Die Frauenarbeiten.
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Ueberhaupt zeigen fich Wiederholungen derfelben Gefchmacksverirrungen bei all' den verfchiedenen Ausftellungen, als ob fie in mancher Zeit geradezu epidemifch gewefen wären. Man fieht wohl, wie der beffere und edlere Gefchmack mit mehr oder minderem Erfolge gegen folche Verirrungen ankämpft, aber es wird jedenfalls noch einige Zeit bedürfen, bis er den vollſtändigen Sieg über die alten Vorurtheile erringt.
In Oefterreich waren es unter den Erziehungsanftalten vor Allen die Schweftern vom armen Kinde Jefu in Oberdöbling, welche durch ihre fchönen und kunftgerechten Stickereien zuerft den Sinn für ftilrichtige Arbeiten und Zeichnungen in diefem Zweige weckten. Das gröfste Verdienft aber gebührt dem öfterreichifchen Muſeum, das durch alle ihm zu Gebote ftehenden Mittel, durch feine Schulen, durch Vorlefungen und hauptfächlich durch die Ausgabe guter Vorlagen für Stickmufter den irre gegangenen Gefchmack in rechte Bahnen zu leiten verfucht.
Die Arbeiten der Blinden und Taubftummen find auch in den verfchiedenen Schulabtheilungen zur Ausstellung gekommen Man fieht, mit welchem Eifer der Unterricht in diefen Anftalten betrieben wird, wie man keine Mühe fcheut, die armen Blinden heranzubilden und ihnen durch praktiſche Arbeiten nicht nur Befchäftigung und Zerftreuung, fondern hauptfächlich die Möglichkeit des Erwerbes zu sichern.
Die Wahl der Arbeiten fcheint fich ganz nach den Anlagen und Talenten der armen Unglücklichen zu richten, denn wir fanden da die verfchiedenartigften Leiftungen auf der Ausftellung vertreten. Beinahe wunderbar ift es, wie weit es die Schüler der Blindenanftalten in ihren manuellen Fertigkeiten gebracht haben; da find feine, in verfchiedenen Muftern geftrickte und gehäkelte Decken und Häubchen, ja felbft farbige Stickereien nebft feineren und gröberen Korbgeflechten. Die Leiftungen der verfchiedenen Länder in diefen humanen Beftrebungen find, nach ihren Ausftellungen zu fchliefsen, überall fo ziemlich gleich. Im Wiener Verforgungshaufe für Blinde werden meift Arbeiten auf Beftellung übernommen, befonders werden dort um ein Billiges recht hübfche Strümpfe verfertigt. Andere Staaten haben leider nichts in diefer Richtung ausgeftellt.
Die weiblichen Sträflinge der verfchiedenen Strafanftalten haben auch ganz gute Arbeiten geliefert, was um fo verdienftvoller ift, da wahrfcheinlich die meiften in ihrem früheren Leben wenig an feinere Handarbeit fich gewöhnt hatten. Ein genähtes und gefticktes Corfet, ein Jäckchen und Häubchen aus Klöppelarbeit; eine in Tambourftich ausgeführte Altarfpitze; ein Mufterband von genähten Hemdeinfätzen verdienen befondere Erwähnung. Aus den Strafanſtalten anderer Länder ift nur in der Abtheilung des deutſchen Reiches aus der Pfarre Fräfsle in Gurtwill aus Baden ein Mefskleid ausgeftellt, gut gearbeitet, doch mit einem fo complicirten Deffin, dafs es eines eigenen Comentars bedürfte.
Von den verfchiedenen Frauen- Erwerb- oder anderen Vereinen, welche denfelben Zweck verfolgen, haben der Wiener und Prager Frauenerwerb- und der Letteverein, fo auch andere ähnliche Vereine aus Darmftadt, Carlsruhe und Hamburg die Ausftellung befchickt.
Die beiden öfterreichifchen Vereine find am vollſtändigften vertreten, und haben nicht nur Arbeiten von Schülerinen der Nähfchule, fondern auch von den Schülerinen der Zeichen- und Handelsfchule ausgeftellt. Der Wiener Verein, insbefonders auch noch die Arbeiten feiner franzöfifchen, englifchen und Telegraphenfchulen, welche klar darthun, wie viel auch in diefer Beziehung fchon geleiftet wurde.
Von befonderer Wichtigkeit ift der ausgeftellte Lehrgang des Zeichenunterrichtes und die von den Schülerinen felbft entworfenen Zeichnungen. Ein ähnlicher Verein aus Hamburg lieferte fchöne Zeichnungen, welche eigene Compofitionen der Schülerinen find.