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Schuhwaaren - Schmuckfedern, künstliche Blumen und Haararbeiten - Tapezirarbeiten und Decoration : (Gruppe V, Section 9) - (Gruppe V, Section 10) - (Gruppe V, Section 11) ; Bericht / von S. Goldschmidt - Carl Th. Richter - Anton Fix
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Schmuckfedern, künftliche Blumen und Haararbeiten.

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Gewandes aus Pfauenfedern oder der reichen Fülle eines Schwangefieders, das wie das zartefte Vliefs fich anfühlte und in ähnlicher Weife behandelt war.

Wir wiffen nun freilich von der Art diefer Arbeit und von der Verwendung der Feder zum ganzen Kleid fehr wenig. Das aber, glaube ich, können wir als ficher an­nehmen, dafs, wie mit der Benützung glänzender und farbenfpielender Federn neben den in früheren Zeiten fehr einfachen Stoffen und Geweben der Verfuch eintritt, einen Wechfel der Stoffe, insbefondere der Farbe, zu erzeugen, das menfchliche Auge die Schönheit des Kleides fordert. Und die Feder, die der Vogel freiwillig abgibt, bildete vielleicht den erften Anfang des Kleiderzierrathes. Erft in fpäterer Zeit wurde die Schmuckfeder felbft Rohftoff für die kunftvolle Erzeugung des Gewebes. Und als diefe Kunft verloren ging, wird fie, was fie zuerft war, Schmuck, insbefon­dere Schmuck der Haare und der Kopfbedeckung und Zeichen des Luxus. Mit den Fortfchritten des Handels, zumeift des überfeeifchen, des Handels mit Afrika, der Heimat des Strauſses, dann mit Indien, wo der Marabou, der Pfau, der Paradies vogel und der Kafuar feine Heimat hat, mit Südamerika endlich, wo in Brafilien der Kolibri, der Ibis und anderes kleines Volk gedeiht, da wird die Feder die Quelle eines ganz productiven Importes nach Europa. Daneben gewinnen die Vögel Europas, der Haushahn und die Taube, der Schwan, der Fafan und die Wild ente, der Stofs des Auerhahnes, feit langen Jahren der Schmuck des Jägers, in unferer Zeit das inländifche Material für einen der vornehmften Fächer, immer mehr und mehr an Bedeutung. Dauernd hatte die Straufsfeder zumeift als Coiffure und Schmuck der Haare, in früheren Zeitaltern als koftbarer Schmuck der Barette des Adels den höchften Werth. Die von Natur aus biegfame und gebogene Feder, der duftige und wie in zierliches Gewölk fich auflöfende Flaum derfelben, haben fie von jeher als begehrungswürdigen Artikel des Damenfchmuckes erfcheinen laffen und die bedeutende Nachfrage hat in Egypten wie am Cap der guten Hoffnung den glücklichen Verfuch gereift, den Straufs zu zähmen und an die menfchliche Haushaltung zu gewöhnen. Aber das Geheimnifs ift noch nicht entdeckt, durch häusliche Züchtung und Wahl der Nahrung das Gefieder fo zu entwickeln, wie man z. B. bei der Schafzucht Vliefs- und Fleifchbildung fehr leicht regeln und beftimmen kann. Die Federn des gezähmten Strauſses ftehen in Qua­lität bedeutend jenen des wilden Strauſses nach.

Die Franzofen find von jeher Meifter gewefen in der Benützung des Gefie­ders und der einzelnen Schmuckfedern, ebenfo wie in der Bereitung und insbefon­dere Färbung derfelben; und fie find es fo lange fchon, fo lange eben Frankreich die Mode und den Wechfel der Mode beftimmt. Und das reicht weit über die Zeit Ludwig XIV. und die Einflüffe hinaus, welche das freie und genufsreiche Leben Burgunds neben der einftigen und vor der fpanifchen Mode ausgeübt hat. Heute noch liefert Frankreich und hier wieder Paris die durch Kunft entwickelte Schmuckfeder den Modiftinen des ganzen Continents, ja felbft Englands und Amerikas. Der fertige und vollendete Schmuck, das eigentliche Product der Modiftin, geht von Paris felbft wieder in die überfeeifchen Länder, welche das Rohmaterial liefern. Und nicht nur in den Luxusfedern, auch in den gewöhnlichen Artikeln, für welche zumeift die Armeen Europas die Confumenten find, fteht Frankreich obenan. Alles, was die Wiener Weltausstellung zeigte, bewies das Recht Frankreichs auf diefe Herrfchaft, und felbft Wien trotz feiner in den letzten Jahren ziemlich entwickelten Erzeugung von Kunftfedern ſteht eben fo weit hinter Frankreich zurück, wie Berlin trotz feiner hochentwickelten Technik der Färberei.

Nur Fräulein H. und E. Natté aus Rio de Janeiro machten diesmal mit ihren herrlichen Fächern aus zart gebogenen Federn, ihre Blumenbouquets, aus taufend und taufend Federchen zufammengeftellt, den Franzofen ihren alten Ruhm etwas ftreitig. Wir verweifen über diefe Ausftellung auf den Bericht über Frauenarbeit von Frau v. Roditzky und erwähnen hier nur, dafs in der That Frankreich neben den Leiftungen der brafilianifchen Damen verfchwinden würde, wenn eben die Behandlung der Schmuckfedern in Frankreich nicht eine hochentwickelte In­