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Flachs- und Hanf-Industrie : (Gruppe V, Section 3) ; Bericht ; Der Internationale Congress der Flachs-Interessenten / von Carl von Oberleithner/ bearb. von Arthur von Hohenbruck
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Carl v. Oberleithner.

zu debutiren. Die Ausführung war aber fo plump, dafs das betreffende Gewebe allgemein Heiterkeit erregte.

Da find einzelne Damafte von C. Faber in Stuttgart ganz andere Gebilde! Ihre Deffins huldigen entweder der Verherrlichung der Tafelfreuden, fo die Kaffeedecke mit Trinkfprüchen. Oder fie ziehen die Thierwelt in den Kreis der Ornamentation hinein und diefs mit einer Meifterfchaft, wie folche die grofse und ein Dutzend kleine Theefervietten mft den vier Jahreszeiten und zwölf Monatszeichen zur Schau trugen. Die Damafte der anderen Ausfteller aus Württemberg waren weniger hervorragend. Aber im Fache der Zwilch- und Jacquard- Tifchzeuge nahm man fehr erfreuliche Fortfchritte an den Expofitionen von Hermann Pichler in Urach und Laichingen, Guftav Schwarz in Kornthal, Mohr& Grofsmann in Stutt­gart u. A. wahr. Im Allgemeinen dürften die württembergifchen Fabrikanten das Ausfehen ihrer Damafte durch die Verwendung von Mafchinen grösserer Platinenzahl und Anwendung eines höheren Apprets wefentlich zu fördern vermögen.

A. W. Kisker in Bielefeld glänzte mit fehr fchönen gebleichten Tafel­zeugen, befonders Jacquards. Einige Deffins, namentlich in Handtüchern, gehören zu den niedlichften, welche die Ausftellung aufzuweifen hatte. Auch find die Bielefelder Gebildwaaren vorzüglich gebleicht und appretirt. Mit naturellen Kaffeedecken hatte diefes Haus diefsmal weniger Glück.

Aus Preufsifch- Schlefien lagen von Trautwetter, Wiefen& Comp. in Wüftewaltersdorf ganz nette Tifchzeuge vor. Die Deffins, farbig carrirt, find recht zart gehalten. Die Gebildwaaren- Erzeugung, wie felbe in Sorau, Bleicherode am Harz und Hildesheim betrieben wird, fcheint noch mehr dem Charakter der Hausinduftrie entſprechende Waaren zu liefern. A. Auer­bach's Tifch- und Handtuch- Zeuge erfcheinen als ganz verdienftliche Gewebe. Es mufs conftatirt werden, dafs im deutfchen Reiche auch fehr beachtens­werthe Verfuche gemacht werden, die Leinen Gebildwaaren- Erzeugung im Wege der Schule zu fördern. Wer hätte nicht eine aufrichtige Freude gehabt, die Leiftungen zu fchauen, welche aus dem englifchen Fräuleininftitute und den Kreis- Weberfchulen in Paffau, Münchberg, fämmtlich in Baiern, hervorgingen. Altartücher, diverfe Parapomades, Tafel- und Handtuchzeuge von meift perfecter Weberei, gereichten den jugendlichen Händen zur Ehre. Sie berechtigen zu fchönen Hoffnungen, namentlich wenn man ihnen beffere Muftervorlagen bieten würde.

Die Wiener Weltausftellung dürfte in diefer Richtung anregend wirken und deren reicher Mufterfchatz durch die gewerblichen Fachblätter den Schulen zugängig gemacht werden.

Unter den grofsen Induftrien Oefterreichs nimmt die Leinen- Gebild­waaren- Fabrication eine Achtung gebietende Stellung ein. Zeugnifs von ihrer grofsar­tigen Entfaltung gab in erfter Reihe die Expofition von Regenhardt& Reymann in Freiwaldau und Wien. Ausjedem Stücke leuchtete das edle Material, die kunft­gerechte Weberei und überdiefs ein Bleich- und Appreturverfahren hervor, wel­ches in höherer Vollendung wohl bisher noch nicht gefehen wurde. Solidität und Eleganz zeichneten von jeher diefe Fabricate aus. Mit Recht gebührt den genann­ten Induſtriellen der Ruhm, den öfterreichiſch- ungarifchen Markt fchon feit einer langen Reihe von Jahren faft gänzlich von den Damaften anderer Provenienz befreit zu haben. Die höchfte Leiftung in der Bemeifterung der Schwierigkeiten einer complicirten Montage liefs deren Gewebe mit dem" Haideröschen" nach Kaulbach erkennen. Wer gerecht fein will, mufs zugeftehen, dafs die Anwendung der Sepiafarbe ein neues Feld für die Leinengebilde erfchliefst. Auch wie eine Kreidezeichnung von gewandter Hand präfentirte fich das auf der Rückfeite der Wand angebrachte Gewebe. Die Figuren erfcheinen lebensfrifch. Ihre Abfchattirung liefs bei Weitem jene Härten nicht wahrnehmen, welche den Ein­