Schmuckarbeiten in Gold und Silber.
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In Italien ift bekanntlich die antike Richtung des Goldfchmuckes durch die Goldfchmiedfamilie der Caftellani in Rom und Neapel begonnen worden. Diefe Familie behauptete darin auch den erften Platz auf der Weltausftellung; aber fie ftand durchaus nicht mehr allein. Nur waren die übrigen Fabriken, wie Belezza in Florenz und T werembold in Turin, noch zugleich mit Schmuck in anderer Art und insbefondere auch mit fpeciellen Juwelierarbeiten vertreten. Die Art des antiken Schmuckes beruht einmal auf den charakteriftifchen Formen, die fich dem Baue der Glieder, welche fie zu fchmücken haben, anfchmiegen, fodann auf der reichen Hinzufügung des Filigrans, fei es in Fäden, fei es in Körnern, mit welchen fammtartig die gekrümmten Flächen überdeckt werden. Diefes Filigran in gleicher Feinheit herzuftellen und mit gleicher Vollendung anzuwenden, das war die Hauptfchwierigkeit, welche zweifelsohne von keiner europäifchen Fabrik in gleicher Weife wie von Caftellani gelöft worden ift. Vielleicht hat auch keine die Erfüllung der Aufgaben in gleichem Mafse erftrebt. Eine dritte Eigenthümlichkeit des antiken Schmuckes befteht in der ornamentalen Hinzufügung kleiner Figuren, eine vierte endlich in der befcheidenen Anwendung von Email. Beides war in gleicher Weife von Caftellani gefchehen und zum Theil auch von Anderen, wie denn gerade die Verwendung des figürlichen Ornamentes eine Eigenthümlichkeit des italienifchen Goldfchmuckes war, den derfelbe faft allein befafs. Am vorzüglichften zeigten fich in diefer Beziehung die Arbeiten des bereits genannten Twerembold in Turin.
Aber die italienifchen Goldfchmiede find bei der blofsen Nachahmung des antiken Schmuckes, fo ernft und fo künftlerifch fie diefelbe genommen haben, doch nicht ftehen geblieben. Sie haben die antike Art auf anderen Schmuckarbeiten, die Italien eigenthümlich find, weiter angewendet. Wir meinen damit die gefchnittenen Steine und die kleinen Mofaikbildchen in römifcher Art, deren Verwendung und Verwerthung zum Schmucke durch die Goldfaffung gefchieht. Diefe Faffung war bisher nach Art aller Montirungen der Juwelierarbeiten von ziemlich roher und plumper Art. Die italienifchen Goldfchmiede haben nun aber die antike Faffung mit gedrehten und gekörnten Fäden und fonftigen Motiven darauf angewendet und dadurch hat das ganze Genre als Schmuck aufserordentlich gewonnen. Franzöfifche und nordifche Goldfchmiede find ihnen darin gefolgt.
Die Wiederaufnahme des antiken Filigrans war gerade in Italien um fo leichter möglich, als fich hier das Filigran traditionell erhalten hatte, und zwar im Volksfchmuck. Gegenwärtig wird das Filigran bereits wieder fabriksmäfsig betrieben daher wir auch an diefer Stelle davon reden wollen und fein Gebrauch hat fowohl den Bereich des Volksfchmuckes wie die Grenzen des Landes überfchritten. Gleich dem türkifchen Filigran benützt man auch das italienifche zu allerlei kleinen Geräthen von Körben und Behältern; die Hauptanwen dung ift aber zum Schmucke jeglicher Art für Haar, Hals, Bruft und Arme. Die Art der fpiralig gebogenen, an den Ausgangspunkt zurücklaufenden und dort befeftigten Fäden ift immer ziemlich die gleiche; die Motive find nicht zahlreich. Neuerdings hat man aber auch nicht ohne Glück Blätter und Blumen in Filigranfchmuck darzuftellen verfucht. Die Verfuche erfcheinen um fo gelungener, je weniger fie naturaliftifche Art anftreben. Das Material diefer Arbeiten ift durchgängig Silber, aber zum Schmucke meiftens vergoldet, was z. B. bei den nordifchen Arbeiten nicht der Fall ift. Die Hauptfabriksftätten find Turin und Genua, erfteres auf der Ausftellung durch M. Meyer( Beretta), letzteres durch Salvo
vertreten.
So reich die Ausftellung Frankreichs in Schmuckarbeiten war, fo hatte man doch den gewöhnlicheren Goldfchmuck zu Haufe gelaffen. In Folge deffen überragten einerfeits die fpeciellen Juwelierarbeiten, andererfeits zeigte fich die ausgeftellte Collection verhältnifsmäfsig frei von den fchlimmften populären Motiven, den Schnallen, Riemen, Manfchetten, Hufeifen, Pferdeköpfen und was