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Flachs- und Hanf-Industrie : (Gruppe V, Section 3) ; Bericht ; Der Internationale Congress der Flachs-Interessenten / von Carl von Oberleithner/ bearb. von Arthur von Hohenbruck
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Flachs- und Hanf- Induftrie.

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deffen Ton und prachtvoll hob fich der weifse Einfchufs davon ab. Man hatte in deffen Vitrine Damafte vor fich liegen, welche Zeugnifs gaben von dem hohen Standpunkte diefes Etabliffements. Nicht allein in den, der franzöfifchen Damaftfabrication längft eigenen Toilette- und Tafelzeug- Artikeln mit farbigen Streifen und Borduren, geknüpften und ungeknüpften Franfen, bietet J. Caffe das Höchfte. Seine fämmtlichen Gebilde, felbft jene, welche gleichfam den ganzen Apparat der Webekunft in fich tragen, find wunderbare Leiftungen. Umfonft wird man es verfuchen, es verfuchen, an feine reizenden Blumen die Sichel anzufetzen. Sie haben im Sturm die Gunft des Publicums erobert und werden in Taufenden von Damaften und Jacquards neu erblühen.

Hieher gehörige Artikel mit geknüpften Franfen brachten auch die Italiener, wie: Flli. Remaggi, Fco. Cantaluppi in Bufto Arfizi bei Mailand. Es hat den Anfchein, als follte diefe Verzierung beim Leinendamaft Mode werden. An und für fich wird fie die Reinigung diefer Artikel erfchweren und ver­zur Wiederherstellung der theuern. Auch dürfte fie gefchickte Hände zur fchwierigeren Knüpfereien in Anfpruch nehmen. Es wäre denn, man wollte die Diefsfalls dürften fie aber Franfen geknüpft dem Wafchen unterziehen. bei nachherigem Gebrauche der Tafel- und Handtuchzeuge eine auf die Geruchsorgane gerade nicht wohlthuende Wirkung hervorbringen, welcher Uebelftand felbft den ungeknüpften Franfen, wenn auch in geringerem Mafse, anklebt.

Unter den belgifchen Gebildwaaren- Erzeugern vermag man wieder nur die Firma Rey aîné unter die Zahl derjenigen einzureihen, welche das Niveau der Hausinduftrie glücklich paffirt haben. Man mufs ftaunen, dafs in einem die verwandte Lande, wo fo vorzügliche Gefpinnfte producirt werden, wo Spitzeninduftrie auf einer fo hohen Stufe fteht, die Leinendamaft- Fabrication, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, nicht vorwärts kommt. Diefs befremdet umfomehr, als doch bekanntermafsen die königlich belgifche Regierung die Hebung der Gebildwaaren- Erzeugung mit gleicher Opferwilligkeit anftrebt, wie die Entwicklung der anderen Flachs- Induftriebranchen.

Ueber den derzeitigen Standpunkt der fäch fifchen Tafelzeug- Fabrication gaben zwei Matadore Auffchlufs. Proelfs sen. fel. Söhne in Dresden hatten eine wahre Gebild waaren- Gallerie ausgeftellt. Die Emancipation von dem Grofs- Schönauer Muftergefchmacke. verkörperten am deutlichften jene Damaft­Tifchdecken, welche an der öftlichen Wand zu fchauen waren. Sie find alle ftiliftifch gehalten, verrathen den Meifter, deffen edlem Gefchmacke man volle Anerkennung zollen mufs, und können als Vorbilder für den modernen Gefchmack gelten. In den Deffins der Tafelgedecke herrfcht noch viel das Blumenwerk mit feiner überladenen Schattirung vor. Auch dem Gefchmacke der öftlichen Culturländer und feiner Verehrer fuchen Proelfs zu entſprechen. Diefs mit einer Theedecke und Credenzferviette, deren Mufter das Beftreben des Zeich­ners verräth, dem geringen Sinne für Perfpective der chinefifchen und japanefifchen Originale gerecht zu werden. Im Fache der Damafte mit heraldifchen Deffins ift diefes Haus als hervorragend bekannt. Seine Huka­back und Bade- Handtücher mit farbigem Rande zählen zu den beften der Ausstellung.

Auf der Höhe des modernen Muftergefchmackes angelangt find auch die in den grofsen Theefervietten von J. Meyer in Dresden verkörperten Zeichnungen. Bedauern mufste man, dafs das unvortheilhafte Licht den Effect diefer Damafte nicht zur Geltung kommen liefs. Das Prachtftück unter denfelben, ein Kaffeetuch mit blauer Bordure, hing fo hoch, dafs es der Beurtheilung faft ganz entzogen war. Es liefs jedoch das Beftreben wahr­nehmen, dem bei den farbigen Borduren vorkommenden Uebelftande, welcher fonft in den Eckftücken zu Tage tritt, durch Benützung von zwei Ketten abzuhelfen. Nebenan hatte es Jemand verfucht, mit einem hiftorifchen Vorwurf