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Die Stickerei und die Spitzen : (Gruppe V, Section 8) ; Bericht und Die Frauenarbeiten (Anhang zu Gruppe V) : Bericht / Von Dr. Ferdinand Stamm / von Helene Freiin v. Roditzky
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Die Frauenarbeiten.

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am Grabe, von Bertoluzzi Antonia mit der Etiquette 5036, von Servi Amalia 4943 und von Maria Roma 4519.

Befonders fchön geftickt war das Sacktuch mit 4505 bezeichnet und von Orfanello aus Ancona ausgeftellt. Der beinahe reliefartig geftickte Nadelpolfter 4502 delle figlie di Modena, das mit 4392 bezeichnete Sacktuch, deffen befondere Stickerei gleich auffiel, waren von Marasoli Adele aus Piacenza.

Die von Mirt Marie aus Meftre mit der Nummer 4532 verfertigte Garnitur Chemifette und Manchetten) zeichnete fich durch befondere Spitzenftiche aus; fowie die von Trevefe Giulia 4529 ausgeftellten Lavori d'invenzione durch Leich­tigkeit und Grazie, Gibellini Aurelia brachte ein fehr fchön gefticktes Sacktuch; die Piazetta di San Marco von Andreatta Elisa aus Padua und noch viele andere forderten unfere wärmfte Anerkennung für die in ihrer Weife ausgezeich­neten Leiftungen.

Im fchwedifchen Pavillon fand man fehr fchöne Spitzen auf Weifs­ftickereien, worunter befonders zwei, von einer 80- jährigen Frau verfertigt, unfere Bewunderung erregten, und die theils durch aufgelegte, theils durch unterſpannte Wolle, auf welche dann die verfchiedenen Stiche ausgeführt werden, befonderen Effect hervorbrachten. Sehr ſchön war auch ein gefticktes Toilettekiffen mit Fliegen. Befonders vortheilhaft machten fich die auf einfärbiger Seide oder Woll­rips mit ganz einfachem Stiche ausgeführten Stickereien, welche bunte Webereien ganz trefflich imitiren.

In Spanien waren einige recht hübfche Stickereien, die fich durch gleichen Stich, richtige Zeichnung und gute Schattirung auszeichneten, zu fehen, leider waren es nur fogenannte geftickte Bilder. Doch verdient befondere Erwähnung: Die Dame in Trauer", ein glücklicher Gedanke war es, fie mit abgewandtem Gefichte dargestellt zu haben. Die Stickerei in fchwarzen Fäden, ein Schlofs darftellend, war der Arbeit nach grofsartig ausgeführt.

In der Abtheilung des deutfchen Reiches waren die durch ftil­gerechte Mufter befonders bemerkenswerthen kirchlichen Linnenftickereien der Gefchwifter Oslander aus Ravensburg in Württemberg. Hier war auch ein fehr hübfches Chorhemd in Häkelarbeit beachtenswerth. Sehr hübíche, reine Weifs­ftickereien waren von Erbert und Sohn aus Plauen ausgeftellt. Die mit den Etiquetten 5574, 5565 und 5568 verfehenen Gegenftände verdienten befondere Beachtung. Zu erwähnen find auch noch die Weifsftickereien von Demuth aus Halle. Was die fogenannten Dilettantenarbeiten im öfterreichifchen Pavil­lon betrifft, fo findet man da einige recht hübfche in Weifs- und Buntftickerei ausgeführte Arbeiten, befonders aber verfchiedene fchöne Häkeleien und Spitzen­imitationen. Wir wollen hier die hübfchen Arbeiten nach den Nummern des Specialkataloges anführen. Nr. 915, eine von Roth Julie ausgeführte Weifsftickerei für eine Altarfpitze, fehr rein gearbeitet. Nr. 917, Decke für ein Taufkiffen von Scheffler und Racz in Bezan, die Taufe Chrifti darftellend, wovon befonders die Goldftickerei ganz ausgezeichnet war. Nr. 926 brachte von Nekola Adele eine fehr hübfche Imitation venetianifcher Spitzen. Recht gelungen war der von der Kunftftickerei- Schule des Herrn Uffenheimer in Innsbruck ausgeftellte Chriftus im Flachftich, deffen Verfertigerin leider nicht angegeben war, und der eben dafelbft verfertigte Tifchteppich. Gräfin Zichy- Metternich ftellte mehrere Arbeiten aus, darunter ein Taufdeckchen im Flachftich mit einem Spruchbande, das fich um die ganze Decke fchlingt, unter der Nr. 993, und ein Kinderkleidchen Nr. 1393 in Frivolitäten und Filetguipure. Sehr fchön in Zeichnung und Ausführung war Nr. 948, eine im Tambourftich ausgeführte Altartuch- Spitze von den Schulfchweftern von Notre Dame in Johannesberg. Nr. 955 ein Polfter in Flachftickerei von Kanz Amalie, darftellend ein fehr naturgetreu mit feltenem Fleifse ausgeführtes Bouquet von Alpenblumen. Beinahe noch fchöner und befonders durch herrlichen Farben­fchmelz ausgezeichnet war Nr. 1362, ebenfalls Alpenblumen im Flachftich. Der mit Nr. 963 bezeichnete geftickte indifche Shawl von Baronin Bülow ift befonders