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Jakob Falke.
dergleichen fonft auf diefem Gebiete graffirt. Dagegen war, wie wir noch später fehen werden, viel Naturalismus gerade bei den Juwelen, wo er am wenigften hingehört. Der befte Goldfchmuck war in antikem Stile gehalten und in diefer Beziehung müffen die Arbeiten von Fontenay in Paris hervorgehoben werden. Als fonftige charakteriftifche Seiten des franzöfifchen Schmuckes gab fich einerfeits viel Farbe kund, andererfeits eine gewiffe Vielfeitigkeit, wenn nicht Allfeitigkeit. Die Vorliebe für eine farbige Haltung des Schmuckes zeigte fich nicht blos in reichlicherer Verwendung von Steinen, fondern auch in der Verbindung mit Email. Aus letzterer Ornamentation hatten einzelne Fabrikanten faft eine Specialität gemacht, fo Emil Philippe aus dem mehr decorativen byzantinifchen Zellenfchmelz, insbefondere bei Kreuzen und anderem religiöfen Schmuck, die Fabrik von Pavié und Pavillié dagegen von der Miniaturmalerei auf Emailgrund. Aehnlich waren die Arbeiten von Paul Manteau und Salleron, die von Letzterem befonders mit religiöfen Gegenftänden. Die andere charakteriftifche Eigenfchaft, die Vielfeitigkeit, fprach fich darin aus, dafs die franzöfifche Induftrie den Schmuck aller Welt bei fich einführt und imitirt. So fah man den italienifchen Cameenfchmuck mit antikifirenden Faffungen, die italienifchen Korallenarbeiten, felbft den indifchen und brafilianifchen Schmuck mit goldig oder opalifirend fchillernden Käferflügeln. Auch der buntfarbige, unechte türkifche Schmuck mit Emailfarben war nachgeahmt. Ueberhaupt bildete folcher unechter Schmuck mit Email, falfchen Steinen und falfchen Perlen einen nicht unbedeutenden Theil der franzöfifchen Schmuckcollection. Diefe Arbeiten wiffen mit grofsem Gefchick brillanten Effect zu machen und find nicht felten von fehr guter Zeichnung, von befferer oft als die echten Gegenftände, weil bei diefen der Modegefchmack regiert, bei jenen aber häufig die Imitation guter alter oder nationaler Vorbilder obwaltet.
Ift in diefer Weife der franzöfifche Schmuck allumfaffend, fo ift doch der einzelne Fabrikant Specialift in einem einzelnen Genre oder erfchien doch mindeftens fo auf der Ausftellung. Im Gegenfatz fucht in England der einzelne Fabrikant allumfaffend zu fein. So zeigte fich Hancock von London, in Wien allerdings eigentlich der einzige englifche Ausfteller in modernem Schmuck. Seine Hauptftärke beruhte freilich in den reichen Juwelierarbeiten, auf die wir noch später zu fprechen kommen, aber auch fein Goldfchmuck war nicht minder zahlreich wie bedeutungsvoll. Alle Stilarten und Stilunarten, kann man fagen, die heute in Uebung find, waren in feiner Collection vertreten. Die feinften und vollendetften Arbeiten lagen neben den plumpften und gewöhnlichften. Antikifirende Zeichnungen griechifcher, etruskifcher, byzantinifcher und ägyptifcher Art mifchten fich mit ganz modernen, mit den Hauptftücken des Schnallen- und Manfchettenftils. Höchft fimpel und fchwerfällig gegliederte Armbänder contraftirten mit zierlichen Filigranarbeiten und vortrefflich ausgeführtem Zellenfchmelz.
Was Grofsbritannien fonft noch von Schmuck gefendet hatte, war mehr abfonderlicher Art. Dahin rechnen wir einen fchottifchen Fabrikanten, Atchinfon in Edinburg, mit allerlei kleinen Silbergegenständen, deren Haupteigenthümlichkeit in Verwendung von Krallen und Vogelfüfsen beftand. Wir dürfen den Urfprung alfo wohl in den fchottifchen Hochlanden fuchen. Wie fchottifche Motive, fo hatte derfelbe Fabrikant auch altirifche Motive entlehnt, fowohl von den alten in Irland gefundenen Brochen, fowie von den Steinkreuzen mit ihrem fchlangenartig verfchlungenen Ornament.
Um das eigentliche Genre des modernen Schmuckes mit dem Gemifch feiner verfchiedenartigen Elemente, wie wir dasfelbe oben gefchildert haben, kennen zu lernen, war keine Ausftellung lehrreicher als diejenige der Schweiz und ganz insbefondere diejenige Deutſchlands.
Die Schweiz verfolgt mit ihrer Induftrie keine idealen Ziele. Es handelt fich bei ihr allein um das Gefchäft und die am leichteften und ficherften verkäuf