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CAMASCHEN.
JOSEF
Bericht von
MIGOTTI.
Wenn man in den der Kunft gewidmeten Räumen unferer Ausftellung die Meifterwerke der Malerei und Sculptur befichtigte, und fich das Studium einzelner Theile zur Aufgabe gemacht hatte, fo wunderte man fich über die bei den hiftorifchen Gemälden zur Anfchauung gebrachte Gleichförmigkeit der Fufsbekleidungen, welche in der ganzen antiken Zeit andauerte und bis in die neuen Jahrhunderte hineinreicht.
Wir fehen den allgemeinen Gebrauch der aus Holz- oder Lederftücken beftehenden, nach verfchiedenen Fufsformen gefchnittenen Sandalen, welche mit den dazu gehörigen Binderiemen um Vorfufs und Wadenbein gewunden waren und meiftens unterhalb der Kniebeuge befeftiget wurden.
Die Unzulänglichkeit diefer Bekleidungsform, welche weder vor Froft und Näffe, noch vor zufälligen Verletzungen fchützte, fondern blofs das ficherere Auftreten ermöglichte, gab Anlafs, dafs in fpäterer Zeit Obertheile an die bisher alleinigen Sohlen befeftigt wurden und mit diefer wichtigen Verbefferung eine totale Umwandlung der Fufsbekleidung herbeigeführt wurde.
Erft feit diefer Zeit fanden die vielen Erfindungen und Veränderungen auf diefem Gebiete ftatt, welche wie Abfchnitte die verfchiedenen Zeitalter bezeichnen, und zu dem jetzigen vervollkomneten Stande des Befchuhung führten.
Eine der wichtigeren Erfindungen, welche gemacht wurden, um nicht nur den Fufs, fondern auch die nunmehr verfeinerte Befchuhung zu fchützen, war die Gamafche.
Die Nützlichkeit diefes Kleidungsstückes ift überall bekannt, es leiftet vortreffliche Dienfte, fchützt den Fufs und hält ihn warm, ohne feine Beweglichkeit zu hindern. Obfchon die Anfertigung, der Gebrauch, die Reinigung desfelben mit mancher Schwierigkeit verbunden ift, welche eine allgemeine Verbreitung desfelben hemmen, fo bricht es fich dennoch immer mehr und mehr Bahn.
In Spanien, Mexico, Griechenland und der Türkei wird die bis zum Knie reichende Gamafche getragen, fie bildet einen Theil der nationalen Kleidung, und wird in den Erfteren diefer Länder mit feitwärts frei herabhängenden Bändern benäht, wodurch der ganzen Tracht ein malerifches Gepräge verliehen wird; in den letztgenannten zeichnet fie fich durch glänzenden Aufputz aus.
In Mitteleuropa kommt fie häufig im Gebrauch und wird in jüngfter Zeit auch vom weiblichen Gefchlecht gerne benützt, um fich vor den Nachtheilen der Erkältung und Durchnäffung der Füfse zu verwahren, welche Schädlichkeiten, nach den Ausfpruche berühmter Aerzte, bei zarteren Organismen oftmals die Urfachen hartnäckiger Herz- und Nierenkrankheiten find.
In den Alpenländern trägt fie der Tourift, um fich vor der Kälte, in den Weingegenden der Winzer, um fich vor dem Sonnenbrande, in den fumpfigen Maremmen Süditaliens der Jäger, um fich vor den Biffen der Schlangen zu
fchützen.
In mehreren Armeen ift fie als Equipirungsftück eingeführt, welches feine Tüchtigkeit, namentlich in den Winterfeldzügen oftmals bewährt hat.
Wirkliche Sehenswürdigkeiten diefes Artikels waren in der griechifchen Abtheilung unferer Ausftellung zu finden; fie gehörten zum Coftume der vornehmen Griechen, waren reich mit Gold verziert und zum Preife von 800 Francs das Paar verkäuflich; des befonderen Schnittes wegen verdienten fie die Beachtung aller Fachleute.