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Die Goldschmiedekunst : (Arbeiten in Edelmetall und Edelstein) ; (Gruppe VII, Section 1) ; Bericht / von Jakob Falke
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Jakob Falke.

Korallen, Cameen, Edelſteine und bedient fich des verfchiedenartigen Goldes zu coloriftifchen Effecten, die freilich keineswegs immer glücklich ausfallen. Diefe Verbindung des grünlichen und des rothen Goldes, deren Erfindung oder hauptfächlichfte Verwendung erft dem XVIII. Jahrhundert angehört, erfcheint uns überhaupt eine fehr gefährliche Ornamentation, deren man fich nur mit gröfster Vorficht bedienen follte. Wir haben fchon manchen Effect dadurch geftört gefehen.

Es ift fchwer, aus der grofsen Menge der deutfchen Goldfchmiede, die auf der Ausftellung vertreten waren, einzelne herauszuheben. Der Werth hält fich ziemlich auf dem gleichen Niveau, doch pflegt der Eine mehr diefe, der Andere mehr jene Art und Richtung und darin ift auch der Eine glücklicher als der Andere.

Von Hanau z. B. möchten wir vor allem Biffinger& Sohn wegen fei­nerer Arbeiten nennen; ihnen kommt zunächft in diefer Beziehung Steinhauer & Comp., doch find deren Zeichnungen unklarer und überhaupt minder gut. Diefen ftehen als Vertreter der fchlimmen Seiten moderner Art J. Backes, G. W. Schehl, C. Koch und Otto Weber& Comp. gegenüber. Letztere find insbefondere Vertreter des Manfchettenftils, während Ernft Schönfeld den Naturalismus allerdings in fehr verfeinerter Art betreibt. In Specialitäten find zu nennen: C. Kurr- Schüttner mit Korallen, Agaten, Malachiten, Mufcheln, aber mit unbedeutenden Faffungen; J. M. Krug mit kleinen Emails, Diehls mit Perlen und Steinen. Unter den Stuttgarter Fabrikanten erfcheint als die erfte und befte Firma Meyer& Pleuer, insbefondere mit franzöfifch- antikifirenden Arbeiten; Berg& Comp. dagegen ftehen auf der entgegengefetzten Seite. Auf diefer letzteren find auch die Gmünder Fabrikanten zu nennen: Otto& Comp. mit wildem Naturalismus, Gebrüder Kuttler in ähnlicher Richtung. In Pforz­heim ftellen fich auf die beffere Seite Nützelberger, Gfchwind& Comp., deren Arbeiten, wenn auch verfehlt im Stil, um der feinen Faffungen willen zu loben find; Basler und Flendrich, fowie W. Mürle mit hübfchen Emails. A. Kiehne übt den Naturalismus wenigftens in fehr feiner Art. F. Becker, Haack& Nagler, A. Gerwig huldigen theils dem Manfchettenftil, theils dem Naturalismus, während G. Saacke und Maifchhofer, letzterer in Ver­bindung mit Korallen, vorzugsweife das veraltete Motiv bandwurmartiger Ver­fchlingungen zu Schmuckarbeiten benützen.

Eine ähnliche Collectivausftellung wie die diefer deutfchen Schmuckfabri­kanten befand fich auch in der öfterreichifchen Abtheilung. Diefe Collectiv­ausftellung enthielt den gewöhnlichen Goldfchmuck, wir müffen leider fagen, den fehr gewöhnlichen, denn fo viel wir auch an den deutfchen Arbeiten auszufetzen fanden, diefe Art der öfterreichifchen machte noch einen weit ungünftigeren Eindruck. Es waren die Motive nicht blos der verkehrteften modernen Art, es fehlte nicht blos an aller Erfindung und Originalität, es ftand auch die Arbeit felbft an Feinheit und Mannigfaltigkeit der Technik hinter den deutfchen zurück. So fehr wir bei den öfterreichifchen Silberarbeiten das Beftreben nach wahrhaft künftlerifchen Leiftungen anerkennen mufsten, ebenfo fehr läfst diefe Art des Schmuckes nicht überfehen, dafs die reformatorifchen Bemühungen auf dem Gebiete der Kunftinduftrie noch nicht bis zu ihnen gedrungen find. Hier liegt noch ein Feld der Thätigkeit völlig brach.

Doch waren diefs bei weitem nicht die einzigen Schmuckarbeiten, die in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt waren. Eine Anzahl Juweliere, die höchft koftbaren Edelſteinfchmuck dem Publicum vor Augen geführt hatten, bewiefen, dafs die Bedeutung des öfterreichifchen Schmuckes, wie wir noch näher fehen werden, auf einer anderen Seite liegt. Aufser diefen, zum Theil grofsartigen Bijouterien gab es aber auch noch mancherlei eigenthümlichen Schmuck, der wenigftens Beachtung verdient. Dahin rechnen wir z. B. niellirten Silberfchmuck von Luftig& Vidal, fowie von Markovitfch& Scheidt, bei denen freilich