Dokument 
Flachs- und Hanf-Industrie : (Gruppe V, Section 3) ; Bericht ; Der Internationale Congress der Flachs-Interessenten / von Carl von Oberleithner/ bearb. von Arthur von Hohenbruck
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen

48

Arthur Freiherr von Hohenbruck,

cultur in Anwendung kommen, vorerft dem Leinwirthe als das Beffere vorführen müffen.

Hauptfächlich dürfte die Prämiirung gut beftellter Flachscultur zur Hebung diefes Induftriezweiges beitragen. Der Landwirth wird dadurch aufmerkſam gemacht, was er geleiftet hat und feine Nachbarn werden zum Flachsanbau angetrieben.

Ein zweites Mittel ift die Anlegung von Mufterfeldern; diefe find noth­wendig, um dem Kleinwirth zu zeigen, was er leiften kann und wie er vorzugehen hat. Drittens empfehle ich die Gewährung von Anleitungen zur Cultur des Flachfes. In diefer Beziehung werden wir an die landwirthfchaftlichen Vereine appelliren dürfen, dafs diefe als Lehrmeifter da feien und dem Kleinwirthe zur Seite ftehen mögen und endlich Alles das, was die Praxis lehrt, durch entſprechende Vorträge und Schriftitücke dem Volke bekannt machen.

Ich empfehle daher als 6. Punkt zur Antwort auf Frage II, folgende

Refolution:

,, Als Mittel für die Verbreitung zweckmäfsiger Leinbau- Methoden empfehlen fich: die Prämiirung gut beftandener Flachsculturen, Anlage von Mufterfeldern, vergleichende Flachs­anbau- und Düngungsverfuche und Verbreitung deren Ergebniffe durch Wort und Schrift." Die Refolution des Congreffes über Frage II lautet:

1. Von den in Uebung ftehenden mannigfachen Anbau-, Feldbeftellungs-, Einfaat und Ernteweifen find die in Belgien, insbefondere in Oft- und Weft flandern beftehenden vom Standpunkte der Faferproduction als die vorzüglichften zu bezeichnen.

Unter den verfchiedenen Ausfaatzeiten( Früh-, Spät- und Herbftfaat) ift der Frühfaat in Bezug auf die Erlangung einer kräftigen Fafer im Allgemeinen der Vorzug zuzuerkennen. Die Anfaat von Lein als zweite Frucht ift, da fie eine wenig halt­bare Fafer liefert, nicht empfehlenswerth.

2. Was die für den Flachsbau fo wichtige Düngungsfrage betrifft, fo. ift auszufprechen: die Düngung mit Stallmift foll nur vor der Vorfrucht gefchehen. Die Anwendung künftlicher Düngmittel dagegen, wie von Afche, Compoft, Phosphat, Chili­Salpeter, kann mit grofsem Erfolge unmittelbar zum Lein verwendet werden.

Die directe Kalkdüngung ift, da fie die Fafer rauh geftaltet und der Kalkftaub die Arbeiter namentlich in der Hechelei beläftigt, nicht empfehlenswerth.

3. Dringend zu empfehlen find das forgfältige Reinigen des Saatgutes und das wiederholte Jäten.

4. Das Stützen des Leines, beim Bau des lin ramé mit Vortheil angewendet, rentirt nur bei an und für fich werth voller Fafer. Gelagerten Lein zu ftützen, ift auf gröfseren Flächen nicht gut ausführbar und erfcheint es vortheilhafter, zu früh­zeitigem Raufen zu fchreiten.

5. Empfehlenswerth erfcheint, dafs das Aufbereiten des Flachfes auf dem Felde zum Trocknen durch Aufftellen in Schra­gen( Kapellen) erfetzt werde, fodann das Löfen der Samenbollen von den Stengeln mittelft der Riffel an Stelle der anderen bekannten Trennungsmittel.

6. Als Mittel für die Verbreitung zweckmäfsiger Leinbau­Methoden empfehlen fich die Prämiirung gut beftandener Flachs­culturen und namentlich brauchbarer Säe- Leinfaat, Anlage von Mufterfeldern, vergleichende Flachsanbau- und Düngungsver­fuche und Verbreitung deren Ergebniffe durch Wort und Schrift.