Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten.
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III. Frage.
, Welche Flachszubereitungs- Methoden haben fich bewährt und find demnach zu empfehlen."
Berichterstatter Dr. Grothe: Bezüglich der Antwort auf Frage III feien von Seite des vorbereitenden Comités keineswegs beftimmte Sätze aufgeftellt, fondern nur Vorfchläge von gut bewährten Methoden durch Discuffion feftgefetzt worden. Dem Ausfpruche, dafs unter den bisher angewendeten Methoden nur diejenigen fich als praktiſch bewährt haben, bei welchen die Leinftengel einem Gährungsproceffe unterworfen( geröftet) werden, ehe die Trennung der fpinn baren Fafer von der Holzfubftanz durch Brechen und Schwingen erfolgt, könne man im Grofsen und Ganzen wohl zuftimmen, denn alle diefe Methoden feien ja fo allgemein eingeführt, wie jene, welche auf natürlicher Röftung beruhen.
Um die Anwendung des Gährungsproceffes zu erfparen, haben die Herren Coblenz und Leoni zu Vaugenlieu in Frankreich den Verfuch gemacht, den Flachs vom Felde direct in die Mafchine zu bringen.
Wenn das Verfahren allgemein anwendbar wäre, fo würden wir viele Arbeiter erfparen; aber leider bringe man auf diefe Weife aus der Fafer nicht jene Subftanzen heraus, welche geeignet find, eine Gährung einzuleiten. Bei der geringften Veranlaffung z. B. wo Taue befeftigt und der Sonne ausgefetzt waren, habe fich eine vollſtändige Gährung gebildet. Die englifche Marine habe das Verdienft, durch eine Reihe von Verfuchen bezüglich der Anwendung der Taue es ermöglicht zu haben, dafs man erkenne, ob ein Tau aus geröftetem oder ungeröftetem Flachfe hergeftellt worden fei.
Rolle.
Die chemifche Herftellung fpiele auch bei der Flachsbereitung eine grofse
Keine Mifchung unter Anwendung von Soda vermöge die Flachsftengel derart herauszulöfen, dafs fie vollkommen klar werden.
Dafs wir mit folchen Verfuchen auf die Löfung der Frage hinarbeiten, fei er vollkommen überzeugt, doch für heute möchte er aber dem hohen Congreffe nur empfehlen, auszufprechen:
, Unter den bisher angewendeten Flachsbereitungs- Methoden haben fich nur diejenigen praktiſch bewährt, bei welchen die Leinftengel einem Gährungsproceffe unterworfen( geröftet) wurden, ehe die Trennung der fpinnbaren Fafer von der Holzfubftanz durch Brechen und Schwingen erfolgt."
Der zweite Antrag des Comités:
, Von den gebräuchlichen Röftverfahren liefert die Wafferröfte, wie fie in der Gegend von Courtrai in der Lys ausgeführt wird, die vorzüglichften Refultate. Dasfelbe Verfahren läfst fich ohne grofse Schwierigkeiten auch an anderen Orten nachahmen uud ift dringend zu empfehlen.'
Diefer Paffus wird vielleicht bei den Flachsproducenten einigen Zweifel erregen, indem eben nicht überall, wie in der Gegend von Courtrai, eine Lys fich befindet, und infofern mit vollem Recht. Allein es ift nicht blofs der Flufs Lys, fondern auch die an diefem Fluffe angewendete Methode, welche bewirkt, dafs der Flachs fo fchnell röftet und der Grund liegt am Waffer. Ich mufs geftehen, dafs ich theilweife derfelben Anficht bin. Wir wiffen ja, dafs in der Textilinduftrie das Waffer eine fehr hoch zu fchätzende Rolle spielt, defshalb könnte diefer Antrag vielleicht zur Annahme führen, dafs nicht daran gedacht worden fei, dafs das Waffer auch feinen Theil dazu beiträgt. Deffen war man fich fehr wohl bedacht, allein wir wollten nur andeuten, dafs das Verfahren ein fehr zweckentfprechendes, fehr leicht nachahmbares fei.
Wenn man auch das Waffer nicht künftlich herftellen kann, fo ift doch die Art und Weife des Verfahrens mafsgebend. Wir lernten zahlreiche Beiſpiele und namentlich auf der Ausftellung kennen, bei welchen vorzügliche Erfolge erzielt werden.
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