28
Jofef Migotti. Gamafchen.
Auch die Türkei war durch Prachtexemplare vertreten, deren Hauptwerth in feiner und reicher Goldftickerei beftand.
Aus dem Norden hatten die Firmen Schottländer& Goldfchmidt und Chriftenfen( in Copenhagen) fehr intereffant ausgeftellt. Erftere brachten vorzügliche Jagdgamafchen von dichtem Stoffe, leicht zum Knöpfen und mit einer befonderen Schlingenvorrichtung verfehen, um fie an die Beinkleider zu befeftigen.
Letzterer fendete aus den dortigen, fo fehr gerühmten wafferdichten Stoffen verfertigte kurze, fogenannte Knöchelgemafchen, worunter ein Paar nicht zum Knöpfen, fondern mit einem eigenthümlichen Verfchlufs durch biegfame Stahlfpangen verfehen war, fie entſprachen allen Anforderungen und übertrafen an Leichtigkeit und Haltbarkeit alles bisher Gefehene.
Auch das Haus Mottl( Prag) brachte die kurze Knöchelgamafche in feiner Arbeit; fie bürgert fich als zierliches Promenadeftück immer mehr ein und ift auch in der neuen Militäradjuftirung zum Gebrauch beftimmt; die Vortheile der Leichtigkeit und Stofferfparnifs werden jedoch reichlich wieder aufgewogen durch den geringeren Schutz, den fie gewähren.
Die Collection Furtmüller's aus Wien war die reichhaltigfte, wir fahen Herren- und Damengamafchen verfchiedenfter Gattung, fie empfahlen fich durch eigends dazu fabricirte und haltbar gefärbte Stoffe, vereinigten Eleganz, Schmiegfamkeit mit grofser Dauerhaftigkeit und erfreuen fich einer fteigenden
Beliebtheit.
Gewirkte Schafwoll- Gamafchen waren reichlich vorhanden, fie zeichnen fich durch leichtes Anpaffen und bequemes Anziehen aus, und dienen vorzugsweife der Kinderwelt, welcher fie durch Vollkommenheit des Schutzes bereits unentbehrlich geworden find.
Mehrere Wiener Kinderkleider Firmen hatten ebenfalls diefe Garderobeftücke der Kleinen, jedoch aus Tuch und feinen Schafwoll- Stoffen in vollendeter Weife zur Anficht gebracht, und zeigten auch in diefem Genre die folide Wiener Kleiderarbeit und ihre Ueberlegenheit über derlei andere Fabricate.
Im Ganzen ift diefe Induftrie noch einer grofsen Ausdehnung fähig und grofsartigere, mit kundiger Hand gemachte Verfuche, diefem Kleidungsstück allgemeineren Eingang zu verfchaffen, würden ficherlich mit lohnendem Erfolg gekrönt werden.
WÄSCHE.
Bericht von
JOSEF MIGOTTI.
Ein wohlbeftellter Wäfchefchrank war von jeher fowohl im Fürftenhaufe, als in der Hütte der Stolz und Schmuck der forgfamen und umfichtigen Hausfrau. Die Einrichtung und Verforgung desfelben bildete zur Zeit, als noch Edelfräulein und Bäuerin am Spinnrocken fafs, um den Fäden des Gewebes die beliebige Feinheit zu geben, nebft dem Weben, Bleichen und Glätten desfelben, den gröfsten Theil der weiblichen Befchäftigung.
Diefs ift heute anders geworden.
Waren unfere Frauen fchon durch die riefigen Etabliffements des Continentes für Spinnerei, Weberei und Bleicherei, welche die Grundftoffe der Wäfche in grofser Güte, Schönheit und Billigkeit liefern, des mühevollften Theiles der WäfcheErzeugung enthoben, so vollzog fich durch die wichtigfte Erfindung auf diefem Gebiete, durch die Nähmaschine und deren Anwendung zur Wäfchefabrication,