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Flachs- und Hanf-Industrie : (Gruppe V, Section 3) ; Bericht ; Der Internationale Congress der Flachs-Interessenten / von Carl von Oberleithner/ bearb. von Arthur von Hohenbruck
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Der internationale Congrefs der Flachs- Intereffenten.

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vorliegen, empfiehlt der Congrefs in Berücksichtigung der aufserordentlichen Wichtigkeit des Gegenftandes das fort­gefetzte, eingehende Studium derfelben in den leinbauenden Ländern und bezeichnet es als eine der wichtigften Aufgaben des von ihm gewählten ftändigen Ausfchuffes, diefer Frage feine volle Aufmerkfamkeit zuzuwenden.

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II. Frage.

Welche Leinbau- Methoden beftehen, welche Methoden find die beften, und welche Mittel würden fich für die Ver­breitung diefer Methoden befonders empfehlen?"

Berichterstatter Profeffor Leydheker: Unftreitbar geht das Intereffe der Flachsproducenten Hand in Hand mit dem der Flachsconfumenten, der Flachs­induftriellen; beide Erwerbsthätigkeiten, die Flachsproduction, fowie die Flachs­induftrie ftehen in fo inniger Wechfelbeziehung zu einander, dafs mit dem Wohle und der freudigen, gefunden Entwicklung der einen unbedingt die Exiftenz der anderen gefichert wird, im umgekehrten Falle aber auch gefährdet werden kann, fobald durch unrichtiges Vorgehen, durch mangelhaftes Erfaffen deffen, was die jeweiligen Zeitverhältniffe gebieten, der Lebensfaden der Flachsproduction oder auch der Flachsinduftrie durchſchnitten wird.

Mit weit gröfserer Schwierigkeit und weit mehr Unficherheit hat der Land­wirth feine Flachsproduction zu betreiben, als der Induftrielle feine Flachsver­edlung; denn feine Thätigkeit wird vor Allem beeinflusst durch die beiden natür­lichen Factoren, Klima und Boden, von welchen Einflüffen der Leineninduftrielle nur in einem fehr geringen Grade und in der Regel nur indirect berührt wird.

Der Einfluss des Bodens, noch mehr aber der des Klimas, ift von der Natur

gegeben.

Auf diefe beiden Factoren ändernd einzuwirken, vermag der Flachsproducent nur in einem fehr geringen Grade, um fo weniger, je mehr ihm die Kenntniffe abgehen, mit was für Erfcheinungen, Vorgängen und Kräften er es hiebei zu thun hat. Die Naturwiffenfchaften, insbefondere die Phifiologie, Chemie und Phyfik find mithin in erfter Linie dazu berufen, weiter zu forfchen, um die Natur und das Wefen aller derjenigen Kräfte und Subftanzen genau kennen zu lernen, welche fämmtlich bei der Cultur des Flachfes mit thätig find. Die Unkenntnifs über das Wefen diefer beiden Naturfactoren läfst es mithin fehr erklärlich finden, dafs das ganze Vorgehen beim Flachsbau meift auf eine rein empirifche Grundlage bafirt ift.

Bilden fomit Klima und Boden ein Conglomerat von unbekannten Gröfsen, mit denen es der Flachsproducent, wie jeder Land- und Forstwirth zu thun hat, und zu deren Auflöfung der Flachsbauer, ebenfo wie der Naturforfcher berufen ift, fo find es aber die natürlichen Factoren nicht allein, welche die Flachscultur beeinfluffen; Arbeit und Capital fpielen auch bei diefer wirthschaftlichen Thätig­keit ihre bedeutende Rolle.

Dafs nun fowohl die Arbeit, als auch das Capital in einem fehr verfchiedenen Mafse bei der Flachsproduction in Benützung kommen, ift eine allbekannte That­fache und laffen fich die verfchiedenartigen Refultate, welche bei der Flachs cultur erhalten werden, nicht felten auf den einen oder den anderen oder auf die beiden Factoren zugleich zurückführen.

Da nun Letztgenannte weit mehr in der Hand und in der Machtfphäre der Menfchen liegen, als die von der Natur gegebenen Factoren, Klima und Boden, fo ift es felbftverſtändlich, auch vor Allem die Aufmerkfamkeit auf diejenigen Momente zu lenken, welche auf die Flachscultur Einfluss ausüben und auf die beiden Factoren Capital und Arbeit fich zurückführen laffen.