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Jakob Falke.
war Erfindung des Profeffors Teirich am öfterreichifchen Muſeum und war für den kaiferlichen Hof gemacht.
Ebenfo vereinzelt waren die ausgezeichneten taufchirten Ornamente von Gold in Stahl an einem englifchen Tafelauffatz bei Elkington, deffen fchon oben unter dem Namen der Helikonvafe gedacht worden ift.
Dagegen traten die fpanifchen Arbeiten in diefem Genre bereits wie ein voller Induftriezweig auf, weit hinaus über den Standpunkt eines blofsen intereffanten Verfuches.
Zwei Fabrikanten, Zuloaga, den wir bereits von der Parifer Ausftellung her kennen, und Teodoro Ybarzabel, vertraten ihn mit zahlreichen Gegenftänden. Es waren Prachtfchilde, Vafen und fonftige Gefäfse, Käftchen, Piftolen, Dolche, Degengriffe und mancherlei Gegenftände des Schmuckes, alles mit Gold und Silber in Eifen oder Stahl taufchirt und zum Theil in Verbindung mit getriebener Arbeit, wie bei den reich mit Figuren verzierten Schilden, deren ſchönftes Exemplar dem öfterreichifchen Muſeum geblieben ift. Die hohe Vollendung in der Ausführung, die Reinheit und Schönheit der Ornamente und Arabesken weifen auf eine intelligente Leitung hin und bekunden einen hohen Grad des Gefchmackes.
Kirchliche Goldfchmiedekunft.
Wir hatten uns die kirchliche Goldfchmiedekunft für eine befondere Befprechung aufgefpart. Das Motiv dafür liegt in den Zuftänden der Gegenwart. In früheren Zeiten folgte die kirchliche Kunft dem Stile der Zeit oder ging ihr auch unter Umständen voran. Das ift auch ganz in der Ordnung. Sie hat nichts Befonderes für fich, keine eigene Technik, keine eigenen Formen, es fei denn, dafs fie die allgemeinen Gefäfsformen für ihren Gebrauch zugerichtet oder ihnen Symbole unterfchoben hätte.
Heute ift das nun zum guten Theile anders. Die kirchliche Goldfchmiedekunft hat fich in Stil und Form, felbft in der Technik, zum Theil fogar in den Fabrikanten vom civilen Handwerk gefchieden. Sie war es, welche die Reform des Gefchmackes auf ihrem fpeciellen Gebiete eigentlich begann, und fie wandte fich mit ihren Neuerungen dem Mittelalter zu, erft der Gothik, dann auch dem romanifchen Stil. Sie nahm die alten Formen wieder auf, mit den alten Formen aber auch die alte Technik, das Treiben des Silbers, das Filigran, das Niello, das Email in feinen verfchiedenen mittelalterlichen Arten. Dabei ift fie aber auch heute ftehen geblieben, während die Reform der civilen Goldfchmiedekunft durchaus nicht die Richtung auf das Mittelalter, vielmehr auf die Renaiffance und die antiken Vorbilder genommen hat, wie wir das bereits gefehen haben. So gehen alfo heute in der Goldfchmiedekunft zwei Wege und Stile neben einander, der mittelalterliche auf dem kirchlichen Gebiete, der der Renaiffance und der Antike auf dem civilen.
Wie die kirchlichen Arbeiten der Goldfchmiedekunft auf unferer Ausftellung, obwohl fie übrigens durchaus nicht mit Vollständigkeit vertreten waren, uns lehren, gehen aber auch in ihr wieder zwei Wege neben einander, der alte und der neue. Der alte bewegt fich in den Formen des Rococo- oder des Jefuitenftils, in denjenigen Formen, die erft feit dem XVII. Jahrhundert ihre Entstehung erhalten haben und von denen eben die Reform fich zu befreien ftrebte. Diefer alten und glücklicherweife veralteten Art gehören alle Geräthe und Gefäfse von Monftranzen, Ciborien, Kelchen, Kreuzen u. f. w. an, welche, meift aus unedlem Metall oder imitirtem Silber gearbeitet, für den Gebrauch der ärmeren oder gewöhnlichen Pfarrkirchen gefchaffen werden. Die bei weitem gröfsere Zahl gehört ihnen an. Sie find noch befonders bei den öfterreichifchen Silberwaarenfabriken vertreten. mit theueren Gegenftänden auch bei den italienifchen.