ornamenten einen Riegel vorfchoben. Indem fie die Fabrication aufmerkfam machten, dafs mit Formen von viel einfacheren Linien, mit mehr Oekonomie anlässlich der Anbringung von Schattirungen, bei Weitem effectvollere Deffins erzielt werden können, haben fie gleichzeitig den Weg vorgezeichnet, welchen man betreten follte. Bei dem notorifchen Hange des Publicums an dem traditionellen Gefchmacke, wie er in den Grofs- Schön­auer Gebilden gang und gébe war, wird man jedoch die Blume, felbft in naturaliftifcher Wiedergabe, nicht vollkommen miffen können. Sie wird einmal als eine Zierde des Tafelzeuges betrachtet. Der Künftler mag es beklagen, dafs man ihre Conturen mit Tafelgefchirr unterbricht oder fie mit den flüffigen Theilen der aufgetragenen Gerüchte entheiligt. Der Laie fühlt da ganz anders. Ihm erfcheinen die Formen der Blume voll Liebreiz, der Gedanke an ihren Duft würzt ihm das Mahl. Es ift nun eben fchwer, fehr fchwer, die Blume natur­getreu wiederzugeben und daraus erklärt fich zum Theile der Widerwille gegen ihre Anwendung. Die Heranziehung von bedeutenden Künftlern wird die erforderliche Läuterung des Gefchmackes auch in der Leinen- Gebildwaare zur Folge haben. Die Ausftellung dürfte gezeigt haben, dafs man mehrfeitig fchon recht glückliche Refultate erreicht hat. Es gehört jedoch zu einer fo totalen Umgeftaltung der Deffins viel Zeit und fie verurfacht namhafte Koften. Wer in Anfchlag bringt, wie lang es dauert, bis ein vom Künftler entworfener Deffin durch den Zeichner in die Carta rigata gefetzt, vom Kartenfchläger