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Arthur Freiherr von Hohenbruck.
Die Art und Weife, wie der Landwirth feinen Flachs anbaut, beeinflusst nicht nur fein eigenes perfönliches Intereffe, die Rentabilität feines Erwerbsbetriebes, fie übt auch einen gleich mächtigen Einfluss auf die Leineninduftrie, fowie auf das ganze volkswirthschaftliche Leben.
An ihn, den Landwirth als Flachsproducenten, tritt mithin vor Allem die Aufgabe heran, durch eine geeignete Culturmethode von feinem Flachsacker eine möglichft quantität- und qualitätreiche Ernte zu erzielen, durch die er nicht allein fich felbft eine entsprechende Grundrente fichert und damit feine volkswirthschaftliche Aufgabe als Landwirth zur Genüge löft, er fördert damit auch das Intereffe der Flachsinduftriellen, fowie der Flachs confumenten.
Die Flachscultur ift, wie bekannt, ein fehr alter Culturzweig in der Landwirthfchaft, der fich über alle Länder der verfchiedenen Zonen verbreitet hat. Gerade aber, weil derfelbe fchon feit Jahrhunderten gepflegt und überall unter den verfchiedenartigften und mannigfachften, natürlichen und künftlichen Beeinfluffungen zur Durchführung gebracht wird, kann es auch kein Wunder nehmen, dafs heut zu Tage nicht nur jedes Land, ja jeder Landestheil, jede Gemeinde ein eigenes, den localen Verhältniffen mehr oder weniger angepafstes Vorgehen bei der Flachscultur innehält, das leider aber in den meiften Fällen weit davon entfernt ift, in jeder Beziehung zu befriedigen: dem Flachsbaue eine möglichst hohe Rente zu fichern und dem Flachsinduftriellen eine möglichft werthvolle Fafer zu liefern.
Das ftrenge Fefthalten an dem Althergebrachten, die Furcht und Scheu vor allem Neuen, fowie die totale Unkenntnifs aller Erfcheinungen und Vorgänge, welche von dem Reinigungsproceffe bis zur Ernte fich ergeben und die alle bald in einem höheren, bald in einem niederen Grade das Refultat der Flachscultur zu beeinfluffen vermögen, bringen es mit fich, dafs mit geringer Ausnahme die Flachs. cultur auch heute noch ebenfo rein empirifch durchgeführt wird, wie vor Jahrhunderten.
Wo von Natur aus die Verhältniffe der Flachs cultur fehr günftig waren, wie diefs vorzüglich in Belgien ftatthat, lag es auch nahe, dafs dafelbft nicht nur von Seiten der Flachsproducenten ein höherer Grad der Intelligenz der Production zugewandt wurde, fondern auch die Regierung durch ihre verfchiedenen hiezu beftellten Organe fördernd und hebend einzuwirken fuchte.
Betrachten wir heut zu Tage alle Flachs culturen mit demfelben Endziele, nämlich der Erzeugung einer guten, werthvollen Fafer, die fich in den verfchie denen Ländern Europas ein begründetes Renommé erworben haben, fo laffen fie fich fämmtlich auf die belgifche Culturmethode zurückführen, find mithin mehr oder weniger eine Nachahmung der belgifchen Flachs cultur, felbftverſtändlich unter Berücksichtigung der gegebenen localen und wirthfchfchaftlichen Verhält niffe. Es dürfte daher auch der hohe Congrefs feine volle Zuftimmung geben, zu. dem sub I formulirten Antrage:
, Von den in Uebung ftehenden mannigfachen Anbau-, Feldbeftellungs-, Einfaat- und Ernteweifen find die in Belgien, insbefondere die in Oft- und Weftflandern beftehenden, von dem Standpunkte der Flachsproduction als die vorzüglichften zu bezeichnen."
Hierauf wird der erfte Abfatz des Antrages des Berichterstatters ange
nommen.
Der zweite Theil meines Antrages lautet:
د"
Unter den verfchiedenen Anfaat- Zeiten( Früh-, Spät- und Herbftfaat) ift der Frühfaat in Bezug auf die Erlangung einer kräftigen Fafer im Allgemeinen der Vorzug zuzuerkennen."
Mit dem Worte„ Frühfaat" ift etwas mehr oder minder Prekäres gefagt. In dem einen Landestheile kann ein Zeitpunkt für fpät gelten, während er in dem anderen, z. B. im Gebirge, als früh angefehen werden mufs. Damit will nur gefagt werden, dafs fo früh als möglich mit dem Anbau vorgegangen werde, d. h. dafs die Saat vorgenommen werde, fobald dem Boden die nothwendige Winterfeuchtig